Gespräch
Gespräch mit einem Schauspieler aus Moskau
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)
Was verbinden Sie mit dem Theater und der Revolution? Können die beiden zusammenkommen?
1917 bricht die Februarrevolution aus. Die Freude ist so groß, dass sich Wildfremde auf den Straßen küssen. Das Theater erhält eine neue Mission: Es muss seine Türen für die breiten Massen der Zuschauer:innen öffnen, für Millionen von Menschen, die bis dahin keine Möglichkeiten hatten, die Kultur zu genießen. Wir stehen hilflos dem Strom gegenüber, der das Theater überflutet. Auch bitten die Menschen uns um Brot. Anfangs erkunden wir, wie der neue Zuschauer auf unser Repertoire reagiert. Es gibt die Meinung, man müsse Bauern Stücke aus seinem Leben, den Arbeitern solche aus ihrem Alltag vorspielen usw. Das stimmt nicht! Der Bauer, der sich ein solches Stück ansieht, sagt meist, er habe zu Hause schon genug davon, und möchte viel lieber das Leben anderer Menschen sehen. Leider ist das Gesetz der Massenwahrnehmung von Theaterdarbietungen noch nicht erforscht. Wir sind genötigt, auf die völlig neuartige Atmosphäre im Zuschauer:innenraum einzugehen. Wir wissen nicht, warum der neue Zuschauer hier lacht und da weint. Wir begreifen, dass diese Menschen nicht zur Belustigung ins Theater kommen, sondern um sich bilden zu lassen. In der ersten Zeit haben wir es schwer, zwei oder dreimal muss...


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