Theater der Zeit

Bilder fürs Theater

Internationale Theaterplakat-Wettbewerbe in Osnabrück

von Tobias Vogt

Erschienen in: Gegen den Alltagsstaub – Theater in Osnabrück – 100 Jahre Theater am Domhof (08/2009)

Assoziationen: Niedersachsen Theatergeschichte Theater Osnabrück

Anzeige

Anzeige

Als Dr. Erdmut August 1981 seine Intendanz in Osnabrück begann, brachte er nicht nur Ideen für eine zeitgemäße Spielplangestaltung mit, sondern auch seine Leidenschaft für Theaterplakate. Bereits 1976 hatte in Kiel, wo August als Chefdramaturg tätig war, der 1. Internationale Theaterplakat Wettbewerb Deutschlands stattgefunden.

Am 2. Internationalen Theaterplakat Wettbewerb in Osnabrück 1986, veranstaltet von den Städtischen Bühnen Osnabrück, dem Theater der Stadt Gütersloh und dem Sekretariat für gemeinsame Kulturarbeit in Nordrhein-Westfalen, nahmen 456 Grafiker aus 38 Ländern mit über 1400 Arbeiten teil. Die Jurierung des Wettbewerbs war ungewöhnlich. Zugunsten einer öffentlichkeitsnahen Beurteilung wurde der rein fachliche Expertenstandpunkt vernach lässigt, die Jury setzte sich aus 50 Repräsentanten verschiedener Berufe, Altersgruppen und Gesellschaftsschichten zusammen. Das Ergebnis überraschte: Mit den fünf ausgeschriebenen Geldpreisen wurden ausnahmslos Grafiker aus dem Ostblock ausgezeichnet. Der erste Preis ging mit 5000 DM an den damals dreißigjährigen Polen Wiktor Sadowski für das Plakat zu »My Fair Lady«. Die interessantesten Blätter wurden zur Wiedereröffnung des Theaters am Domhof (nach dem Umbau 1987) ausgestellt und waren anschließend in Gütersloh, Oberhausen und weiteren Städten zu sehen.

Durch die große Präsenz und den hohen künstlerischen Standard der am Wettbewerb beteiligten DDR-Grafiker entstand die Idee, Plakate der DDR-Theater in einer umfassenden Extra-Ausstellung zu präsentieren. Sämtliche Theater und Plakatgestalter aus dem Osten Deutschlands wurden eingeladen, sich daran zu beteiligen; 550 Blätter von mehr als 80 Grafikern wurden eingesandt. Eine Jury von bildenden Künstlern, Theaterleuten und Kunstverständigen wählte die ihrer Meinung nach 170 besten aus, die ab September 1989 im Theater am Domhof zu sehen waren. Der 3. Internationale Theaterplakat Wettbewerb Osnabrück 1996/97 wurde ein Wettbewerb der Superlative. 410 Grafiker aus 45 Ländern schickten über 2000 Blätter ein, die nach dem 1. Januar 1992 entstanden waren. Eine professionelle Jury traf diesmal eine Vorauswahl von 700 Plakaten, die dann, ähnlich wie 1986, von einer 50-köpfigen Jury bewertet wurden. Den ersten Preis mit 10 000 DM erhielt Ronald Curchod aus Toulouse für sein Plakat zu Heiner Müllers Stück »Verkommenes Ufer/Medeamaterial/Landschaft mit Argonauten «. Wiederum wurden die spannendsten Arbeiten ab Januar 1997 in vielen deutschen Städten gezeigt.

Für Dr. Erdmut August sind Theaterplakate »ausdrucksstarke Zeugen, die viel vom Geist einer Theaterarbeit berichten können, soweit sie von Künstlern und nicht von Verkaufsstrategen gestaltet worden sind«. Dank seines Entgegenkommens und der freundlichen Unterstützung der Druckerei Rasch, die uns Bilddateien zur Verfügung stellte, können wir in dieser Dokumentation einige dieser »Zeugen« zu uns sprechen lassen.

teilen:

Assoziationen

Neuerscheinungen im Verlag

Charly Hübner Buch backstage
Cover XYZ Jahrbuch 2023
Recherchen 162 "WAR SCHÖN. KANN WEG …"
"Scène 23"
"Zwischen Zwingli und Zukunft"
Recherchen 165 "#CoronaTheater"
"Die Passion hinter dem Spiel"
Arbeitsbuch 31 "Circus in flux"
"Passion Play Oberammergau 2022"
Recherchen 163 "Der Faden der Ariadne und das Netz von Mahagonny  im Spiegel von Mythos und Religion"
Passionsspiele Oberammergau 2022
"Theater der Vereinnahmung"
Recherchen 156 "Ästhetiken der Intervention"
"Theater unser"
"Pledge and Play"