Lots of Love
Über Robert Wilson
Erschienen in: D’haus. Düsseldorfer Schauspielhaus 2016–2026 – Schauspiel – Junges Schauspiel – Stadt:Kollektiv (05/2026)
Assoziationen: Robert Wilson

Ich komme gerade von Robert Wilsons Memorial in Berlin. Noch auf dem Sterbebett hat Bob vier Gedenkveranstaltungen organisiert, in den vier wichtigsten Städten seiner Karriere. Und der erste Programmpunkt: dreißig Minuten Schweigen. So traurig mich sein plötzlicher Verlust macht, führte dieses intensive und ungewöhnliche gemeinsame Erlebnis bei mir zu einem Lächeln. Denn in dieser halben Stunde erinnerte ich mich an den Probenbeginn für »Der Sandmann« im Juni 2016. Auch dort wurde erst einmal geschwiegen. Anfangs fand ich es albern, fast kultisch, doch das wich schnell einer Faszination, denn sofort entstand eine besondere Verbundenheit im Raum. Und genau diese Gemeinsamkeit hat Bobs Arbeit für mich geprägt. Bob brachte Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern, Künsten und Nationalitäten zusammen. Er sensibilisierte, inspirierte, forderte, beglückte.
Ich traf Bob zum ersten Mal im Staatsschauspiel Dresden, bei einer Art Audition für »Der Sandmann«. Das Ensemble wurde zusammengestellt, und Bob wollte für die Hauptrollen eigentlich ihm vertraute Schauspieler:innen engagieren. Doch Wilfried Schulz kämpfte für sein Ensemble – und so kam ich ins Spiel. Bob stellte mich in die Mitte der Probebühne und ließ mich einen Text lesen: hoch und tief, leise und laut. Danach sollte ich ein Lied am Klavier singen. Anschließend fragte er mich, ob ich mit...


















