Schauspielerorganisation
Die Schauspielerorganisation
von Hugo Gau-Hamm
Erschienen in: Theater der Zeit: Zeittheater oder Theater der Zeit? (07/1946)
Im Juli 1946 beabsichtigt die „Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger“ in Weimar, wo sie einst gegründet wurde, eine Feier des 75jährigen Bestehens zu veranstalten. Das ist ein Anlaß, auf ihre Bedeutung im deutschen Theaterleben hinzuweisen.
Die Erkenntnis der Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Schauspieler in einer starken Berufsorganisation ist in Deutschland beinahe so alt wie die neuere Schauspielkunst selbst. Sie findet ihren Ursprung schon im Auftauchen der Namen von Ekhof und der Neuberin.
Nach einigen vergeblichen Versuchen war im Jahre 1861 der „Deutsche Bühnen-Verein“ von einem Berliner Theaterleiter gegründet worden, um gegen ein in Aussicht genommenes Theatergesetz Stellung zu nehmen. Das Verhältnis zu den Arbeitnehmern war in dieser Vereinigung patriarchalisch wohlwollend, aber im Grunde auf absolute Selbstherrlichkeit der Direktoren abgestellt, die glaubten, zu einem kommenden Theatergesetz nur ihre Meinung abgeben zu brauchen. Dagegen wendete sich in einer Leipziger Zeitschrift ein Aufruf des als Anonymus zeichnenden, damals noch wenig bekannten Heldenspielers aus Frankfurt am Main Ludwig Barnay. Er forderte einen Schauspielerkongreß und stellte unter anderem die Frage: Warum sollen wir Schauspieler denn gar nicht zu der Erkenntnis unseres Standesbewußtseins gelangen, warum sollen wir nicht die Gelegenheit ergreifen, uns auch einmal über unsere nächsten künstlerischen und materiellen Interessen auszusprechen?
Barnays Aufruf fand begeisterten Widerhall. Opferbereite...