Die Paveier – Heimisches Sächsisch
von B. K. Tragelehn
Der kleine Text erschien zuerst in dem Thüringer Literaturjournal Palmbaum.
Für die Dialekte der deutschen Sprache hatte ich beizeiten eine Neigung. Heimisches Sächsisch zu sprechen hat mir schon immer subversives Vergnügen bereitet, offenbar ein instinktiver Widerstand gegen wiederkehrende Ermahnungen von Eltern und Lehrern, ordentlich Deutsch zu sprechen. Dabei sprachen die selber in der Residenzstadt Dresden furnähmes Säcksich.
In Dresden-Striesen wurde der Rhododendronpark, in dem wir mit alten Tennisbällen Fußball spielten, bäbbeldn, von uns Rhodódndrónbarg genannt. In Dresden-Blasewitz, in der Kretschmarstraße, an meiner Schule vorbei, fuhr der Obus. Oberleitungsbusse waren damals ein neues Verkehrsmittel. Und neu war auch, dass man vorn ein- und hinten aussteigen sollte. Eine dicke Frau, weil die hintere Tür offenstand und niemand ausstieg, stieg dort ein im Augenblick, als der Fahrer den Knopf drückte. Falsch! Ihr Bein wurde eingeklemmt in der sich schließenden Tür. Sie schrie laut und langgezogen: Mai Beeen! Das wurde unter uns zur Grußformel. Wir gaben uns die Hand mit dem langgezogenen Ruf Mai Beeen.
Die Schauspieler, mit denen ich als Regisseur gearbeitet habe, später, mussten mir ihre Heimatdialekte vormachen. Dieter Montag zum Beispiel – noch Student an der Schauspielschule in Babelsberg spielte er in meiner Potsdamer Inszenierung von Shakespeares...

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