„Die Mausefalle“ aus „Hamlet“ von William Shakespeare in der Übersetzung von Heiner Müller, Inszenierung B. K. Tragelehn 1985 am Residenztheater München. Akademie der Künste, Berlin, B. K.-Tragelehn-Archiv, Archivnummer 322_009Foto: Wilfried Hösl
Zwei amerikanische Literaturwissenschaftler, Lawrence Guntner und Andrew McLean, befragten Heiner Müller am 26. April 1990, also während der sogenannten Wende, in der Ostberliner Wohnung von T., der sich, wie auch seine Frau Christa, an dem Gespräch beteiligt hat. T. und Christa Tragelehn kannten Guntner und McLean von den jährlichen Weimarer Shakespeare-Tagen. Gegenstand des Gesprächs, das zuerst im Jahrbuch der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft 2020 erschienen ist, ist Müllers Beziehung zu Shakespeare.
Guntner Jeder hat seine persönliche Hinwendung zu Shakespeare. Wie sind Sie bei Shakespeare angekommen?
Müller Das ist furchtbar allgemein – wenn man Stücke schreiben will, was ich immer tun wollte, ist Shakespeare selbstverständlich traumhaft, ein unerreichbares Muster, und er bleibt ein Rätsel und eine Herausforderung. Ein ständiger Stachel! Dann – ich hatte in der Schule ein bisschen Englisch gelernt und wollte als erstes Hamlet lesen. Nach einem Jahr Englisch! Das ging natürlich überhaupt nicht. Aber ich habe es trotzdem versucht. Shakespeare hat mich eigentlich von Anfang an interessiert, aber zunächst nur Hamlet. Ein altes Buch, eine alte englische Einzelausgabe, mit sehr viel Apparat. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich das damals ganz gelesen habe. Ich war wahrscheinlich vierzehn, oder dreizehn. Das Interesse an Shakespeare war zunächst das Interesse für...
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