Zwei Schauspieler klettern waghalsig wie Reptilien auf schmalen Leitern von Zimmer zu Zimmer, die neben- und übereinander wie in einer Puppenstube angeordnet sind. An den Wänden Regale in strahlendem Orange, die wie Reliquien aus den siebziger Jahren wirken, randvoll mit Utensilien. Ein Bett verschwindet unter einer Tagesdecke aus bunten Blumen. Die Geschichte um eine außergewöhnliche Liebe zwischen einem alten Mann und einem jungen Mädchen, angefeindet von Nachbarn und Familie, beginnt schonungslos und eindringlich. Das Sterbezimmer – ganz in Weiß –, in dem die Totenbahre bereits wartet, ist parterre eingerichtet, um dort den Vater bzw. Großvater bald endlich verabschieden zu können. Bussenius gelingt, nicht zuletzt wegen eines unter ihrer Regie intensiv und unverkennbar agierenden Ensembles, eine feingliedrig differenzierte und unter die Haut gehende Sozialstudie, die zeitlos ist.
„Rheinpromenade“ ist bereits Bussenius zweite Inszenierung am Schauspiel Köln. Zuvor positionierte sie Feridun Zaimoglus „Schattenstimmen“, eine Collage aus Kölner Migrantenstimmen, jenseits von Klischees und Betroffenheitsmaschinerie, indem sie aus den sprach- und machtlosen „Randexistenzen“ surreale Clowns machte. Für das HAU richtete sie auf dem Gelände des vietnamesischen Dong-Xuan-Großmarkts in Berlin-Lichtenberg eine Teilinszenierung zu vietnamesischen Flüchtlingen ein, bei der sie die Zuschauer in einen mit Memorabilien prall gefüllten Wohnwagen einlud. Ihre Inszenierung von „Undine, die kleine...