Kolumne
TdZ+Wir gehen rein
Sportschau oder Feuilleton?
von Lina Wölfel
Assoziationen: Bremen Theater Bremen
Erschienen am 14.8.2026

Diejenigen unserer Gilde, die nicht von Salzburg nach Bregenz, von einer Freilichtbühne zum nächsten Sommertheater jetsetten, haben im Sommer endlich mal eines: Pause. Ruhe. Vielleicht sogar Urlaub. Und: Zeit, sich mit anderen Events als Theaterabenden zu beschäftigen. Und das Sommerereignis in diesem Jahr war vermutlich die Männer-Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Mediale Berichterstattung und Kontroversen begleiteten diese größte WM, da ging es um den somalischen Schiedsrichter Omar Artan, dem die Einreise in die USA verweigert wurde, Hydration-Breaks und den Trump-Card-Skandal.
Die alltäglichste, kaum zu überhörende Form der Berichterstattung, jene, die jedes Spiel begleitet, sind aber wohl die Kommentare der Sportjournalist:innen. Da werden Pässe bewertet, Aufstellungen erklärt, Hobbytrainer:innen in ihren Wohnzimmern schon mal zu beruhigen versucht, wenn ein Tor doch im Abseits geschossen wurde oder ein Schiri mal wieder eine unerklärliche Entscheidung getroffen hat. Und dabei fällt auf, dass Theaterkritik und Fußballspielkommentar mit ähnlich spezifischem Fachvokabular, ähnlich metaphorischen Bildern und ähnlichen Stilblüten arbeiten.
Sehen wir uns doch mal folgendes Zitat an (die Namen wurden zu Verfremdungszwecken ausgetauscht): „Müller lässt den Spieler:innen Zeit zum Atmen, wählt fließende Tempi und verbindet Eleganz mit Wucht bei einzelnen dramatischen Einwürfen.“ Na, Opernkritik oder spielbegleitender Kommentar? Wir gehen rein.
Im Theater gibt es eine...
Erschienen am 14.8.2026



















