Akteure
TdZ+Die Widerständige
Ursprünge der Textflächen-Ästhetik – Elfriede Jelinek zum 80. Geburtstag
von Teresa Kovacs
Assoziationen: Österreich Hamburg Elfriede Jelinek Burgtheater Wien Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Erschienen am 18.9.2026

Nur wenige wissen, dass „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften“ nicht Elfriede Jelineks erste Theaterarbeit war. Zwar markiert der 1979 beim steirischen herbst uraufgeführte Text tatsächlich Jelineks Auftritt auf den deutschsprachigen Bühnen, von denen sie seither nicht mehr wegzudenken ist, ja, die ohne sie nicht mehr denkbar sind, es gibt jedoch ein aktionistisches Vorspiel, das im Kontext von Jelineks Theater durchaus relevant ist. Jelinek entwickelte bereits 1968 gemeinsam mit dem Komponisten Wilhelm Zobl die performative Anleitung „rotwäsche“. „rotwäsche“ war das Ergebnis ihrer intensiven, frühen Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Politik. Das damals nicht umgesetzte Happening – bei dem Jelinek selbst performen sollte – war als Angriff auf das Publikum konzipiert, inklusive Buttersäure-Attacke und einer bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Geräuschkulisse. Und so lautet der letzte Satz des dafür entstandenen Typoskripts dann auch: „totaler terror der auf das publikum ausgeübt wird“. Dass das Happening „rotwäsche“ letztendlich unrealisiert blieb, ist aus heutiger Sicht betrachtet nur konsequent. Denn Jelinek ist Autorin und sie ist nichts ohne den Text. Ja, sie ist eine Textbesessene – wie übrigens auch einer ihrer wichtigsten Regisseure, Einar Schleef –, und so geht der Widerstand, den ihre Arbeiten leisten,...
Erschienen am 18.9.2026



















