Essay
TdZ+ ProDon Karlos
Über die Bedingungen wahrer Freundschaft bei Schiller
Erschienen in: Freundschaft im Theater – Eine Suche auf und hinter der Bühne (11/2026)
Assoziationen: Hamburg Deutsches Schauspielhaus Hamburg

„Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein.“ Friedrich Schiller, An die Freude (1786)
In diesen Zeilen kommt zum Ausdruck, was Schiller zeitlebens umtrieb und was er auch seinem Don Karlos auf den Weg gab. Freundschaft ist kein beiläufiges Gefühl, sondern eine existenzielle Wahl, ein Wagnis und ein Versprechen. Was bedeutet diese Wahl im Drama Don Karlos, wie gelingt und woran scheitert sie? Und warum spricht ein Stück über Freundschaft, Macht und Einsamkeit auch zweieinhalb Jahrhunderte später noch zu uns?
Das Drama Don Karlos von Friedrich Schiller spielt im Jahr 1568, dem Todesjahr des historischen Infanten Don Carlos de Austria. Es erzählt uns von einem jungen, stürmischen Rebellen und einem vielleicht naiven Glauben an eine politische Utopie, vom Glauben an Freundschaft, von der Sehnsucht nach wahrer Liebe und von Geheimnis, Verrat und Macht. Es erzählt von einem einzigartigen Verhältnis: von der Freundschaft zwischen dem Infanten Karlos und Marquis von Posa als dem dramatischen Ideal einer tiefen Seelenverwandtschaft, die an der politischen Realität, an Posas instrumentalisierendem Handeln und an Don Karlos selbst scheitert. Und wir erfahren, welche Ohnmacht die Macht mit sich bringt. Philipp, der scheinbar nichts entbehren muss, der gewaltige Fürst mit fast grenzenloser Macht, befindet sich...
















