Raum
Texte formen Bilder in meinem Kopf
Erschienen in: D’haus. Düsseldorfer Schauspielhaus 2016–2026 – Schauspiel – Junges Schauspiel – Stadt:Kollektiv (05/2026)
Assoziationen: Kostüm und Bühne

Ich werde oft gefragt, was man als Bühnenbildnerin macht. Meine Antwort ist: Ich versuche, die visuelle Erfahrung, die die Zuschauenden bei einer Theateraufführung machen sollen, zu gestalten. (Vielleicht ist es überheblich, zu glauben, dass das möglich ist, hat doch jede Person ihre eigenen visuellen Erfahrungen gemacht und verbindet diese mit bestimmten Emotionen.)
Wenn ich anfange, ein neues Bühnenbild zu entwerfen, bin ich vollkommen leer und unvoreingenommen. Ich lasse den Text auf mich wirken, versuche, herauszufiltern, was er erzählt und was ich daran für mich relevant finde. Was für Stimmungen, Farben, Figurenkonstellationen mich begeistern und welche Entwicklung die Geschichte nimmt. Dabei zeichne ich oft einen Comic, meistens Szene für Szene des Texts. Ich schreibe mir Schlüsselsätze heraus, die wie Headlines über gewissen Kapiteln stehen, zu denen ich assoziative Zeichnungen mache. So nähere ich mich den Figuren und Situationen. Dann spreche ich mit der Regie. Gemeinsam loten wir aus, wohin der Weg führen soll. Was wollen wir mit dem Text und mit unserer Interpretation erzählen? Wir diskutieren inhaltlich, aber noch nicht über konkrete Raumumsetzungen. Die entwickle ich allein, in einer Entwurfsphase in meinem Atelier.
Beim Entwerfen darf man sich nicht von den äußeren Bedingungen einschränken lassen. Die Ernüchterung durch die Realität des...

















