Kolumne
Wir gehen rein
Wer braucht den Scheiß?
von Lina Wölfel
Erschienen in: Theater der Zeit: Theater in der Ukraine (02/2026)

Theaterfestivals sind der energetische Supergau. Die Tage starten oft am späten Vormittag mit Podiumsdiskussionen und Presseführungen. Danach beginnt das eng getaktete Programm mit zwei, drei oder vier Vorstellungen am Tag, Schnellschritt von einem Vorstellungsort zum nächsten, rein in die Tram, raus, rein ins Theater, dazwischen Gespräche mit Kolleg:innen oder anderen Teilnehmer:innen, abends dann Nachgespräche, Get-togethers oder Partys, die man auch nur ungern auslässt – connecten und so. Um all das einigermaßen unbeschadet zu überstehen, gibt es Goodie-Bags. Ein mehr oder weniger hübsch bedruckter Jutebeutel mit allerlei, sorry to say, Altpapier. Programmzettel, ausgedruckte Stadtpläne, ganze Festivalbücher, Flyer und und und. Welcome to the digital age? Fehlanzeige. Und wäre das nicht schon genug Müll, befinden sich dazwischen auch noch allerlei Werbeartikel des ausrichtenden Theaters oder Festivals.
In einer Schublade in meinem Flur sammeln sich inzwischen rund 25 Schlüsselbänder. In einem Fach daneben mindestens 17 Jutebeutel. In der Küche stehen Glas- und Plastikflaschen aus Hellerau, dem Hebbel am Ufer und einem Festival in Tschechien. In einer Büroschublade stapeln sich Notizblöcke aus alten Theaterplakaten (die kleben, wenn man an der Hand ein bisschen schwitzt), Kulis aus wiederverwertetem Holz (bei denen der Aufdruck an den Fingern haften bleibt) und Bleistifte aus gepresster Pappe (die sich...

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