Frank Castorf geht nach Bayreuth. Was will der Volksbühnen-Ostler vom Rosa-Luxemburg-Platz dort? Sucht er sein verlorenes Anklam, wo einst der Stahl golden floss? Will er nun also in der friedlich-fränkischen Kreisstadt Bayreuth – im Bühnenbild des Serben Aleksandar Denic – postsozialistische Unruhe stiften, den Kunsttempel Festspielhaus schleifen?
Nein, dieser Regisseur nimmt Wagner mit seinem Kunstwerk der Zukunft beim Wort. Ein Gesamtkunstwerk für alle und kein Reservat für Besserverdienende. Hier findet musikdramatische Geschichtserforschung statt – immer auf der Spur des gestohlenen und ungezügelt um den Globus vagabundierenden „Rheingolds“ zwischen Amerika und Russland.
Das ist auch der Transitraum, der sich in Castorfs „Ring“ eröffnet. Auf der Ölspur, die er so überdeutlich legt, kann man allerdings leicht ausrutschen. Gewiss, alle jagen dem Öl hinterher. Ohne Öl kann man keine Kriege gewinnen, nicht einmal im Frieden an der Macht bleiben – Öl wird buchstäblich mit Gold aufgewogen. Alle haben sie hier eine höllische Angst davor, das zu verlieren, was sie, es erst einmal besitzend, gar nicht gebrauchen können, was sie unfrei statt frei macht. Nur Siegfried muss erst ausziehen, das Fürchten zu lernen – und lernt es spät, angesichts des Weibes Brünnhilde. Aber auch Siegfried wird mittels Machtintrige Hagens schnell wieder seiner Liebe beraubt....