Das The- mit dem Theater
Variationen über Theorie im Schauspielunterricht
von Martin Wigger
Erschienen in: Recherchen 153: Wer bin ich, wenn ich spiele? – Fragen an eine moderne Schauspielausbildung (03/2021)
1. ANFANG
Am Anfang steht ein Ende
Jeden Freitagnachmittag: sich sammeln für den Unterricht in Bern. Verbunden mit einer einstündigen Anreise aus einer anderen Schweizer Stadt. Spürbar über allem das schon nahe Wochenende.
Wie oft habe nicht nur ich, sondern haben auch die Studierenden in den vergangenen Jahren, seit ich Theorie für Schauspiel an der HKB unterrichte, diese eine Frage gestellt: Warum ausgerechnet kurz vor dem Ende einer ereignisreichen Woche diese Disziplin? Warum nicht frisch zu Wochenbeginn, montags gegen 9 Uhr nach der ersten Stunde Qigong, eine wache Doppelstunde Theorie? Die Möglichkeit dazu hätte sicher bestanden. Bei entsprechender Nachfrage hätte auch die Departmentsleitung sich überzeugen lassen. Die Auseinandersetzung mit Theorie, in diesem Fall Schauspieltheorie, braucht wache Köpfe. Sie setzt das Gegenteil von Erschöpfung voraus. Und vor allem: Die Beschäftigung mit ihr muss überzeugen und natürlich auch Spaß machen.
Aber eben: Verschoben wurde der Unterricht bis heute nicht. Denn irgendetwas scheint an seinem (späten) Zeitpunkt richtig zu sein. Gerade das spürbare Wochenende, der verstrichene volle Stundenplan, auch das Gefühl, sich noch einmal für einen gemeinsamen theoretischen Entwurf einzufinden, haben an dieser Stelle offenbar ihre Berechtigung. Man blickt im besten Fall zusammen zurück: auf persönliche Erlebnisse, auf Politik im Großen wie im...