Theater der Zeit

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4.6. Betonung in komplexen Satzgefügen

Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)

Spätestens bei der ersten Begegnung mit einem Klassiker wird verständlich, wozu wir uns den oben skizzierten Übungen unterzogen haben. Ein Verständnis der Thema-Rhema-Struktur und ihrer Konsequenzen für die Satzintonation sind hier eigentlich Voraussetzung für ein angemessenes Textverständnis.

In gebundener Sprache, etwa im klassischen Versdrama, ist die Voranstellung des Rhemas häufig anzutreffen; wer nicht mit ihr rechnet, wer die in Prosa- und Sachtexten fast ausschließlich verwandte Thema-Rhema-Folge unreflektiert an einen solchen Text heranträgt, hat gerade bei stillem Lesen große Probleme mit dem Textverständnis. Nur wer mit gebundener Sprache vertraut ist und dadurch mit einem differenzierten Hörverständnis an eine Dramenlektüre herangeht, wird sich in Othellos folgenden Äußerungen nicht verirren.

Othello zu Jago (II,3), in Erwiderung auf dessen Verdächtigungen, Desdemona betreffend:

Mich macht’s nicht eifersüchtig,

Zu hörn, dass meine Frau schön ist und reizvoll [...] ,

Noch hab ich meiner eignen Schwächen wegen

Furcht oder Argwohn, sie könnt untreu werden [...],

Nein, Jago; sehn will ich’s, eh ich zweifle.34

4.6.2. Reflexhafte Betonungen

Ein Student, der sich mit dieser Rolle schon eine Weile beschäftigte, immer noch Schwierigkeiten mit dem Text hatte und mich deswegen aufsuchte, setzte folgende Betonungen (die aber viele andere genauso gesetzt hätten!):

🔊 4.6.2.

Mich macht’s nicht eifersüchtig,

Zu...

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