Gespräch
Gespräch mit einer Dramatikerin aus Lille (2/2)
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)

Du kommst gerade zurück nach Europa. Was kannst du über das Publikum andernorts berichten?
Ich fand das Publikum in Senegal viel lebendiger und aktiver im Raum, es interagierte regelmäßig mit mir und dem, was ich auf der Bühne sagte. In Europa kann man lachen, unauffällig husten und am Ende applaudieren. Ich habe das Festival Récréatrales in Ouagadougou besucht und war überrascht von der Vielfalt des Publikums, das von Expats bis hin zu jungen Leuten aus der Nachbarschaft reicht. Ein Ticket kostet so viel wie ein Bier, so dass jede:r die Vorstellung genießen kann. Es war nicht ungewöhnlich, Kinder im Publikum zu sehen, die auf das, was auf der Bühne gesagt wurde, reagierten. Frauen, die ihre Neugeborenen stillten und ebenfalls die Show genossen. Bäume, die ihre Blätter im Wind schwenkten, oder einen Vogel, der mitten auf der Bühne landete, als ob auch er an den Feierlichkeiten teilnehmen wollte. Das alles scheinen mir Zeichen von Vitalität zu sein, die wir auf unseren europäischen Bühnen manchmal vermissen.
Was für ein Ort ist das Theater eigentlich für dich?
Ich habe den Eindruck, dass die Zugehörigkeit zur Diaspora mir hilft, meinen eigenen Raum zu erschaffen, weil ich mich in einem Zwischenbereich befinde. Du gehörst nicht...


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