Theater der Zeit

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Leitfaden für Interviews mit Theaterschaffenden

Erschienen in: Im Fokus: Freies Kinder- und Jugendtheater – Studien zur Situation 2017–2022 (04/2024)

Einführung in das Interview

Eingangs wird den Interviewpersonen – nach Vorstellung der eigenen Person – erläutert, was das Ziel des Projekts ist, wie es sich insgesamt in die Analysen von ASSITEJ e.V. einbettet und welcher konkrete Sinn und Zweck mit diesen Interviews verfolgt wird:

Ziel des Projekts ist es, ergänzend zu den quantitativen Analysen von ASSITEJ e.V. vertiefende Kenntnisse zur Situation von Theaterschaffenden in Kinder- und Jugendtheatern in Deutschland im Rahmen narrativer Interviews zu erheben. Hierbei interessieren sowohl die berufliche und künstlerische Biografie der Theaterschaffenden als auch die inhaltliche und künstlerische Ausrichtung ihres Theaterschaffens, die Anbindung an bestehende Strukturen und Netzwerke, die Organisation ihrer Tätigkeit als Theaterschaffende, die wirtschaftlichen Entwicklungen und Perspektiven sowie die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Tätigkeit von Theaterschaffenden in den Darstellenden Künsten für junges Publikum.

Den Interviewpersonen werden vor Beginn des Interviews außerdem die datenschutzrechtlichen Aspekte erläutert, falls dies nicht bereits im Vorfeld bei der Kontaktanbahnung bzw. der Abstimmung des Interviewtermins erfolgt ist.

Insgesamt werden 15 Interviews mit einer durchschnittlichen Dauer von 60 Minuten durchgeführt. Das Interviewkonzept sieht grundsätzlich ein narrativ-offenes Vorgehen bei der Interviewführung vor. Gleichzeitig sollen jedoch aus Sicht von ASSITEJ e.V. zu einer Vielzahl von Themenfeldern Informationen erhoben werden. Hieraus ergibt sich der Konflikt zwischen weitgehender Offenheit in der Interviewführung einerseits (wie dies in narrativen Interviews i. d. R. der Fall sein sollte) und möglichst umfassender Abdeckung der von ASSITEJ e.V. vorgegebenen Interviewthemen andererseits, die einem bewusst offen gehaltenen Verlauf entgegensteht.

Um beides zu kombinieren, wurde hier ein Verfahren gewählt, in dem die Offenheit eines narrativen Interviews durch erzählgenerierende Impulse zunächst erhalten bleibt, die Interviewer*innen jedoch im Rahmen der zur Verfügung stehenden Interviewzeit entsprechend der Interviewdynamik gezielt nach der Bedeutung einzelner Aspekte nachfassen können. Mögliche Aspekte, zu denen konkrete Nachfragen gestellt werden können, werden im Leitfaden als „Merkposten“ gekennzeichnet, die den Interviewer*innen als interne Hinweise bei der Moderation des Gesprächs dienen können.


1. Einstiegsfrage

Erkenntnis-interesse

Verständnis für Motive und Faktoren, die zur Tätigkeit als Theaterschaffende*r geführt haben sowie den hierfür entscheidenden Meilensteinen im Leben der Interviewperson

Zeitliche Orientierung

Etwa 10 bis 15 Minuten

Erzählanreiz

Bitte beschreiben Sie die wichtigsten Entwicklungen, die dazu geführt haben, Theaterschaffende*r im Kinder- und Jugendtheater zu werden. Wie sind Sie dazu gekommen, was hat Sie besonders motiviert, und welches waren die entscheidenden Momente für Sie?

Merkposten für mögliche Rückfragen zu
1. „Einstiegsfrage“

  • (1) Gründe für den Fokus auf Kinder- und Jugendtheater/Darstellende Künste für junges Publikum
  • (2) Charakteristika der Interviewperson, z. B. Generation, Herkunft (Stadt/Land, Beruf der Eltern, Ost/West,
    Hochschulbildung, Milieu, Sprachen, Ausbildung, ggf. Migrationsgeschichte)
  • (3) Wichtige Wendepunkte/Brüche/Inspiration im Leben und Auswirkungen auf die Tätigkeit als
    Theaterschaffende*r
  • (ggf. weglassen) Art des Theaterbetriebs, ggf. Veränderungen im Zeitverlauf und hierfür ausschlaggebende
    Motive


2. Verortung der Kunst

Erkenntnis-interesse

Inhaltliche und künstlerische Ausrichtung der Theaterarbeit, Verortung in der Kulturellen Bildung und theaterpädagogischer Ansatz

Zeitliche Orientierung

Etwa 15 bis 20 Minuten

Erzählanreize

Bitte beschreiben Sie das Besondere an Ihrer Theaterarbeit. Was zeichnet Sie und Ihre Theaterästhetik oder -struktur besonders aus? Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Art
der Theaterarbeit?

Merkposten für mögliche Rückfragen zu
2. „Verortung der Kunst“

  • Verortung in der Theaterlandschaft und Charakteristika der eigenen Theaterarbeit: Zuordnung zu einem Genre (Theater, Tanz, Schauspiel, Figuren-/Puppen-/Objekttheater, Musiktheater, Performance etc.)
    Wie lässt sich die Theaterarbeit beschreiben? (eher partizipativ, eigene Stückentwicklungen, Adaptionen,
    Zusammenarbeit mit Autor*innen, interdisziplinär, experimentell, avantgarde, performativ?)

    Hinweis: Wichtig ist: Welche Begriffe verwenden die Interviewpartner*innen selbst, wenn sie ihre Arbeit
    beschreiben?

  • Vermittlungspraxis: Welche Rolle spielt Vermittlung/Theaterpädagogik in Ihrer Theaterarbeit?
  • Verständnis Kulturelle Bildung: Wie verstehen Sie Kulturelle Bildung und wie verorten Sie Ihre Arbeit im Feld
    Kultureller Bildung?
  • Inwiefern spielt Diversität für Ihren Theaterbetrieb eine Rolle?


3. Arbeitsbedingungen an Kinder- und Jugendtheatern – soziale und ökonomische Situation

Erkenntnis-interesse

Verständnis für die wirtschaftliche Situation und die Arbeitsbedingungen des/der interviewten Theaterschaffenden

Zeitliche Orientierung

Etwa 15 bis 20 Minuten

Erzählanreiz

Können Sie beschreiben, wie sich Ihre wirtschaftliche Situation in den letzten drei Jahren entwickelt hat und wie Ihr Tagesablauf derzeit konkret aussieht?

Merkposten für mögliche Rückfragen zu
3. „Arbeitsbedingungen an Kinder- und Jugendtheatern – soziale und ökonomische Situation“

  • Tagesorganisation und -ablauf/Schwierigkeiten im Arbeitsalltag
  • Vereinbarkeit von Familie/Partnerschaft/Privatleben und Beruf
  • Sozioökonomische Lage (Einnahmen/Ausgaben – gibt es persönliche Besonderheiten oder Veränderungen
    in den letzten Jahren)/Gibt es andere Einnahmequellen/Erwerbstätigkeiten neben der künstlerischen
    Arbeit/dem Theater?


4. Netzwerke und Kooperationen (regional und überregional)

Erkenntnis-interesse

Verständnis zur Bedeutung von regionalen und überregionalen Netzwerken und Kooperationen für Theaterschaffende

Zeitliche Orientierung

Etwa 10 Minuten

Erzählanreiz

Kinder- und Jugendtheater werden häufig als Räume der Begegnung bezeichnet.
Auch Netzwerke spielen hier eine wichtige Rolle: In welcher Weise sind Sie/Ihr Theater in formelle und informelle Arbeitsnetzwerke eingebunden? Mit welchen Akteur*innen kooperieren Sie und wodurch zeichnet sich die Zusammenarbeit aus?

Merkposten für mögliche Rückfragen zu 4. „Netzwerke und Kooperationen“

  • (1) Austausch und Vernetzung mit lokalen, regionalen, bundesweiten und ggf. europäischen Akteur*innen
    (Rolle informeller Netzwerke u.a. mit Kolleg*innen, Bedeutung lokaler und regionaler Vernetzung: Wie ist die
    Vernetzung ausgestaltet, in welcher Weise unterstützen Sie sich gegenseitig (z. B. bei der Beantragung von
    Fördermitteln, in der Ansprache von Schulen usw.)?
  • (2) Außerschulische Orte: Bedeutung lokaler soziokultureller Zentren/außerschulischer Orte als
    Kooperationspartner
  • (3) Formale Bildungskontexte: Austausch und Vernetzung mit lokalen Akteur*innen im Bereich Bildung (Schulen, Kitas) und Kennzeichen der Zusammenarbeit
  • (4) Problematik mangelnde Vernetzung: Fehlen Netzwerke? Fehlt Erfahrungsaustausch und falls zutreffend, auf welcher Ebene und/oder zu welchen Themen?


5. Unterstützungsbedarf

Erkenntnis-interesse

Verständnis für den Unterstützungsbedarf von Theaterschaffenden im Bereich von
Kinder- und Jugendtheatern

Zeitliche Orientierung

Etwa 10 Minuten

Erzählanreiz

Können Sie uns sagen, wo Sie aktuell für sich – aber auch für Theaterschaffende im
Kinder- und Jugendbereich insgesamt – den wichtigsten Unterstützungsbedarf sehen?
Was benötigen Sie am meisten, was könnte das Feld nachhaltig weiterbringen?

Merkposten für mögliche Rückfragen zu
5. „Unterstützungsbedarf“

  • Förderbedarf aus öffentlichen Mitteln (Wofür, wann, wie lange, in welcher Form?)
  • Fortbildungen/Qualifizierung (zu welchen Themen, durch wen angeboten, wie?)
  • Politische Rahmenbedingungen bzgl. der Gestaltung von Arbeits- und Vertragsverhältnissen
  • Gestaltung von Förderprogrammen: Welche Art von Förderung braucht es für den Theaterbesuch? (Fokus auf
    Förderung der Künstler*innen oder Förderung des Publikums (in Form von Gutscheinen, kostenlosem Eintritt …)?

 

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