Rezension
Theater als Rückseite des Erzählens
Ein zweiter Blick auf Dorothee Elmigers Erfolgsbuch als Theaterroman
von Anna Schlote
Assoziationen: Buchrezensionen

Dorothee Elmigers Roman „Die Holländerinnen“ wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2025 ausgezeichnet. Anhand der Expedition einer Theatergruppe in den tropischen Regenwald stellt er Fragen nach den Möglichkeiten des Erzählens. Was hat das mit Theater zu tun?
Die Protagonistin des Romans, eine namenlose Schriftstellerin, beginnt mit dem ersten ihrer drei Vorträge. Einen Stapel Papier in den Händen steht sie hinter dem Pult und spricht zum Publikum. Sie erzählt von ihrer Reise in den Regenwald Panamas, zu der sie ein bekannter Theatermacher eingeladen hat. Um Material für sein neues Stück zu generieren, will er den Fall von zwei jungen Frauen, den titelgebenden Holländerinnen, rekonstruieren, die Jahre zuvor in diesem Wald verschwunden sind. Die Schriftstellerin soll die Erlebnisse und Gespräche der Reisegruppe – darunter eine Produktionsassistentin, ein Dramaturg, eine Kostümbildnerin, ein Kamerateam und ein Mädchenchor aus den Niederlanden – protokollieren.
Der Theatermacher, ein großer Werner-Herzog-Fan, arbeitet dokumentarisch und partizipativ. Reisend macht er sich Welt und Mensch zum Material. Seine letzte skandalträchtige Produktion, Bohuslav Martinůs Oper „Die Griechische Passion“, besetzt mit Dorfbewohner:innen und Flüchtenden, erinnert an das Filmprojekt „Das neue Evangelium“ des Schweizer Theatermanns Milo Rau. Nach der „Griechischen Passion“ hat Elmigers Theatermacher nun eine „tropische Passion“ im Sinn. Es geht ihm um einen...
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