Report
Noch mal davongekommen?
Das Burgtheater wird 250 und feiert das große Jubiläum nicht
von Michael Hametner
Assoziationen: Österreich Burgtheater Wien

Ich musste nachfragen, auf welchen Tag das 250-jährige Jubiläum des Burgtheaters fällt. Aus dem aktuellen Spielplan geht es nicht hervor. In der Chronik war es der 17. Februar 1776. An diesem Tag bestimmte Kaiser Joseph II. das Wiener „Theater nächst der Burg“ per Dekret zum Teutschen Nationaltheater. Ziel war die Förderung der deutschen Sprache und Kultur, wobei Stücke ohne tragische Ereignisse bevorzugt wurden, um das Publikum nicht zu deprimieren. Wollte man damals „Romeo und Julia“, „Hamlet“ oder gar „Richard III.“ spielen, gab man den Stücken einen „Wiener Schluss“. Gewünscht war ein Happy End. Wie das bei „Richard III.“, dem Stück über einen blutigen Tyrannen, ausgeschaut hätte, vermag ich mir nicht vorzustellen. War wahrscheinlich nicht spielbar. – Gut, das scheint vorbei, solange nicht die rechtspopulistische FPÖ regiert.
Eine richtige Feier des Jubiläums gab’s nicht. Keine Festwoche, keine Jubiläumsgastspiele anderer Bühnen, kein Festakt mit Ansprache vom Bundespräsidenten, keine Fanfaren und Schalmeien. Ein verschenktes Jubiläum. Mit mehr oder weniger Bezug zum Geburtstag der Burg war es wohl die Premiere von Thornton Wilders „Wir sind noch mal davongekommen“. Das Premierendatum 20. März stimmte halbwegs und es war eine Inszenierung des Burgtheater-Direktors. Jubiläen sind Chefsache. Stefan Bachmann hatte in seiner zweiten Spielzeit als Direktor erst...



.jpeg&w=3840&q=75)















