Das besprochene Stück können Sie hier ungekürzt lesen.
Auf den ersten Blick wirkt „Puschkins Kinder“ wie ein Attentat auf den größten russischen Dichter – als solcher wird Alexander Puschkin zumindest in Russland nach wie vor wahrgenommen. War das Ihre Absicht?
Viktor Jerofejew: Das berührt ein sehr wichtiges Thema der russischen Literatur: das Verhältnis von Vätern und Söhnen. Denken Sie nur an Iwan Turgenjews „Väter und Söhne“ oder Fjodor Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“. In Russland ist es seit jeher ein großes Problem: Die Väter stehen auf der rechten Seite, die Söhne auf der linken – dann kommt die Revolution und so weiter. Und meistens war das ein schreckliches Drama.
Ich war selbst Teil dieses Dramas, denn in meinem Buch „Der gute Stalin“ schrieb ich über meinen Vater, der Dolmetscher für Stalin und später Diplomat war. Als ich zum Dissidenten wurde, verlor er seinen Posten als Botschafter in Wien. Sie sehen also: Es war eine Art politisches Attentat, ein Mord. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, denn mein Vater war zwar ein bedeutender Diplomat in den Diensten der Sowjetunion, entwickelte sich später aber zum Liberalen und wandte sich gegen den Kommunismus.
Dieser Konflikt mag im Unterbewusstsein des Stücks mitschwingen. Mein...