Die erste Raumzeitmaterialisierung
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)

Ein Komponist sitzt im Publikum und schaut lustlos bei der Probe zu. Hinterher erzählt er: „Ich mache seit 1990 Experimente mit Klangeigenschaften von Bäumen. 2008 habe ich mit meiner Landschaftsoper begonnen. Es geht im Wesentlichen um das Gesumme der Bäume. Ich habe zwanzig Stück gepflanzt. Ortstypische Bäume. Pappeln sind laut, die stehen weiter hinten. Weißdorn ist leise, steht weiter vorne. Manche Bäume klingen dunkel, manche hell. Die Abstände habe ich sorgfältig ausgewählt. Frag den Orchesterwart, der mit dem Kontrabass Abend für Abend an der Pauke hängen bleibt, wie wichtig das ist!“ Die Oper dauert zwanzig bis dreißig Jahre, bis die Bäume ausgewachsen sind. Inzwischen ist ein kleiner Wald gewachsen. Wir sind im vierten Akt. Die Komposition ist jedes Jahr besser zu hören. Hier oben vom Schotterweg, ein paar Hundert Meter entfernt. Die Bäume sind nun fünf bis zwanzig Meter hoch, sie summen und rascheln und pfeifen unterschiedlich im Wind. Das Wachstum der Bäume bildet den Korpus der Instrumente und deren Stimmung. Der Wind berührt die Instrumente in seiner täglichen Performance. Einmal im Jahr stellen sich Menschen hier auf und lauschen der Oper.
„Vom Wind berührt“, auf Chinesisch würde das bedeuten: Ich bin erkältet. Das Konzert des erkälteten Kammerwalds! Die Oper...


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