2.9. Transformative Phänomenologie
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
2.9.1. Rolf Elberfeld zur Koexistenz divergierender Theorieansätze
Trägt die Einbeziehung neuer Sinneserfahrungen bei der Erschließung und Gestaltung literarischer Texte für sich schon Übungscharakter, so steigert sich das Übungsmoment für die Studierenden in dem Maße, wie sie den an Texten gemachten Erlebnissen für sich selber Bedeutung beimessen, eine angemessene Sprache für sie finden, und die solchermaßen zu Erfahrungen gewordenen Eindrücke in ihr Alltagsleben Eingang finden lassen: Mit dem Textzugang erweitert sich der Weltzugang.
Diesen Erfahrungsprozess, bei dem u. a. in ästhetischer Praxis gewonnene Erlebnisse sich sprachlich ausdifferenzieren, als neu gebildete Erfahrungsstrukturen der Erscheinungsweise der Welt neue Momente abgewinnen und damit zugleich den Erfahrenden selbst verändern, bezeichnet der Philosoph Rolf Elberfeld als »transformative Phänomenologie«:
Methodisch lässt sich die angedeutete Verbindung von Philosophie und ästhetischer Praxis bzw. Wahrnehmungsübungen am besten im Rahmen der Phänomenologie realisieren. Die Phänomenologie ist seit ihrer Begründung durch Edmund Husserl in besonderer Weise angebunden an alle Dimensionen der Erfahrung. Die Entwicklung der Phänomenologie im 20. Jahrhundert als eine philosophische Bewegung hat gezeigt, dass die noch engen Grenzen, die Husserl der Phänomenologie gesteckt hatte, bald überwunden wurden und immer mehr Möglichkeiten der phänomenologischen Betrachtung auftauchten. […] Wichtig ist dabei in philosophischer Hinsicht, dass die Phänomenologie selbst als eine Übung im...
















