Die Burghofbühne in Dinslaken ist kein typisches Landestheater. Als Mirko Schombert im vergangenen Herbst den Intendantenposten von Thorsten Weckherlin übernahm, war es ihm wichtig, nicht gefällig zu sein, sondern Wagnisse einzugehen. So geriet auch gleich die Eröffnung mit „Faust“ in einer Inszenierung von Matthias Fontheim zu einem opulenten Fest: Auerbachs Keller wird zum Ballermann, Mephisto rappt in knallroten Lackschuhen, Kunstblut mischt sich mit Nacktheit und Ku-Klux-Klan-Anleihen – dabei hat das Ensemble nur einen drehbaren weißen Kubus als Homezone, vor dem es den Klassiker quicklebendig und fesselnd entfaltet. Die Aufführung konzentriert sich ganz auf ihre Protagonisten, allen voran Friederike Bellstedt als Faust. Gretchen indes wird von der Laiendarstellerin Charlotte Will gespielt, die Schombert aus dem Jugendclub des Mainzer Staatstheaters kennt, das vor dem Umzug an den Niederrhein zur Spielzeit 2014/15 in den letzten Jahren seine künstlerische Heimat war.
Für das junge künstlerische Team um Schombert (Jahrgang 1980), das mit der Dramaturgin Nadja Blank (Jahrgang 1983) und der Regisseurin und Theaterpädagogin Anna Scherer (Jahrgang 1987) bereits am Staatstheater Mainz gemeinsam gearbeitet hatte, galt es zunächst, sich mit dem Spielbetrieb eines Landestheaters vertraut zu machen: Plötzlich gab es nicht mehr das eine Publikum, das man direkt ansprechen kann. Die Burghofbühne Dinslaken, Landestheater im...