Essay
Kassandras Hoffnung
Kann die ukrainische Kultur schon an eine Zeit nach dem Krieg denken?
von Asia Pavlenko
Assoziationen: Dossier: Ukraine
Die europäische Kulturlandschaft träumt ständig von der Zukunft. Das lässt sich an den Schlüsselthemen verschiedener Stipendien, Residenzen und anderer Förderprogramme erkennen. Europa und seine Institutionen, in die europäische Gelder fließen, weil sie die Kriterien erfüllen, denken nachhaltig und inklusiv. Sie entwickeln Szenarien, um die schlimmsten Folgen wie Klima- oder Atomkatastrophen zu verhindern, selbst wenn der Zeitpunkt, um dieses Szenario zu verhindern, bereits vorbei ist. Es gibt den alltäglichen Luxus einer langfristigen Planung, die drei, fünf oder sogar mehr Jahre umfasst, als würde man mit dem Gedanken spielen, dass die Konsequenzen warten werden, bis wir endlich Instrumente für eine sicher bemessene Zukunft entwickelt haben. Viele Themen drehen sich um Post-Human, Post-Wahrheit, Postkolonialismus.
Es ist daher logisch, dass man für die ukrainischen Darstellenden Künste schon an eine Zeit nach dem Krieg denkt. Für internationale Beobachter:innen fühlt sich unser Kampf gegen Russland wie eine notwendige Phase vor dem Frieden und dem Wiederaufbau nach dem Krieg an. Mit dem schmerzlichen Verlust unserer Kolleg:innen und Expert:innen sowie den Veränderungen in der ukrainischen Gesellschaft können wir jedoch nicht bis dahin warten. Unsere Institutionen stehen vor wichtigen Entscheidungen und politischen Maßnahmen, die bereits jetzt Handeln erfordern. Auf unserem Weg in die Zukunft stößt unsere Kultur auf etliche...


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