Herr Verhoeven, Sie sind als Szenograf ausgebildet, Räume zu inszenieren. Was bedeutet Theater für Sie?
Ich war Messdiener bis ich 14 wurde, und die Kirche war für mich ein Ort, an dem man jede Woche gemeinsam mit Menschen, die man nicht kannte, über das Leben reflektierte. Was da gesagt wurde, war manchmal totaler Quatsch, aber den Grundgedanken, dass man zusammenkommt und sagt: Lasst uns miteinander eine Erfahrung teilen und versuchen, die Zeit, in der wir leben, zu markieren, den finde ich noch immer wichtig. Und so verstehe ich auch in meiner Arbeit Theater nicht als Repräsentation von etwas, das draußen passiert, sondern ich entwickle Werkzeuge, um das Hier und Jetzt anders anschauen zu können, um gemeinsam zu reflektieren, was jetzt und hier passiert.
Als Bühnenbildner von Lotte van den Berg und Marcus Azzini war ich immer auf der Suche nach dem Verschwinden der Grenze zwischen Publikum und Bühne, und als wir dann so weit waren, dass es szenografisch keine Trennung mehr gab, also alle zusammen in einem Raum eine Erfahrung machten, habe ich die Regisseure gefragt, ob es jetzt nicht so weit sei, auch ohne Schauspieler zu arbeiten. Die beiden meinten: Das ist eine total gute Idee, wir verstehen das...