Theater der Zeit

Theater der Zeit 11/2014

System startet neu

Über den Einbruch der Performance in die Oper

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Editorial

Freiheit. Freiheit. Freiheit. Rund 53 Jahre ist es her, dass eine Gruppe von Künstlern eine Pressekonferenz einberief und Geschichte schrieb. Freiheit von Konventionen, forderten sie. Freiheit von Kommerz. Freiheit von Bevormundung durch Interessengruppen. Das Oberhausener Manifest der 26 Filmemacher, darunter Alexander Kluge, sollte die Branche, zumindest in Teilen, massiv verändern, führte es doch zu einem radikalen Bruch mit den bestehenden Produktionsverhältnissen, um zu ermöglichen, was bislang nicht möglich war: den neuen Film, die neue Sprache. Ein halbes Jahrhundert später liegt in der NRW-Stadt nun ein weiteres Manifest auf dem Tisch: das Oberhausener Theatermanifest, nicht etwa geschrieben von freien Theatermachern jenseits der Institution, sondern von der Institution selbst, dem Theater Oberhausen unter Intendant Peter Carp. Auch ihm geht es um Produktionsbedingungen, …

Thema: Oper und Performance

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Kann Musik politisch sein? – für Matthew Herbert auf jeden Fall. Er komponiert Sounds aus dem Lybischen Bürgerkrieg oder Geräusche vom Schlachten eines Schweins. Marcus Lieberenz / bildbuehne

Berlin in sieben Tracks

Matthew Herberts „Recording“ in der Deutschen Oper Berlin zeigt, dass Musik auch heute noch mehr sein kann als bloßer Konsum

von Dorte Lena Eilers

Track one. Prolog. U2 Richtung Deutsche Oper. Mit wahnwitziger Geschwindigkeit geht es dahin. Eisen schleift auf Eisen, Fenster vibrieren, fünfhundert Meter, fünfzig Meter, ein Kreischen und wir stehen. Vor dem …

Foto: Marcus Lieberenz / bildbuehne

Festivals

Oper ohne Oper

Die letzte Ruhrtriennale unter Heiner Goebbels spielt geschickt mit Erwartungen – verheddert sich dabei mitunter jedoch selbst

von Martin Krumbholz

Protagonisten

Eine Sparte für zwei

Peter Carp, Intendant des Theaters Oberhausen, über den neuen Kooperationsvertrag mit dem Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim und neue Möglichkeiten im deutschen Theater

von Matthias Dell

Auf die Schiffe!

Das Volkstheater Rostock startet unter dem neuen Intendanten Sewan Latchinian seinen „Stapellauf“ – mitten in der alten Misere

von Gunnar Decker

Aktuelle Inszenierungen: Heiner Müller Is Present

Idiot der Macht

Theater Osnabrück: „Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei“ in der Regie von Pedro Martins Beja

von Thomas Irmer

Fremd und fern

Neue Bühne Senftenberg: „Germania 3. Gespenster am Toten Mann“ in der Regie von Manuel Soubeyrand

von Hartmut Krug

Kolumne

Look Out

Patrick Berg. Marek Kruszewski

Wannensteins Nager

Der Osnabrücker Schauspieler Patrick Berg formt Charaktere, die unversehens die Gefühlsfarbe wechseln

von Christine Adam

Auffallend jung und beweglich wirkt der Schauspieler Patrick Berg auf der Bühne, nicht selten jünger als seine Mitspieler, auch die Berufsanfänger. Denn zu ihnen gehört Patrick Berg, Sohn eines Hamburger …

Foto: Marek Kruszewski

Ausland

Das Getrampel der Riesen

Das Theater an der Ruhr und das Kumbaracı 50 appellieren in ihrer Koproduktion „Economania“ in Istanbul daran, sich nicht mit dem zivilen Faschismus des Landes zu arrangieren

von Martin Krumbholz

SCORES – Insert Tanzquartier Wien

Contingencies

Contingencies ist als Stückreihe angelegt. Die unterschiedlichen Versionen von Contingencies unterscheiden einander neben ihrer site-spezifischen Erarbeitung (bisher als Studio-, Museums- und Theaterversion) auch in der Anzahl an Performer_Innen, Länge der …

von An Kaler

Gelände

Ein raumgreifendes Objekt mit wechselhafter Identität breitet sich in einem Galerieraum aus. Diese Struktur aus Holz braucht Besucher_Innen als Gäste, Zuschauer, Körper, Cruiser und Geister, um sich als Dispositiv abhängig …

von Stephanie Rauch

Auftritt

Halle: Auftakt mit Hauptakt

Neues Theater: „Ödipus Stadt“ nach Sophokles, Aischylos und Euripides, Bearbeitung John von Düffel. Regie Wolfgang Engel, Ausstattung Hendrik Scheel

von Thomas Irmer

München: Kreisen um die leere Mitte

Kammerspiele: „Das schweigende Mädchen“ (UA) von Elfriede Jelinek. Regie Johan Simons, Bühne Muriel Gerstner, Kostüme Klaus Bruns

von Christoph Leibold

Ja, es gibt tatsächlich einen Richter in der Münchner Uraufführung von Elfriede Jelineks NSU-Drama: Der Schauspieler Thomas Schmauser in entsprechender Robe ruft die Prozessbeteiligten auf. Nach Zeugen, Anwälten und Angeklagten …

Stück

traum haft

personal: tb tuba asher h hans voc die singstimme ak stuhlmann oder das akkordeon g graustrumpf violine sax stepper alias saxophon eng engelchen (schwarzweiß) iar der idiot mit dem alten …

von Gabriele Hänel und Dieter Kraft

Magazin

Im Dazwischen – Das Festival "Born with the USA" verzahnt Stadtgesellschaft und Theaterbetrieb: Lothar Kittsteins "Underground" mit Florian Mania.  Foto Annemone Taake

Belebte Geisterstadt

Nach dem Abzug der U.S. Army aus der Stadt begibt sich das Heidelberger Theater beim Spektakel „Born with the USA“ auf eine Spurensuche der vergangenen 68 Jahre

von Theresa Schütz

„Heidelberg wollen wir schonen, denn wir wollen dort mal wohnen.“ Der Legende nach wurde der Grundstein für einen der zahlreichen Militärstützpunkte, die die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland …

Foto: Annemone Taake

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Schlaglichter vom Tage

Erwin Strittmatter: Der Zustand meiner Welt. Aus den Tagebüchern 1974 – 1994. Hg. von Almut Giesecke. aufbau Verlag, Berlin 2014, 623 S., 24,95 EUR.

von Gunnar Decker

Aktuell

Meldungen

■ Die Gemeinschaftsjury für die Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin steht fest. Neben dem Jurysprecher Peter Michalzik gehören der Schauspieler Ulrich Matthes, die Theater- und Romanautorin Nino Haratischwili und die …

Aktuell: in nachbars garten

Literatur: Kühle Wärme

Auch Hans Schweikart, damals gerade neuer Nachkriegsintendant der Münchner Kammerspiele, beantwortete einst die Frage nach der Wirklichkeit und der Fiktion. Da bezeichnete er die authentische Geschichte, die er in seiner …

von Katrin Schuster

Film: Ein Hauch von Ewigkeit

Zwischen seinen Spielfilmen dreht Wim Wenders gern dokumentarische Essays, in denen er sich mit Vorliebe vor Künstlerkollegen verneigt: vor Nicholas Ray beispielsweise, den Musikern des Buena Vista Social Club oder …

von Ralf Schenk

Kunst: Kein Vorher, kein Nachher

Mariana Castillo Deball ist Mexikanerin. Vielleicht erzählt sie deshalb gern Geschichten? Zum Beispiel die, dass sie einmal jemanden getroffen habe, der ein hervorragendes Gedächtnis besaß und sich an alles erinnern …

von Ute Müller-Tischler

Musik: Am Rande der Milchstraße

Kaum sind die Klänge, Geräusche und Debatten der Donaueschinger Musiktage verrauscht, ruft bereits Wien Modern, eins der größten Festivals für Musik der Gegenwart in Europa. Das Treffen unter der künstlerischen …

von Otto Paul Burkhardt

Gespräch