Gespräch
Gespräch mit Michael Grunert, Theaterlabor Bielefeld
von Michael Grunert und Siegmar Schröder
Erschienen in: Wir haben es einfach gemacht! – Reisen in internationale Theaterwelten (07/2024)
Siegmar Schröder _Du bist immer schon einer der ältesten von uns gewesen und schaust deswegen jetzt auf ein paar Jährchen mehr zurück. Du bist ja tatsächlich Teil der 68er-Generation, während ich doch eher ein Nachkömmling bin. Du warst damals für mich wie ein großer Bruder, als wir zusammen in Köln bei Gaetano, beim Aufbau des Theater Die Bacchanten mitgewirkt haben. Das heißt, du hast das alles schon in einem anderen fortgeschritteneren Lebensabschnitt erlebt, während ich noch ganz jung und unbedarft anfing. Wie warst du auf die Idee gekommen, Theater zu machen? Hat dich dein Umfeld beeinflusst?
Michael Grunert _ Es hatte vor allem damit zu tun, dass ich auf der Suche nach der Verbindung von gemeinsamem Arbeiten, gemeinsamem Wohnen und gemeinsamem Leben war und wie man das zusammenbringen könnte. Ich hatte beinahe mein Studium abgebrochen und es nur damit zu Ende gebracht, dass ich meine Examensarbeit über den Studienabbruch geschrieben habe. Nach diesem Abschluss an der Hochschule habe ich nach solchen Möglichkeiten gesucht; das war eher intuitiv als bewusst. Ich bin 1975 nach Portugal gefahren und habe in einer Landbesetzerkooperative ein dreiviertel Jahr gearbeitet. Gemeinsam haben wir für 45 Leute gekocht, die Gartenkulturen gemacht und so weiter.
Als ich...