Lieber Sebastian,
ich gehe mal davon aus, dass Du heute dabei bist. Es würde zu Dir passen, wenn Du das hier mitkriegst, und Dich über uns alle lustig machst. Und deshalb spreche ich Dich jetzt direkt an. So direkt wie Du direkt warst. Deine Direktheit war eine große Stärke von Dir.
Als ich erfahren habe, dass man mit Dir nicht mehr reden, lachen, trinken kann, konnte ich es erst nicht glauben. Nicht verstehen. Nicht fassen. Und je mehr Tage seither vergangen sind, desto mehr Bilder, Momente mit Dir kommen wieder hoch, ploppen plötzlich auf, in den unmöglichsten Situationen.
Unser erstes Zusammentreffen war 2001. Ich habe meine erste Inszenierung in Dresden gemacht, die „Rassen“ von Bruckner, Du kamst frisch von der Schauspielschule. Ich fand Dich unsympathisch, muffig, wortkarg, ungelenk – Du fandest mich, wie Du mir mal erzählt hast, arrogant und unnahbar, alle Deine Vorurteile „Wessis“ gegenüber bestätigend.
Wir fingen an zu proben. Deine körperliche Präsenz, Deine Wucht und Energie haben mich sofort begeistert. Die Sprache eher nicht, ich habe fast kein Wort verstanden. Wir haben uns dann außerhalb der Proben, meistens nachts, verabredet, und Satz für Satz gepaukt, intensiv an den Texten gearbeitet.
Immer wieder, oft auf Deinen Wunsch hin....