Theater der Zeit

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Keine halben Sachen

Eine Rede für und an den Schauspieler Sebastian Nakajew (1976–2026)

Tief erschüttert und trostlos traurig musste sich das deutsche Theater soeben von Sebastian Nakajew verabschieden. Der Schauspieler aus Eisenhüttenstadt hatte sich am 21. Mai, etwas mehr als drei Monate nach seinem 50. Geburtstag, dazu entschlossen, von der Bühne des Lebens endgültig abzugehen. Große Rollen und starke Auftritte prägten seine Karriere, die ihn unter anderem ans Staatsschauspiel Dresden, das Theater Oberhausen, Stuttgarts Schauspiel, die Schaubühne Berlin, Nationaltheater Weimar und zuletzt, bis 2025, ans Schauspiel Hannover führten. Dazwischen immer wieder: tiefe Krisen, depressive Phasen. – Freunde und Kollegen sowie seine Familie trafen sich am 11. Juni zur Gedenkstunde in Weimar. Dort sprach auch der Regisseur Volker Lösch, der vielfach mit Nakajew arbeitete. Wir veröffentlichen hier die Rede, die zugleich ein Zeitdokument des Theaters geworden ist. Lösch hat sie dafür leicht bearbeitet.

von Volker Lösch

Assoziationen: Schauspiel Akteur:innen Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar Staatsschauspiel Dresden Staatstheater Hannover

Erschienen am 23.6.2026

Schauspieler Sebastian Nakajew
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Schauspieler Sebastian NakajewFoto: Moritz Küstner

Lieber Sebastian,

ich gehe mal davon aus, dass Du heute dabei bist. Es würde zu Dir passen, wenn Du das hier mitkriegst, und Dich über uns alle lustig machst. Und deshalb spreche ich Dich jetzt direkt an. So direkt wie Du direkt warst. Deine Direktheit war eine große Stärke von Dir.

Als ich erfahren habe, dass man mit Dir nicht mehr reden, lachen, trinken kann, konnte ich es erst nicht glauben. Nicht verstehen. Nicht fassen. Und je mehr Tage seither vergangen sind, desto mehr Bilder, Momente mit Dir kommen wieder hoch, ploppen plötzlich auf, in den unmöglichsten Situationen.

Unser erstes Zusammentreffen war 2001. Ich habe meine erste Inszenierung in Dresden gemacht, die „Rassen“ von Bruckner, Du kamst frisch von der Schauspielschule. Ich fand Dich unsympathisch, muffig, wortkarg, ungelenk – Du fandest mich, wie Du mir mal erzählt hast, arrogant und unnahbar, alle Deine Vorurteile „Wessis“ gegenüber bestätigend.

Wir fingen an zu proben. Deine körperliche Präsenz, Deine Wucht und Energie haben mich sofort begeistert. Die Sprache eher nicht, ich habe fast kein Wort verstanden. Wir haben uns dann außerhalb der Proben, meistens nachts, verabredet, und Satz für Satz gepaukt, intensiv an den Texten gearbeitet.

Immer wieder, oft auf Deinen Wunsch hin....

Erschienen am 23.6.2026

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