gut und böse
Die moralische Anstalt
von Lothar Schröder
Erschienen in: D’haus. Düsseldorfer Schauspielhaus 2016–2026 – Schauspiel – Junges Schauspiel – Stadt:Kollektiv (05/2026)
Assoziationen: Nordrhein-Westfalen
Seien wir ehrlich – die Fragen, wie moralisch Theater sein kann und ob es überhaupt moralisch sein darf, stellen sich nicht ernsthaft. Die Schaubühne als eine moralische Anstalt, wie sie Friedrich Schiller propagierte, ist Theatergeschichte und vergangen. Um moralische Vergewisserungen geht es an den Bühnen heute oft erst dann, wenn vermeintlich drastische Übertretungen Publikum und Öffentlichkeit empören. Nach dem stillschweigend akzeptierten Motto: Theater ist frei und darf alles, wenn es den Geschmack der Mehrheit trifft. Moral ist demnach, was gefällt?
Natürlich würde sich kein Theater den engen Konventionen unterwerfen, die in bürgerlichen Kreisen »anständig« genannt werden. Was die Bühne aber keineswegs davor bewahrt, permanent im moralischen Diskurs verstrickt zu sein. Denn wer Handlungen darstellt, verhält sich auf irgendeine Art und Weise gegenüber der Gesellschaft und einer Zeit. Da macht das Düsseldorfer Schauspielhaus keine Ausnahme.
Der Sieg der Gerechtigkeit?
Im Februar 2017 inszenierte der frühere Burg-Chef Matthias Hartmann »Michael Kohlhaas« nach der Novelle von Heinrich von Kleist. Zweifelsohne ist das eine Art Hyper-Moralgeschichte: jene des Rosshändlers Kohlhaas, der beim Übertritt nach Sachsen einen Passierschein vorweisen muss, den er nicht hat. Und so bleiben zwei Pferde als Pfand zurück, die ihm auf der Rückreise in einem erbärmlichen Zustand übergeben werden. Kohlhaas will...

















