Essay
Zur Theatralik des Faschismus
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)

H. ist hochgewachsen und schlank und sportlich. Die Rednerbühne erklimmt er mit schnellen Schritten, die als „leicht federnd“ beschrieben werden. Im dunklen Anzug, weißen Hemd, braunen Schuhen, mal auch in Jeans und Trenchcoat, der kaum bis zu den Knien geht. Alles immer eine Spur zu eng. H. ist Führer einer „gesichert rechtsextremen Partei“ und darf, laut einem Gerichtsurteil von 2019, „Faschist“ und „Nazi“ genannt werden. Das Werturteil beruht, so das Verwaltungsgericht Meiningen, „auf einer überprüfbaren Tatsachengrundlage“.
Leo Löwenthal schrieb: Der falsche Prophet kratzt weiter an der Wunde, anstatt sie zu heilen. Gibt es etwa die Erfahrung einer Abwertung bei vielen Ostdeutschen nach der Wende, so geht nach H. inzwischen alles vollends in die Binsen. Alles wird wesentlich schlechter dargestellt als es ist. Kulturpessimismus und Katastrophismus sind die metapolitischen Prämissen. Zur Theatralik des Faschismus gehört der Untergang, der permanent heraufbeschworen werden muss. Zwischen dem Refugees-Welcome-Sommer von 2015 – da ist H. erst ein Jahr in der Partei – und der Pandemie wird der Katastrophismus auf die Spitze getrieben. Das Volk, das als entmündigt und quasi „ausgetauscht“ dargestellt wird, muss in permanenten Alarmzustand versetzt werden. Die Notwendigkeit eines Bürgerkriegs wird herbeigeredet, um die eigene Figur des Heilsbringers aufzubauen.
2017 landet die Partei...


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