Akteure
Licht im Herzen der Finsternis
James Turrells „Beyond Horizons 2025“ im erzgebirgischen Oelsnitz
Assoziationen: Sachsen Dossier: Kunstinsert James Turrell

Ein Raum ohne Schatten, Konturen, ohne Orientierung: Wer ein Ganzfeld des amerikanischen Installationskünstlers James Turrell betritt, verliert den Halt in der sichtbaren Welt. Das Auge findet keine Fixpunkte, Farben fließen ineinander und verblassen. Wie in Nebelfeldern löst sich die Zeit auf. Die totale Lichtumgebung nivelliert unsere visuelle Wahrnehmung und wurde vor einhundert Jahren bereits als Ganzfeldeffekt erforscht. Dabei handelt es sich um ein Stadium des Sehens, in dem visuelle Reize so homogen werden, dass das Schauen selbst zur spürbaren Erfahrung wird. In solchen Momenten scheint sich der Raum aufzulösen, Bezugspunkte verschwinden, und der Körper muss sein Gleichgewicht neu aushandeln.
Licht als Erfahrungszustand
Dieses psychophysische Phänomen übersetzt der inzwischen 82-jährige Turrell in eine künstlerische Praxis, die sein gesamtes Werk durchzieht. Seine Arbeiten lenken den Blick nicht auf Dinge, die angestrahlt werden sollen, sondern auf das Sehen selbst. Licht ist für ihn kein Instrument, das anderes sichtbar macht, sondern das eigentliche Material und Medium, aus dem Raum, Farbe und Zeit entstehen.
Er beschreibt Licht gänzlich unromantisch als etwas Physisches, als Partikelstrom, mit dem sich Erfahrungszustände modellieren lassen. Diese Verschiebung – weg vom Ausleuchten der Dinge hin zum Wahrnehmungsraum für optische Erscheinungen – markiert eine Zäsur in der Geschichte der Lichtkunst. Turrell verleiht...


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