Applaus
Das Publikum oder die Kostbarkeit des Augenblicks
Erschienen in: D’haus. Düsseldorfer Schauspielhaus 2016–2026 – Schauspiel – Junges Schauspiel – Stadt:Kollektiv (05/2026)
Assoziationen: Schauspiel

Was sich in den letzten Jahren intensiv entwickelt hat, ist die Liebe des Publikums zu seinem Theater und natürlich auch zu den Menschen, die hier auf der Bühne stehen und dem Theater verschiedene Gesichter geben. Die Begeisterungsfähigkeit des Publikums in Düsseldorf ist schon als außerordentlich zu bezeichnen. So sind im Großen Haus Standing Ovations inzwischen fast Usus. Es gibt Vorstellungen, die einem Festakt gleichkommen.
Ich frage mich manchmal, ob das Publikum überhaupt weiß, wie sehr es eine Vorstellung mitbestimmt. Je konzentrierter und wacher die Zuschauenden sind und je mehr sie reagieren, desto mehr gestalten sie den Abend mit. Ich meine hier nicht die lauten Lacher, sondern diese spezielle Art der Aufmerksamkeit, die auf der Bühne sofort spürbar wird und die uns Schauspielerinnen und Schauspielern unheimlich viel Energie gibt. Man kommt in einen Austausch, in einen Energiefluss. Das ist das Einzigartige am Theater, das unglaubliche Mysterium des gemeinsamen Erlebens, auch im Unterschied zum Film. Das Publikum schenkt seine Aufmerksamkeit, obwohl es meist im Dunkel sitzt. Selbst wenn eine Aufführung die sogenannte »vierte Wand« behauptet, kann sie ohne die Aufmerksamkeit des Publikums nicht existieren.
Wie elementar wichtig diese Präsenz des Publikums ist, haben wir deutlich bei den Endproben zur Romanadaption von Tolstois...

















