Magazin
TdZ+Cut and paste in California
Bertolt Brechts Journal und wie es sich zum 250. Jubiläum der USA lesen lässt
von Holger Teschke
Assoziationen: Nordamerika Dossier: Bertolt Brecht Dossier: USA
Erschienen am 17.5.2026

„sich abschließen vor der welt heißt sich in das reißende nichts zu legen“, notierte Brecht am 27. November 1944 in seinem „Journal“ in Santa Monica. Damit hielt er in einer Metapher fest, worum es ihm mit diesen ungewöhnlichen Aufzeichnungen ging: trotz Emigration und Verlust von Heimat und Sprachraum, Publikum und Leser:innen und trotz zunehmender Isolation im kalifornischen Exil nicht dem Vergessen und dem Vergessen-Werden anheimzufallen. Denn die Nachrichten von jenseits des Atlantiks kamen nur spärlich und verspätet an die Westküste der USA und waren widersprüchlich, gefiltert durch den Blick der amerikanischen Politik und Presse auf den europäischen Kriegsschauplatz und auf die Lage in Deutschland.
Um die Erfahrungen des Exils produktiv zu machen, fügte Brecht seit 1938 Nachrichten, Fotos und Reflexionen aus und über Europa und den USA zu einer Montage zusammen, die sich aus Zeitungsausschnitten und Fotos, aus Gesprächen und Gerüchten, aus fremden und eigenen Texten zusammensetzte. Er nannte die Montage „Journal“, weil es ihm in diesem dokumentarischen Grundbuch um Soll und Haben seiner Emigration ging, um Verluste und Gewinne, die er zu einer neuen Art von Chronik zusammenfasste. Hier wurde nicht mehr mit dem klassischen Sprachmaterial dramatisiert, sondern mit Schreibmaschine und Schere, mit Zeitungstexten und Klebstoff collagiert: cut and...
Erschienen am 17.5.2026


















