Stadt und Theater: Situation und Perspektiven
von Stefan Schmidtke und Annette Menting
Erschienen in: Schauspielhaus Chemnitz – Zwischen Zeiten und Räumen (01/2025)

8.1 Kultur- und Stadtentwicklung der letzten zehn Jahre
Für das Verständnis von Situation und Perspektive des Schauspielhauses sind einige Aspekte der kultur- und stadtpolitischen Programme von Bedeutung, die hier für den Zeitraum der letzten zehn Jahre skizziert werden. Die jüngsten Entwicklungen der Großstadt korrespondieren mit der Chemnitz-Strategie, die eine gesamtheitliche Betrachtung unter Einbeziehung der Stadtgesellschaft anstrebt. Die 2018 beschlossene Entwicklung dieser Strategie versteht sich als Reflexion kommunaler Leitbilder und Maßnahmen für unterschiedliche Bereiche: Stadtplanung, Kultur, Wirtschaft, Bildung, Soziales. „Nach außen trägt die Chemnitz-Strategie das Profil und das Selbstverständnis der Stadt in die Öffentlichkeit. […] Die Chemnitz-Strategie ist der Prozess zur Entwicklung eines gesamtstädtischen Leitbildes für unsere Stadt bis zum Jahr 2040.“1 Sie soll Perspektiven von Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft zusammenführen und als Arbeitsinstrument für mittel- und langfristige Planungen dienen. Ein Selbstverständnis der Stadt wird auch über das Stadtmarketing und die Kommune profiliert. Hier erfolgte eine neue Akzentuierung mit der Kommunikationskampagne Die Stadt bin ich von 2014, die das Motto Chemnitz – Stadt der Moderne der früheren Imagekampagne von 2009 überlagerte.2 Während mit dem Moderne-Motto die städtische Tradition von Kunst, Kultur und Innovation des frühen 20. Jahrhunderts aufgerufen wird, verweist der neue Slogan stärker auf die gegenwärtigen Potenziale und die Aktivitäten der Bürgerinnen und Bürger. Dies zeigt sich auch in der Portrait-Serie Die Macherinnen und Macher der Woche, die Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Sport mit ihren Projekten, Ideen und Arbeiten in unterschiedlichen Intervallen vorstellt und als offene und erweiterbare Folge auf Entwicklungen reagieren kann. Während zu Beginn der Serie regelmäßig die Frage nach einer erforderlichen Ermutigung der Chemnitzer:innen gestellt wurde, folgte bereits wenige Jahre später gezielt die Frage nach möglichen Potenzialen der Kulturhauptstadt Europas, für die seit 2016 die Vorbereitungs- und Bewerbungsphase begonnen hatte und die mit dem Zuschlag für Chemnitz 2020 auch als Stadtentwicklungsfaktor zunehmend thematisiert wurde.3 Den Serienauftakt machten Vertreterinnen und Vertreter aus der (Kreativ-)Wirtschaft sowie aus Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen wie den Museen und der Universität. Neben weiteren Position aus Gesellschaft und Sport wurden auch die Akteure von privaten, vereinsgetragenen oder soziokulturellen Kulturorten oder -initiativen, wie der Küchwaldbühne und OFF-Bühne Komplex, dem Begehungen Festival, Klub Atomino, Haus Arthur, Fritz Theater und Weltecho, dargestellt. In den Portraits werden die Möglichkeiten zur Mitwirkung an der Stadtgestaltung hervorgehoben und die Persönlichkeiten „bekennen sich zu den guten Seiten ihrer Stadt und werden so Botschafter für ein starkes, lebenswertes Chemnitz“.4 Diese Kommunikationskampagne präsentiert das Engagement von kommunalen Institutionen sowie von privaten Initiativen und Akteuren und entwickelt ein komplexes Bild von Impulsen für großstädtisches Leben, Gemeinwohl und Kulturentwicklung in Chemnitz.
Kulturstrategie und Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025
Vor dem Beschluss zur Entwicklung der Chemnitz-Strategie verfasste der städtische Kulturbetrieb 2016 bis 2018 – unter dem Titel Kultur Raum geben – die Kulturstrategie bis 2030. Sie steht in inhaltlicher Korrespondenz zur Chemnitz-Strategie als Fachkonzept für den Bereich Kultur und wurde in Fortschreibung des Kulturentwicklungsplans von 2004 in einem ergebnisoffenen Prozess unter Teilhabe verschiedener städtischer Kunst- und Kulturakteure entwickelt.5 Unter dem Motto Kultur ist die Seele der Stadt wurden Thesen zur kulturellen Integration bestimmt, die sich an eine pluralistische, vielfältige Stadtgesellschaft richten. Zugleich wird Kultur als Motor der Stadtentwicklung beschrieben; letzteres wird als kulturpolitische Aufgabe verstanden, so dass sich die Aspekte miteinander verknüpfen.6 Sechs Themenfelder werden als Schwerpunkte der kulturpolitischen Entwicklung bis 2030 identifiziert, wobei insbesondere die enge Verknüpfung von teilhabender Stadtgesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft festzustellen ist. Moderne(s) in Chemnitz beschreibt den wechselseitigen Wissenstransfer von Kunst, Kultur und Wissenschaft als eine der produktivsten Quellen für eine gute gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Aufforderung Gebt Raum! wird für modernisierte Förderbedingungen plädiert, um gleichermaßen kulturelle Versuche und Ansätze einzelner Akteure und Initiativen sowie etablierter Organisationen zu unterstützen. Angesichts der IndustrieKultur wird gefordert, dass Chemnitz sich weiter als Zentrum der sächsischen Industriekultur profilieren und als Modellstadt für innovative und nachhaltige Nutzungskonzepte ehemaliger Industriestandorte entwickeln soll. Kultur- und Kreativwirtschaft als Impulsgeberin ist zugleich ein Beitrag zur Attraktivitätssteigerung und Internationalisierung der Stadt, soll wirtschaftliches Wachstum fördern und Kreative aus der ganzen Welt nach Chemnitz bringen. Dies wird als Argument für den Zuzug und Verbleib junger Menschen angeführt, was angesichts des hohen Durchschnittsalters der Stadtbevölkerung (46,5 Jahre) wichtig ist. Das Angebot der Kulturellen Bildung soll weiter ausgebaut, generationenübergreifend organisiert und professionalisiert werden. Mit Kulturkommunikation, Kulturmarketing, Internationaler Kooperation sollen attraktive Außendarstellung und internationale Netzwerke gepflegt werden.
Die Konzeption der Kulturstrategie war Auftakt und Voraussetzung für die zeitgleich laufende Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Die Stadtgesellschaft und die Politik hatten der Stadtverwaltung 2016 ihr Votum für die Bewerbungsinitiative gegeben. Seit 2017 stand Chemnitz als eine von acht deutschen Städten im Wettbewerb um den von der Europäischen Union vergebenen Titel. Die Stadt bewarb sich gezielt mit Teilhabeprojekten, die im Bid Book I AUFbrüche. Opening Minds, Creating Spaces skizziert sind. Partizipative Prozesse gehören zum Leitbild, um die Bürger:innen zur aktiven Gestaltung ihrer Stadt zu motivieren sowie Austausch und Dialog zu fördern, nicht zuletzt als Reaktion auf die Fragilität von Demokratie. Ende 2019 stand Chemnitz mit vier weiteren Bewerberstädten auf der Shortlist. Daraufhin entwickelte die Stadt das überzeugende Bid Book II C the Unseen – European Makers of Democracy, in dem der Problematik der rechtspopulistischen Aufmärsche 2018 mit Konzepten für eine stärker teilhabende Bürgerschaft offensiv begegnet wurde. Diese beiden Schriften wurden in dem mehrphasigen Bewerbungsprozess 2019 und 2020 im Austausch mit einem Programmrat verfasst, in dem verschiedenste Kunst- und Kulturakteur:innen vertreten waren. Die Bid Books stellen die geplanten Kunst- und Kulturprogramme und die vorhandene kulturelle Infrastruktur dar – ebenso wie eine Auswahl von Orten, die als Kulturräume umgestaltet werden sollen.7 Das Bid Book II präsentiert das Leitbild der Kulturhauptstadt und das künstlerische Programm mit den vier Flagship-Projekten #3000Garagen, Purple Path, Parade der Apfelbäume und Makers, Business & Arts. Ergänzend dazu wurden mehrere Interventionsflächen von der Stadt qualifiziert – wie die Hartmannfabrik, Stadtwirtschaft und Stadt am Fluss –, deren Auswahl die Aufmerksamkeit vor allem auf die ungesehene Stadt und die unentdeckten Potenziale von brachliegenden Orten lenkt. Darüber hinaus ist auch das Schauspielhaus eine der Interventionsflächen und sollte ursprünglich bis 2025 wieder zur Verfügung stehen: „Die Renovierung des Schauspielhauses der Städtischen Theater Chemnitz bietet eine notwendige infrastrukturelle Ertüchtigung der städtischen Aufführungsorte für die Durchführung der Aktion Kulturhauptstadt Europas.“8
Die Interventionsflächen sind konzeptionell an die Kulturhauptstadt angebunden, jedoch als Investitionsmaßnahme planerisch und finanziell separat von der Stadtverwaltung zu entwickeln. Da sich die Bundesförderung für die Kulturhauptstadt auf operative Kosten beschränkt, sind für die baulichen Maßnahmen der Interventionsflächen Eigenmittel der Stadt und verschiedene Fördermittel zu nutzen: „Rund 30 Mio. Euro stehen für die Bauprojekte zur Verfügung. Zusätzlich rechnet die Stadt Chemnitz mit weiteren Mitteln aus Fachförderprogrammen für die Objekte in Höhe von rund 30. Mio. Euro. Dies ermöglicht voraussichtlich ein Investitionsvolumen von etwa 60 Mio. Euro.“9 Somit waren die erforderlichen Fördermittel mit dem Bund zu verhandeln und zugleich Europäische Förderprogramme zu nutzen. „Chemnitz 2025 sieht zudem in Europäischen Förderprogrammen ein starkes Instrument zur Vernetzung von Kulturakteuren und zur Steigerung des Innovationsgrades.“10
Ende Oktober 2020 fiel die Entscheidung zugunsten von Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Für die Durchführung des Gesamtvorhabens wurden Organisationsstrukturen geschaffen, um die beteiligten Stellen der Stadtpolitik und -verwaltung zu koordinieren und die Vernetzung mit der neugegründeten Kulturhauptstadt GmbH herzustellen. Neben dem Koordinierungsstab, geleitet vom Kulturbetrieb-Leiter Ferenc Csák, und der Stabsstelle, beide im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters, sind das Dezernat 6 Stadtentwicklung und Bau sowie die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) und die Tourismusverbände der Region eingebunden. Für die weitere Programmgestaltung und -durchführung wurde die Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 GmbH im April 2021 gegründet und zunächst mit dem Intendanten der Städtischen Theater Christoph Dittrich als kommissarischem Geschäftsführer besetzt, bis im Dezember 2021 Stefan Schmidtke als Geschäftsführer des Programms und etwas später Andrea Pier als Kaufmännische Geschäftsführerin berufen wurden.
Der Kulturhauptstadt-Status geht einher mit der Verpflichtung, auch für die Zeit nach 2025 ein nachhaltiges Konzept vorzulegen, um die kultur- und stadtplanerischen Entwicklungsstrategien weiter zu verfolgen. Eine Aufgabe des Koordinierungsstabes besteht darin, die kulturelle Legacy über das Titeljahr 2025 hinaus nachhaltig zu sichern. Die Wechselwirkungen von Kulturhauptstadt und Theaterleben in der Stadt wird im Kapitel 8.4 und im Gespräch mit Stefan Schmidtke behandelt.
Stadtentwicklung Theaterquartier: SEKo Chemnitz 2020 und INSEK Chemnitz 2035
Mit dem Beschluss zur Entwicklung der Chemnitz-Strategie sollten ein gesamtstädtisches Leitbild und eine Perspektive für die nächsten 15 Jahre im Rahmen partizipativer Verfahren entstehen. Seit 2019 wurden dazu Workshops und Fachdialoge mit Bürger:innen und Fachleuten durchgeführt. Die verwaltungsinternen Konzepte für zukünftige Stadtentwicklungsprozesse und -projekte wurden mit den Interessen und Bedürfnissen der Stadtbewohner:innen abgeglichen, um im Sinne einer Selbstverpflichtung aller Beteiligten eine abgestimmte Zukunftsvision für Chemnitz verfolgen zu können. Das hieraus abgeleitete Integrierte Stadtentwicklungskonzept INSEK Chemnitz 2035 wurde im Frühjahr 2024 vom Stadtrat beschlossen. Es soll Impulse aus der Kulturhauptstadt für eine nachhaltige Transformation nutzen, für die Verwaltung zur fachübergreifenden Handlungsgrundlage und Basis für die Akquisition von Förder- und Finanzmitteln sowie zum Vermittlungsinstrument in der Politik und Stadtgesellschaft werden. Die Ausgangslage für das INSEK Chemnitz 2035 war das Stadtentwicklungskonzept SEKo Chemnitz 2020.
Ein wichtiger Aspekt des früheren SEKo 2020 aus dem Jahr 2009 war die Stärkung des Stadtzentrums als neue Mitte und kultureller Anker durch die „Ansiedlungen und möglichen Verlagerungen von regionalen und stadtbedeutsamen Kulturangeboten“.11 Das historische Ensemble am Theaterplatz gehört zu den stadträumlichen Schwerpunkten, dessen Qualitäten bewahrt und weiterentwickelt werden sollten. Für diesen Bereich wurde in dem Gutachterverfahren zur Weiterentwicklung der Innenstadt im Umfeld der Bahnhofstraße und Brückenstraße 2015 – unter der Bezeichnung Theaterquartier – eine städtebauliche Konzeption zur Verdichtung des Quartiers zwischen Stadtzentrum und Theaterplatz erstellt. Im Herbst 2016 wurde ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Theaterquartier gefasst. Die Grundlage sollte ein städtebaulicher Rahmenplan bilden, der die wesentlichen räumlichen und funktionalen Anforderungen aufzeigen sollte. Mit der Planungsstudie Städtebaulicher Rahmenplan Theaterquartier Chemnitz beauftragte die Stadt das Planungsbüro Alber Speer + Partner. Die Inhalte verschiedener, in den Vorjahren erstellter Planungsstudien sollten kritisch überprüft und in einem Strukturkonzept zusammengeführt werden. Das Theaterquartier-Areal hatte zwei Planungsschwerpunkte: ein neues Justiz- und Behördenzentrum an der Brückenstraße und ein neues Kulturquartier am Theaterplatz.12 Die Planungen zum Kulturquartier von 2016 bis 2018 werden im Kontext des nachfolgenden Kapitels 8.2 ausführlicher dargestellt, da sie für die Städtischen Theater besondere Relevanz haben.
Fünf Jahre nach dieser Planungsstudie soll der Rahmen- plan Innenstadt nunmehr bis Ende 2024 im Kontext des INSEK Chemnitz 2035 abgestimmt werden, um „wesentliche Handlungsbausteine für eine nachhaltige Belebung und krisenfeste Stärkung der Innenstadt“ zu definieren.13 Mit dem INSEK verbinden sich verschiedene Zukunftsaufgaben. An erster Stelle wird Mein Chemnitz, unsere Mitte – Gemeinsam das Zentrum zur Mitte machen angeführt – mit Zielstellungen wie der Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten für alle Generationen, der Sichtbarmachung der vielfältigen Kulturlandschaft, dem Erhalt identitätsprägender Gebäude und der Aufwertung der Innenstadt als Tourismusstandort. Eine Maßnahme wird die Neuaufstellung des Rahmenplans Innenstadt sein, wobei sich inzwischen herausgestellt hat, dass die Entwicklung des Kulturquartiers als langfristiges Ziel zurückgestellt wird. Eine weitere Zukunftsaufgabe, Chemnitzer Tradition mit Zukunft, widmet sich Alt-Industriestandorten, die multifunktionale Stadträume werden sollen. Damit wird auch das ehemalige Industriequartier Altchemnitz angesprochen, in dem sich seit 2021/22 die Interimsspielstätte für Schauspiel und Figurentheater befindet; dies wird im Kapitel 8.3 ausgeführt. Das INSEK stellt die Relevanz der Kulturhauptstadt für die zukünftige Stadtentwicklung deutlich heraus: „Für die Stadtentwicklung schafft es einen ‚Ausnahmezustand auf Zeit‘, der beflügelt, neue Spielräume schafft, Prioritäten ermöglicht und Unterstützung auch für die größeren Aufgaben generiert.“14
8.2 Städtische Theater: Konzeptionen und Entwicklungen seit 2013
Die Situation der Städtischen Theater Chemnitz wurde mit Beginn der neuen Intendanz von Christoph Dittrich 2013 neu betrachtet: Theaterkonzepte wurden im Kontext von Kulturstrategie, Stadtentwicklungskonzepten und Kulturhauptstadt erstellt und verhandelt. Vor diesem Hintergrund wurden in den letzten zehn Jahren auch Debatten um das Schauspielhaus geführt und es entstanden verschiedene Theaterkonzeptionen: Zukunftstarifvertrag 2016–2018, neues Kulturquartier im Kontext der Planungsstudie zum Theaterquartier 2016–2018, Studienprojekte 2015–2019, Konzeptionen zur Ertüchtigung und Modernisierung des Schauspielhaus-Bestands seit 2019 sowie die Interimsspielstätte im Spinnbau Altchemnitz seit 2021.
Verhandlung des Zukunftstarifvertrags 2016–2018
Der Intendant der Städtischen Theater Christoph Dittrich vertrat den Vorschlag für ein neues Kulturquartier mit baulich-räumlicher Konzentration der beiden Theater-Spielstätten sowie der Theater-Abteilungen und -Werkstätten im unmittelbaren Umfeld der Oper am Theaterplatz. Diese Perspektive formulierte er 2016 in der Konzeption zur Entwicklung der Städtischen Theater Chemnitz gGmbH ab dem Jahr 2019, die im Rahmen der Verhandlungen zu neuen Haustarifverträgen entstand. Ein spezifischer, hausinterner Zukunftstarifvertrag sollte zur Ko-Finanzierung der Baumaßnahme Kulturquartier vereinbart werden, so dass ein anteiliger Gehaltsverzicht und eine anteilige Finanzierung der räumlich-funktionalen Verbesserungen der Theaterarbeit verknüpft wurden. Angesichts des geplanten Zukunftstarifvertrages wurde das Investmodell Kulturquartier – Probenkomplex und Bühnen am Opernhaus mit solidarischem Gehaltsverzicht der Mitarbeiter vorgestellt, wobei die Stadt sich als Gesellschafterin im Sinne eines Solidargedankens bereit erklären sollte
Investitionen zur Optimierung und Verlagerung von Spielstätten zu tätigen, die sowohl eine Optimierung der Abläufe der STC gGmbH als auch des Arbeitsumfelds ermöglichen. Weitere Vorteile dieser Variante sind eine längere Planungssicherheit und die Vermeidung künstlerischer Einschnitte gegenüber dem Status quo. Hinzu kommt ein städtebaulicher Aspekt. Durch die Schaffung eines Kulturquartiers in der Innenstadt wird die Attraktivität der Stadt erhöht.15
Damit wurde auf die dringend erforderlichen Verbesserungen der Theaterhäuser reagiert, die seit vielen Jahren auf Sanierung und Modernisierung zur Sicherung beziehungsweise Verbesserung der Arbeitsbedingungen angewiesen sind. Unmittelbarer Hintergrund waren die unzulänglichen räumlichen Gegebenheiten wie die im Stadtgebiet verteilten Theaterbereichs-Standorte, deren auslaufende Mietverträge und der Sanierungsbedarf der Immobilien, insbesondere des Schauspielhauses.
Hierbei sind erhebliche Verschleißerscheinungen und altersbedingt deutliche Abnutzungsmängel festgestellt worden, die unabhängig von einer langfristigen Standortentscheidung zum Schauspielhaus kurzfristig instand zu setzen sind, um die Sicherheit und den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. […] Unter Wertung der o. g. erheblichen finanziellen Belastungen zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes im Schauspielhaus und unter Berücksichtigung der derzeitigen örtlichen Distanz erscheint die Errichtung eines neuen Schauspielhauses in der Innenstadt und Nähe zum Theaterplatz als sinnvolle Variante.16
Für die Finanzierung des neuen Kulturquartiers mit baulicher Umsetzung des Raumprogramms für Schauspielhaus, Studiobühne, Probebühne für Musiktheater und Schauspiel, Orchesterproberaum und Kostümwerkstatt mit Fundus, Magazinräume, Verwaltung, Proberaum für Ballett und Figurentheater wurde ein – angesichts des umfangreichen Vorhabens – knapper Betrag von 51 Millionen Euro angenommen, von dem 14 Millionen Euro durch den solidarischem Gehaltsverzicht der Mitarbeiter aufgebracht werden sollten.17
Die über die Stadt verteilten Aufführungs- und Arbeits-Orte der Städtischen Theater waren historisch gewachsen, stellten jedoch für die Effektivität der Arbeit ein Hindernis dar. Mit einer Konzentration am Theaterplatz sollten Optimierungen gegenüber dem bisherigen Zustand und eine stärkere Belebung des Theaterplatzes erreicht werden. Mit der Vision zum Kulturquartier waren auch Erwartungen an künstlerische Auswirkungen verbunden – beispielsweise die gesteigerte Präsenz der Theater in der Stadt und ihre überregionale Ausstrahlung. Dabei sollte das Theater, analog zu Entwicklungen in anderen Städten, zum Treffpunkt und Angebotsort auch jenseits der Vorstellungen werden.
Die Vision orientierte bereits auf das Jahr 2025, auch wenn die Kulturhauptstadt noch nicht explizit erwähnt wurde.18
Das Chemnitzer Modell des Zukunftstarifvertrags mit der Verknüpfung von solidarischem Gehaltsverzicht zur anteilige Finanzierungen einer Verbesserung der Theaterarbeit war kein singulärer Fall in Sachsen, denn die Staatsoperette Dresden hatten zuvor positive Erfahrungen mit einem vergleichbaren Verfahren gemacht. Die Dresdener Theaterleute hatten aufgrund der unzulänglichen Raumsituation ihrer Spielstätte, Proben- und Funktionsräume 2009 einen Haustarifvertrag abgeschlossen, der an die Errichtung eines Theaterneubaus gekoppelt war. Auf dieser Basis wurde Mitte 2016, nach einem mehrjährigen Prozess, der Neu- und Umbau des Doppeltheaters für Staatsoperette und Theater Junge Generation auf dem Areal Kraftwerk fertiggestellt.19 Möglicherweise war dieses erfolgreiche Modell ein Vorbild, als in Chemnitz ein Zukunftstarifvertrag 2016 in Erwägung gezogen wurde. Der Intendant wurde beauftragt, Verhandlungen mit den Gewerkschaften als Vertretungen der Beschäftigten zu führen. Letztlich wurde kein weiterer Haustarifvertrag vereinbart, weil das Sächsische Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst 2018 ankündigte, den kommunalen Theatern und Orchestern im Freistaat ab 2019 zusätzliche Mittel für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten zur Verfügung zu stellen.20 Angesichts der Einführung eines Flächentarifvertrages für die Theater musste dementsprechend eine neue Konzeption zur Entwicklung der Städtischen Theater Chemnitz gGmbH 2019 bis 2022 vorgelegt werden, wobei das Zukunftstarifvertrag-abhängige Kulturquartier nicht mehr enthalten war.21
Neues Kulturquartier in der Planungsstudie Rahmenplan Theaterquartier 2016—2018
In der Zwischenzeit waren bereits Planungsstudien für das Kulturquartier entstanden, mit dem ein 1992 unvollendet gebliebenener Bauabschnitt für die Ergänzung des Funktionsbaus an der Oper durch Probebühnen und Werkstätten aufgegriffen wurde. Zugleich wurde an die Studien für den Theater-Neubau der 1970er-Jahre angeknüpft, da hier ein neues Schauspielhaus entstehen und das Bestandshaus als Kinder- und Jugendtheater weiter genutzt werden sollte – diese Planungskontinuität wurde allerdings nicht explizit formuliert.
Die Kulturquartier-Vision stand in dem größeren städtebaulichewn Planungskontext zur Neuordnung eines Theaterquatiers. In der Planungsstudie Städtebaulicher Rahmenplan Theaterquartier Chemnitz vom Planungsbüro Albert Speer + Partner wurden zwei Entwicklungsszenarien für die Konzentration der Städtischen Theater in dem neu geplanten Kulturquartier verfolgt. Eine Variante sah einen ausgedehnten Anbau-Komplex am bestehenden Funktionsbau der Oper vor: Dabei war das Schauspielhaus nördlich in Richtung Petrikirche und Schillerplatz orientiert und an der südlichen Bestandsseite war der Anbau für Probebühnen und Werkstätten platziert. Eine zweite Variante war durch einen markanten Solitärbau für das Schauspielhaus am Schillerplatz geprägt, während Probebühnen und Werkstätten, wie in der ersten Variante, auf der südlichen Seite des Funktionsbaus konzipiert waren. Eine begleitend dazu erstellte Machbarkeitsstudie des Planungsbüros Drees & Sommer sollte nachweisen, dass der vorgeschlagene Standort Schillerplatz für einen Theaterneubau geeignet sei. Die Solitär-Variante wurde von den Planer:innen bevorzugt, weil sie ein repräsentatives Schauspielhaus ermöglichte, das mit seiner Ausrichtung zum Schillerplatz besondere städtebauliche Präsenz hätte und zwischen Theaterplatz und Universitätsbibliothek eine markante Setzung darstellte. Das Planungsbüro Drees & Sommer hatte den Raumbedarf als Planungsgrundlage für die Machbarkeitsstudie in Abstimmung mit Raj Ullrich, dem Technischen Direktor der Städtischen Theater, zusammengestellt:
Dafür habe ich alles angegeben und wir haben aufgezeichnet, was für das neue Schauspielhaus und die anderen Anbauten erforderlich ist. Das wurde bewertet von Daberto, einem renommierten bühnentechnischen Planungsstudio in München. Da gab es einen Austausch, um meine Ideen und Vorschläge überprüfen zu lassen. Zunächst hat man geschätzt, dass das ganze Gebilde 50 Millionen kostet, aber ich habe gesagt, dass das noch nicht einmal die Kosten des Rohbaus sind. Als die Planungen fertig waren und die Frage nach den Kosten aufkam, handelte es sich um eine ganz andere Größenordnung: Da hätten die Baumaßnahmen etwa 250 Millionen gekostet – das entspricht so einem Projekt und ist gar nicht zu viel. Allerdings war es dann erst mal wieder vorbei mit dem Neubau.22
Bei einer Präsentation im Aufsichtsrat der Theater 2018 wurde das Vorhaben Schauspielhaus-Neubau in Frage gestellt: Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig habe „verkündet, dass zwar das Funktionsgebäude mit Probebühne, Kostümfundus und Werkstätten gebaut werden soll, das Projekt für ein neues Schauspielhaus direkt nebenan soll es vorerst aber nicht geben.“23 Die Investition eines dreistelligen Millionenbetrags für den Kultur-Neubau war zu diesem Zeitpunkt nicht vermittelbar; als weiteres Problem stellte sich der erforderliche Abbruch von Wohnbauten zwischen Theaterplatz, Mühlenstraße und Schillerplatz dar. Daher wurde von dem Neubau für das Schauspielhaus Abstand genommen. Unabhängig davon wurde die Planungsstudie Rahmenplan Theaterquartier im Sommer 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt und Baubürgermeister Michael Stötzer erklärte, dass sie weit in die Zukunft der nächsten 30 Jahre gerichtet sei und letztlich eine Debatte entstehen solle, um die geeignete Variante für die Neugestaltung der Innenstadt zu finden.24 Eine Bebauung sollte zunächst mit dem Erweiterungsbau für Probebühnen und Werkstätten auf den Freiflächen hinter dem Opernhaus beginnen. Weitere Bebauungen sollten schrittweise erfolgen und zuletzt dort, wo ein Abbruch nötig sei. In den Beteiligungs- und Abstimmungsprozessen zur Chemnitz-Strategie seit 2019 stellte sich heraus, dass die Stadt keine neuen Kulturbauten priorisiert und das Vorhaben Kulturquartier bis auf Weiteres zurückgestellt wird. Insofern ist es auch in dem im Frühjahr 2024 beschlossenen INSEK Chemnitz 2035 nicht enthalten.25
Chemnitzer Theater in Studienprojekten 2015—2019
Über die beauftragte Studie von Albert Speer + Partner hinaus wurde das Kulturquartier zwischen 2015 und 2019 in Entwurfsstudien von Architekturfakultäten an sächsischen Hochschulen aufgegriffen. Zwei verschiedene Entwurfsprogramme wurden dabei verfolgt: die Erweiterung des Opernhauses mit Probebühnen und Werkstätten und der Neubau des Schauspielhauses mit Probebühnen und Funktionsräumen. 2015 widmeten sich Professor Gerald Staib und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabine Miedlich von der TU Dresden dem Entwurf zur Erweiterung des Opernhauses mit einem Probebühnenbau in Ergänzung des rückwärtigen Funktionsbaus. Zu dieser am unmittelbaren Bedarf der Städtischen Theater orientierten Aufgabenstellung fand ein Austausch mit Raj Ullrich und ein Workshop in Chemnitz statt: „Ich habe den Studenten das Technikgebäude gezeigt und erklärt, was auf dem Areal noch untergebracht werden sollte. Dazu haben die Studenten ihre Arbeiten gemacht. Die unterschiedlichsten Entwürfe haben wir sogar jetzt noch in Kisten verpackt. Da waren viele dabei, die mir sehr gut gefallen haben.“26
Als 2018 die Tagespresse über das erste Bürgerforum zu Planungsstudie und Kulturquartier berichtete, wurden weitere Lehrstühle und Architekturfakultäten auf das Thema aufmerksam. Die Professoren Ansgar und Benedikt Schulz und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Taina Puyn von der TU Dresden verfolgten im Wintersemester 2018/2019 den Entwurf für ein neues Schauspielhaus am Schillerplatz. Allerdings kam es hierbei nicht mehr zum Austausch mit Theatervertretern, denn angesichts der sich abzeichnenden Zurückstellung des Kulturquartiers wollten sich offensichtlich weder die Städtischen Theater noch die Stadtverwaltung zur Thematik äußern. Zeitgleich verfasste Christoph Weigel aus Chemnitz seine Masterarbeit an der HTWK Leipzig, in der das Schauspielhaus als Anbau an das Opernhaus konzipiert wurde; anschließend präsentierte er seinen Entwurf im Ausstellungsraum Chemnitz Open Space. Diese 2018 bis 2019 entwickelten Studienarbeiten wurden in Chemnitz aufgrund der stadtpolitischen Situation vor Ort kaum zur Kenntnis genommen; unabhängig davon wurden sie als Impulse für den Theaterdiskurs in Fachmedien besprochen.27
Ertüchtigungsbeschluss, Denkmalschutz und Plädoyer für das Schauspielhaus 2018
In der 2018 aktualisierten Konzeption der Städtischen Theater Chemnitz gGmbH zur Entwicklung des Theaters von 2019 bis 2022 hatte sich der Handlungsschwerpunkt von dem Bau eines Kulturquartiers zu Programmangeboten für die Kulturhauptstadt verlagert: „Die Bewerbung der Stadt Chemnitz um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 hat neben der europäischen Wahrnehmung eine Stärkung der Breitenwirkung der Kultur und Ihrer motivierenden Kraft in der Stadt zum Inhalt. Dem Theater kommt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle in der Neu- und Weiterentwicklung moderner Angebote zu.“28 Hierzu gehören Festivals (Kapitel 5.1), repertoirebegleitende Theater Extra-Angebote (Kapitel 6.3) und spezifische Inszenierungen im Kulturhauptstadt-Jahr (Kapitel 8.4). Darüber hinaus sind die Städtischen Theater bereits im Bid Book I mit dem Schauspielhaus, das ursprünglich als städtischer Aufführungsort 2025 wieder zur Verfügung stehen sollte, als eine der Interventionsflächen vertreten.29
Bereits 2016 war in der ersten Konzeption der Städtischen Theater auf den Bedarf baulicher Maßnahmen verwiesen worden: „Das derzeitige Schauspielhaus ist ein noch andauerndes Nachkriegsprovisorium, das zwar beim Publikum beliebt ist, aber bau- und brandschutztechnische Probleme birgt.“30 Maßnahmen zur Gewährung der Sicherheit und Aufrechterhaltung des Spielbetriebes wurden für eine kürzere Dauer vorgeschlagen, da parallel das Neubau-Vorhaben verfolgt wurde. 2018 kam es im Stadtrat zum Grundsatzentscheid für die Ertüchtigung des Schauspielhauses, nachdem ein Chemnitzer Ingenieurbüro Voruntersuchungen der Bausubstanz zur Bewertung von Bau- schäden, Aufarbeitung von gesetzlichen Auflagen und Umsetzung des Brandschutzkonzeptes durchgeführt und dazu einen finanziellen Aufwand von rund fünf Millionen Euro ermittelt hatte. „Ziel ist es, das Schauspielhaus damit im Bestand für die nächsten Jahre ordnungsgemäß weiter nutzen und betreiben zu können.“31 Ende 2019 erfolgte die Beauftragung der Chemnitzer Planungsbüros Fellendorf und C&E Consulting und Engineering über ein VgV-Verfahren (Vergabeverfahren gemäß Vergabeverordnung für die öffentliche Auftragsvergabe) für die Planung dieser Ertüchtigungsmaßnahmen bis 2023.
Etwa zeitgleich mit dem Ertüchtigungsbeschluss hatte das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen ein öffentliches Erhaltungsinteresse für das von Rudolf Weißer konzipierte Schauspielhaus bekundet, da es „baugeschichtlich, ortsgeschichtlich und künstlerisch von Bedeutung“ ist.32 Dies wurde 2018 verbindlich mit dem Eintrag in die Denkmalliste dokumentiert. Der Theaterbau besitze „Seltenheitswert, da sich keine vergleichbaren Theaterbauten aus der Zeit der DDR in einer entsprechenden Originalität erhalten haben. Als Wirkungsstätte für politisches Theater besitzt es einen spezifischen Erinnerungswert für die Stadt Chemnitz und somit orts-geschichtliche Bedeutung.“33 Der Denkmalschutz für das Haus unterstützte die Argumentation für eine nachhaltige Nutzungsperspektive. „Manchmal gibt es Situationen, bei denen man sagt: Denkmalschutz schön und gut, aber wenn es keiner mehr bezahlen kann, verfällt das Haus. Das ist hier nicht der Fall. Hier muss man keine Millionen versenken“, erklärt Raj Ullrich.34 „Als dann der Denkmalschutz für das Haus publik wurde, hatte ich die Hoffnung, dass das Klarheit schaffen würde, aber das ist leider nicht eingetroffen. Der Prozess ist geprägt von der Finanzierung und das dominiert im Moment alles.“35
Carsten Knödler plädierte für den Erhalt und die zukünftige Nutzung des Schauspielhauses, „weil wir diesen Standort und diese Bühne mit ihrer Geschichte nur ungern aufgeben möchten. Es macht Spaß hier zu inszenieren, das sagen auch alle Gast-Regisseure und -Regisseurinnen. […] Ja, man kann hier gut Theater machen. Ein Neubau ist eher ein Thema für die Stadtbelebung und Stadtarchitektur.“36 Die Planung zur Modernisierung des Theaterhauses befürwortet Knödler: „Das würde diesen Ort, der inzwischen denkmalgeschützt ist, sehr aufwerten und für uns gute Bedingungen schaffen. Auf Dauer muss etwas geschehen, wenn es jetzt nicht passiert, wird es in fünf oder sieben Jahren passieren müssen.“37 Raj Ullrich erklärt, dass Erhalt und Umbau des Schauspielhauses von Seiten der Theaterleute nachdrücklich befürwortet wird:
Für das Ensemble und für die Arbeit dort ist das Gefühl ganz wichtig: Das ist unser Haus. Sie werden kaum jemanden finden, weder in der Bühnentechnik noch im Ensemble, und wahrscheinlich auch nur wenige Besucher, die sagen: Wir brauchen ein neues Schauspielhaus. Sie sagen alle: Da muss mal etwas gemacht werden, damit es funktioniert. [...] Also man muss dort etwas tun und man muss einsehen, dass das Provisorium immer mitgeschleppt wurde. Das wollen wir nach so vielen Jahren nachholen.38
Konzepte zur Sanierung und Modernisierung des Schauspielhauses seit 2021
Während mit der rein technischen Ertüchtigung eine Nutzungsdauer von nur fünf Jahren verbunden war, erweiterte sich die geplante Nutzungszeit des Schauspielhauses im weiteren Verlauf sukzessive auf 20 bis 25 Jahre, zugunsten einer nachhaltigen Konzeption.39 Damit einhergehend veränderten sich der Umfang der Baumaßnahmen, die Höhe der Baukosten sowie die Planungs- und Bauzeit.
Nach der Beauftragung der Planungsbüros Fellendorf und C&E Consulting und Engineering als Generalplaner erfolgten 2020 erforderliche Bestandsermittlungen aufgrund mangelnder Bauunterlagen zum Schauspielhaus.40 Zugleich erklärten die Planer, dass die entsprechend dem Grundsatzentscheid geplanten Maßnahmen lediglich darauf ausgerichtet seien, „den Spielbetrieb des Schauspielhauses für eine weitere Nutzungsdauer von ca. 5 Jahren zu sichern. Insofern ist es ausgesprochen wichtig, zeitnah das weitere Vorgehen bzgl. des Theaterkonzepts und die Zukunft des Schauspielhauses zu planen und Entscheidungen zu treffen.“41 Damit wurde eine umfassendere Sanierung und Modernisierung angesprochen, die über eine kurzfristige, rein technische Ertüchtigung des Schauspielhauses hinausging, um ein nachhaltiges Konzept verfolgen zu können. In enger Abstimmung mit dem Technischen Direktor Ullrich erstellte das Architekturbüro Fellendorf Anfang 2021 erste Konzeptstudien zur umfassenderen Sanierung und Modernisierung des Schauspielhauses. Dabei wurde der Bedarf einer Kleinen Bühne im Haus bestätigt, ihre bisherige baulich-räumliche Umsetzung im Foyer allerdings kritisch bewertet. Angesichts neuer Auflagen besteht auch für den Ostflügel Raumbedarf. Da funktional andere Lösungen denkbar sind, wurde eine Neuausrichtung für die bevorstehenden Baumaßnahmen verfolgt: „Das denkmalgeschützte Haus, das schlicht, aber schick ist, soll so belassen werden.“42 Raj Ullrich möchte in dem Foyer Freiräume schaffen und „das Figurentheater und die Studiobühne hinten im Park [anbauen] – mit etwas Abstand zum Bestand. Ein schlichter Würfel, in dem unten Sozialräume und oben Studiobühne und Figurentheater mit einem eigenen Zugang und Foyer geplant werden. Dann hat man vorne wieder Großzügigkeit und kann den Raum bespielen und hinten kann man anbauen.“43
Für die Umsetzung dieses Projektes hatte er zwei Etappen angedacht. Zunächst soll das Bestandshaus mit der Großen Bühne wieder hergerichtet werden, denn der Theatersaal im Spinnbau ohne Bühnenturm und ohne Bühnenmaschinerie kann keine Langzeitlösung sein und das Schauspiel soll bald wieder in sein Haus zurückziehen. So könnte im ersten Bauabschnitt ignoriert werden, dass Figurentheater und Ostflügel in den Bestandsbau gezwängt werden müssen und es ergäben sich einige Freiräume für die Konzeption von Publikumsbereichen wie Gastronomie und Besuchertoiletten. Im zweiten Schritt würde ein zusätzlicher Baukörper für das Figurentheater und den Ostflügel angebaut, die beide etwas länger im Spinnbau bleiben können, weil sie dort gute Bedingungen haben. Da die Städtischen Theater sich angesichts der Entwicklungen inzwischen zur nachhaltigen Nutzung des Schauspielhauses für die nächsten Generationen entschieden hatten, verbanden sich mit den seit 2022 erweiterten Maßnahmen nicht mehr rein technisch-funktionale, sondern auch gestalterische Aspekte, um eine zukunftsfähige Wirksamkeit zu ermöglichen. „Das Publikum, die Menschen in der Stadt und die Künstler benötigen einen prägenden, funktionalen und auch repräsentativen Ort, um mit Kunst und kultureller Bildung wirksam sein zu können. […] Die Theaterleitung unterstützt nach umfangreicher Erörterung den Verbleib des Schauspielhauses am traditionsreichen Standort am Park der Opfer des Faschismus für die nächsten Generationen.
Eine Sanierung und Modernisierung des Gebäudes für die Anforderungen aller Besucher- und Altersgruppen sowie der Theaterschaffenden ist die Voraussetzung dafür.“44 Um eine Programmerweiterung zu ermöglichen, beschloss der Stadtrat im Herbst 2022 eine Beteiligung am Bundesförderprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur. Die Fördermittel standen für „investive Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung und mit sehr hoher Qualität im Hinblick auf ihre Wirkungen innerhalb der Kommune zur Verfügung.“45 Mit dem Förderantrag waren Rahmenbedingungen zu Art und Umfang der Schauspielhaus-Sanierung verbunden: die energetische Sanierung, der barrierefreie Ausbau, die Erneuerung der Theatertechnik, die Modernisierung der Sanitärbereiche, ergänzend zu den ursprünglichen Maßnahmen für Brandschutz und technische Gebäudeausstattung. Ein weiterer Aspekt des Förderprogramms war der Maßnahmenbeginn, der noch nicht erfolgt sein durfte, so dass die Baumaßnahmen zeitlich nach hinten verschoben und für die Jahre 2024 bis 2026 projektiert wurden. Somit bestand keine Möglichkeit mehr, das Schauspielhaus als Aufführungsort im Kulturhauptstadt-Jahr zu nutzen. Der Stadtrat beschloss 2022, dass mit der Projektskizze zur Sanierung des Schauspielhauses eine Bewerbung für das Bundesprogramm erfolgen solle. Bei positivem Zuwendungsbescheid sei ein konkreter Förderantrag zu stellen, um die Maßnahme umzusetzen. Im Dezember 2022 erhielt die Stadt bei geplanter Gesamtinvestition von 16 Millionen Euro eine Fördermittelzusage des Bundes in Höhe von 6 Millionen Euro.46
Modernisierung des Schauspielhauses – Projektstand Frühjahr 2024
Im Februar 2024 wurde eine Neubetrachtung des Projektes Schauspielhaus von der Stadt Chemnitz angekündigt, da die Baumaßnahmen inzwischen eine deutlich höhere Finanzierung als die bisher veranschlagten Mittel erfordern. Baubürgermeister Stötzer erklärte, dass das bereitgestellte Budget von rund 16 Millionen Euro für eine sinnvolle Modernisierung als langfristige Lösung für das Schauspielhaus nicht ausreiche und die aktuelle Kostenschätzung rund 34 Millionen Euro betrage.47 Aufgrund der Planungsprozesse sei absehbar, dass das Gebäude weder 2025 noch 2026 nutzbar sein werde. Zur weiteren Abstimmung einer nachhaltigen Lösung für die Städtischen Theater solle die Verwaltung gemeinsam mit den Theatern Alternativen untersuchen. Im Stadtrat fand Mitte März 2024 eine Aussprache dazu statt. Oberbürgermeister Schulze plädierte dafür, „die letzten noch nötigen Schritte und Untersuchungen der Entwurfsplanung zu Ende zu führen, damit klar sei, worauf man sich gegebenenfalls einlasse, und keine weiteren Überraschungen eintreten würden. Danach müssen die Verwaltungsspitze und der Stadtrat diese Fakten und mögliche Alternativen sowie Finanzierungsfragen fundiert abwägen und belastbare Wege zu Entscheidungen gehen.“48 Dazu sei ein Prozess geplant, bei dem die Stadtgesellschaft und die Städtischen Theater mitgenommen werden, sobald die Optionen entsprechend aufgearbeitet seien. Die Stadträte reagierten überwiegend mit großem Interesse an der Weiterentwicklung der Planung zum Schauspielhaus, formulierten allerdings unterschiedliche Schwerpunkte. Stadträtin Manuela Tschök-Engelhardt forderte die Darlegung belastbarer Grundlagen, warum das Projekt inzwischen 34 Millionen Euro kosten solle, um „im Interesse des engagierten Schauspielensembles so schnell wie möglich für Klarheit zu sorgen, wie es nun weitergehe und wie gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden sollen. Es sei gemeinsame Aufgabe, einen Imageschaden vom Theater und der Stadt abzuwenden“.49 Stadtrat Dieter Füsslein erklärte, dass „seine Fraktion einen Antrag zum Schauspielhaus eingereicht habe, durch den mit den zur Verfügung stehenden Mitteln dieses wieder spielfähig gemacht werden solle.“50 Das Haus sei nicht marode und es müssten mit der Modernisierung keine Planungen für Gaststätte und Lagerflächen erfolgen. Das Sanierungsprojekt Schauspielhaus soll in der zweiten Jahreshälfte 2024 neu bewertet werden.51
Angesichts der komplexen Planungs- und Abstimmungsprozesse sind seither mehrere Fragen zur zukünftigen Entwicklung des Schauspielhauses offen, die erst in der kommenden Zeit beantwortet werden.52 Welche Abstimmungen erfolgten seit 2022 zur Programmerweiterung für das 16 Millionen-Projekt mit den Städtischen Theatern, dem Aufsichtsrat und der Stadtpolitik? Welche Auswirkungen hatte der erfolgreiche Projektantrag auf Bundesfördermittel zur Sanierung? Welche Studien wurden durch das Planungsbüro Fellendorf entwickelt und wie kam es zu dem Mittelbedarf in Höhe von 34 Millionen Euro? Welche Varianten und Alternativen wurden verfolgt? Wie verhält sich die geplante Umgestaltung zur Bestandsarchitektur? Werden angesichts der erheblichen Umfangerweiterung die Architektur- und Planungsleistungen ausgeschrieben? Welche Rolle hat der Status Kulturhauptstadt und die Zuordnung des Schauspielhauses als eine der Interventionsflächen für die Entscheidungsprozesse? Wie wirkt sich die Situation auf die Städtischen Theater und den Aufführungsbetrieb von Schauspiel und Figurentheater aus?
8.3 Interim III: Schauspiel und Figurentheater im Spinnbau Altchemnitz seit 2021/2022
Mit dem Grundsatzentscheid zur Ertüchtigung des Schauspielhauses 2018 wurde nach Abgleich der Bauzeiten festgestellt, dass es angesichts der Komplexität des Bauvorhabens günstiger sei, den Spielbetrieb während der geplanten Bauphase auszulagern.53 Die Städtischen Theater suchten in Zusammenarbeit mit dem Baudezernat nach einer Interimsspielstätte, um den Spielbetrieb der beiden Sparten Schauspiel und Figurentheater mit ihren drei Bühnen – Große Bühne, Ostflügel und Kleine Bühne – anderenorts gewährleisten zu können. Neben den Bühnen wurden unter anderem Arbeitsräume für Künstler:innen, Bühnentechniker:innen und Verwaltung sowie Räume für die Abteilungen Ton, Licht, Requisite, Maske und ein Dekorations- großlager benötigt. Verschiedene Varianten wurden geprüft: die Nutzung von Zelten anstelle von ortsfester Spielstätten und die Nutzung von städtischen oder privaten Gebäuden wie Wirkbau, Luxor-Palast, Produktenbahnhof, ehemalige Georg-Weerth-Schule, Stadthalle und Spinnbau. Nach Prüfung der Rahmenbedingungen bei den verschiedenen Varianten fiel die Entscheidung – angesichts der passenden Nutzbarkeit, Funktionalität, Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit – auf den Spinnbau in Altchemnitz. Die Interimsspielstätte wurde zugleich als städtebaulicher Impulsgeber im Sanierungsgebiet Altchemnitz bewertet: „Mit der Nutzung des Spinnbaus soll den Stadtentwicklungsplänen ein Schub verliehen werden. Die Theaterstätte soll als Initialzündung für das Areal und die Kultur- und Kreativwirtschaft im Umfeld wirken.“54
Stadtentwicklung Altchemnitz: Starker Charakter und Urbanistisches Labor
Das Spinnwerk, der frühere Spinnereimaschinenbau mit seinem Werksareal, befindet sich im Quartier Altchemnitz, das nördlich an das Reitbahnviertel und damit an die Innenstadt grenzt. Das Quartier ist als ehemaliger Gewerbestandort überwiegend von Fabrikanlagen aus der Zeit der Industrialisierung zwischen 1880 und 1920 bestimmt und hat lediglich einen geringen Anteil an Wohnbauten. Als Folge des Funktions- und Bedeutungswandels durch die Deindustrialisierung Anfang der 1990er-Jahre, den Rückzug von produzierendem Gewerbe, die Vernachlässigung von Bausubstanz und unzureichende Gestaltung des öffentlichen Raums ist das Quartier von Brachen und einer desolaten Wirkung geprägt. Allerdings sind einzelne Anlagen wie das Industriedenkmal Wirkmaschinenbau, auch Wirkbau, inzwischen als neue Standorte für Büro-, Gewerbe- und Dienstleistungsbauten entwickelt und wirken als Leuchtturmprojekte.55
Die geplante Entwicklung von Altchemnitz findet sich im INSEK 2035 mit der Zukunftsaufgabe Chemnitzer Tradition mit Zukunft – Alt-Industriestandorte werden multifunktionale Stadträume, zu deren Maßnahmen unter anderem Gewerberevitalisierungen gehören.56 Die Stadtplanung befasst sich seit etwa zehn Jahren intensiv mit dem Quartier Altchemnitz, das von Brachen und mindergenutzten Flächen geprägt ist. Seither wurden die Machbarkeitsstudie Revitalisierung Gewerbestandort Altchemnitz (2014) und das darauf basierende Integrierte Handlungskonzept Altchemnitz (2015) erstellt, das eine Fortschreibung erfuhr und zwischenzeitlich durch ein Strukturkonzept und energetisches Quartierkonzept ergänzt wurde.57 Mit diesen Konzepten bestand die Möglichkeit, für städtebauliche und nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen auch Mittel aus EU- und Bundesförderprogrammen zu beantragen. Mit der Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzepts Altchemnitz entstand 2021 auch ein Leitbild für die Quartiersentwicklung. Neben auffordernden Slogans wie Mehr als ein Gewerbegebiet!, einem Wertekanon zu den Aspekten Nachhaltigkeit, Experiment und Offenheit wird die vorhandene Situation als thematischer Ansatz für eine Standortprofilierung mit Starkem Charakter! beschrieben: „Die Ruppigkeit, Zufälligkeit und ‚wilde Mischung‘ von Altchemnitz sind für viele Unternehmen mit einem gewissen Repräsentationsbedarf eher ungünstig. Umgekehrt birgt der Gebietscharakter auch Vorteile, wenn er als Möglichkeitsraum inter- pretiert wird: im Gegensatz zur klassischen Innenstadt sehr ungeordnet und z. T. überraschend, offen für sehr Vieles, kaum durch ästhetische oder programmatische Regeln und Vorgaben eingeengt und zudem erschwinglich.“58 Die Situation des Unfertigen könne zur bewussten Ausbildung eines eigenständigen Gebietscharakters genutzt werden, der für urbane Pioniere, Start-ups und Kreative interessant sei, und die Möglichkeit biete, das Quartier als Urbanistisches Labor zu begreifen – als Experimentierfeld für architektonische Versuche zu Umnutzungen, neuen Typologien und temporären Interventionen. So soll die Wiederbelebung historischer Gewerbeareale und die Identität des traditionsreichen Industriestandortes Altchemnitz gestärkt werden – und damit die Identität von Chemnitz als moderne Industriestadt. Eine bewusste Wahrnehmung des Stadtteils sei bei vielen Chemnitzer:innen kaum vorhanden und Altchemnitz werde häufig als reiner Transitraum wahrgenommen. Daher wird der Etablierung als kultureller Begegnungsraum für Kreativschaffende auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025 besondere Bedeutung beigemessen.
Altchemnitz im Kontext der Kulturhauptstadt 2025 und der Kultur- und Kreativwirtschaft
In den Bewerbungsschriften zur Kulturhauptstadt besteht bereits mit den Leitmotiven AUFbrüche und C the Unseen ein thematischer Bezug auf Altchemnitz. Im Bid Book I hieß es 2019, dass sich die Brachen ehemaliger Industrieareale durch Reaktivierung aufgrund von „Nutzungsmischung und Anpassungsfähigkeit zu ‚urbanen Magneten‘ entwickeln, [so] soll eine nachhaltige Stadtentwicklung angestoßen werden: Aus ‚brownfields‘ werden ‚coloured fields‘.“59 Die Bewerbung setzt explizit darauf, „aus den Brüchen und Widersprüchlichkeiten der Vergangenheit ein zukunftsorientiertes Selbstverständnis für Chemnitz zu entwickeln und sichtbar zu machen. Aus den Umbrüchen, die die Geschichte der Stadt kennzeichnen (wirtschaftliche Umstrukturierung, politische Systemwechsel, demographischer Wandel) entstehen Aufbrüche.“60 Urbanität und Nutzungsmischungen an Standorten wie Altchemnitz sollen beispielsweise durch das Angebot Makers, Business & Arts für die Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützt werden. Eine Abstimmung der Kulturhauptstadt-Aktivitäten mit den Handlungsansätzen für Altchemnitz soll für die Gebietsentwicklung genutzt werden, um die öffentliche Wahrnehmung auf die Veränderungen im Stadtteil zu lenken.61 Damit korrespondiert letztlich auch die Entscheidung, die Interimsspielstätte für Schauspiel und Figurentheater im Spinnbau an der Altchemnitzer Straße anzusiedeln.
Vom Spinnereimaschinenbau zum Spinnwerk mit Spinnbau: Historischer Abriss
Das Areal des Spinnwerks, ehemals VEB Spinnereimaschinenbau, besteht aus einer prägnanten Bebauung an der Altchemnitzer Straße 27 und neun weiteren Bauten auf dem weitläufigen Gelände. Der Spinnbau besteht aus einer straßenseitigen Blockrandbebauung mit zwei Bauteilen aus unterschiedlichen Bauzeiten und einem Querflügel im rückwärtigen Bereich; dieses Ensemble ist denkmalgeschützt. In den 1920er-Jahren wurde der erste straßenseitige Produktionsbau für die damalige Sächsische Maschinenfabrik errichtet und 1956 mit einem modernen Industriebau erweitert, der als „einer der bedeutendsten Industriebauten der DDR-Nachkriegsmoderne von überregionaler bauhistorischer Bedeutung“ durch die Denkmalpflege gewürdigt wird.62
Der Entwurf für diesen Erweiterungsbau stammt von dem Architekten Erich Seeling und dem Bauingenieur Hänsch im Planungskollektiv des VEB Industrieprojektierung Karl-Marx-Stadt.63 Bei seiner Gestaltung war die Übernahme der Geschosshöhen vom Bestandsbau im zweiten bis fünften Geschoss für die Produktionsabläufe bindend.64 Die erste Etage hat eine größere Raumhöhe, denn hier wurde ein großer Saal projektiert. Er hatte eine Doppelfunktion, indem er als Speisesaal für die Arbeitenden und zugleich als Veranstaltungssaal für Kulturprogramm diente und daher auch separat von der Straßenseite zu erschließen ist. Im Treppenaufgang zum Saal befindet sich ein großformatiges Wandbild von Will Schestak (1959), das die Arbeit im Spinnereimaschinenbau darstellt. Die sachlich-moderne Gestalt des Gebäudes ist durch wechselnde Fenster- und Brüstungsbänder sowie von feiner Detaillierung bestimmt. Die klare Gliederung und Plastizität wird durch das zurückgesetzte Sockel- und Dachgeschoß unterstützt. Der Eindruck von Offenheit und Leichtigkeit wurde durch eine Betonrahmen-Konstruktion mit beidseitigen Kragarmen ermöglicht. Der Spinnbau ist ein äußerst qualitätvolles Beispiel moderner Industriebauarchitektur und Zeugnis des industriellen Bauens, das sich Ende der 1950er-Jahre als Leitbild in der DDR etablierte. Kurz nach der politischen Wende wurde das Unternehmen zur Spinnereimaschinenbau GmBH umgewandelt, die allerdings 1996 den Betrieb aufgeben musste. Nach der Stilllegung wurde die Anlage zwar unter Denkmalschutz gestellt, lag aber mehrere Jahre brach bis sie 2013 von Klaus Hirsch, Geschäftsführer der neugegründeten Spinnwerk GmbH, „mit dem Ziel, das Gelände als guten innerstädtischen Standort für die Vermietung von gewerblich genutzten Flächen zu entwickeln“, erworben wurde.65
Revitalisierung des Spinnwerks im Rahmen der Quartiersentwicklung
Während 2015 im Fachkonzept Integrierte Brachflächenentwicklung in Chemnitz das Spinnwerk-Areal noch als Brache ausgewiesen war, wurde es sechs Jahre später neben dem Wirkbau als Leuchtturmprojekt für die Transformation in Altchemnitz dargestellt.66 Zwischenzeitlich war der ehemalige Fabrikkomplex als stadtbildprägendes Beispiel der Chemnitzer Industriegeschichte zum URBACT III-Projekt geworden und im Rahmen des europäischen Förderprogramms für integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Die Stadtverwaltung hatte die Revitalisierung des Spinnereimaschinenbau-Areals als Pilotprojekt ausgewählt, um „dem wachsenden Bedarf an Gewerbeflächen bei gleichzeitiger Erhaltung von Kulturdenkmälern gerecht zu werden […] Nachhaltigkeit und die Erhaltung von Ressourcen nehmen im Rahmen der Stadtentwicklung und des Städtebaus eine hohe Priorität ein.“67 Um den Fokus auf zentrale Stadtquartiere zu legen, wurde 2017 im Rahmen von URBACT III das Projekt Strategie zur Reaktivierung und Wiedernutzung des Spinnereimaschinenbau-Areals in Altchemnitz umgesetzt und im Ergebnis ein Handlungsplan erstellt. Mit dem Spinnwerk sollte ein Beispiel für die Aktivierung kreativer Milieus entwickelt werden und „mit der Bildung einer Projektpartnerschaft zwischen öffentlichen Behörden und privatem Unternehmen wurde ein Aktionsplan erstellt, um gemeinsam eine Zukunftsvision für ein konkretes Objekt zu entwickeln.“68
Der URBACT-Schwerpunkt liegt auf dem Erfahrungsaustausch und ist an das europäische 2nd-Chance-Netzwerk angebunden. Dieses Netzwerk widmet sich „der Wiederbelebung größerer leerstehender Gebäude, Gebäudekomplexe oder städtischer Teilräume mit vielen leerstehenden Gebäuden, die ihre ursprünglichen Nutzungen verloren haben, sich im Verfall befinden und in ihrem gegenwärtigen Zustand für die Stadt und den Eigentümer ein Problem oder zumindest eine Herausforderung darstellen.“69 Es arbeitet die Potenziale solcher Orte für die nachhaltige Stadtentwicklung heraus, zeigt die Vielzahl sozialer, gewerblicher, ökologischer oder kultureller Nutzungsmöglichkeiten auf und richtet den Fokus dabei auf bestehende Bausubstanz innerhalb des Stadtgebietes. „Durch einen Kreativ-Workshop, Festivals und Öffentlichkeitsarbeit wurde Aufmerksamkeit auf das Objekt gelenkt. […] Der Eigentümer hat Impulse für die Sanierung weiterer Abschnitte aufgegriffen.“70 Zunächst wurde eine grundlegende Struktur für das zu entwickelnde Spinnwerk-Areal geschaffen, Außenanlagen von Wildwuchs befreit, ein Leit- und Orientierungssystem installiert und ein Beleuchtungskonzept entwickelt; ein energetisches Konzept soll für die technischen Anlagen etappenweise umgesetzt werden.71 Zur Vermittlung der besonderen Eigenschaften und Qualitäten wurde das Spinnwerk in die Chemnitzer Route der Industriekultur aufgenommen und eine Informationstafel neben der Hauptzufahrt installiert. Kurze Zeit später begann etappenweise der Einzug der Städtischen Theater in den Spinnbau – zunächst 2020 mit dem Kostümfundus und den -werkstätten und 2021 mit der Interimsspielstätte für Schauspiel und Figurentheater. Dies hatte eine Perspektivänderung für den Spinnbau zur Folge, so dass anstelle einer niedriginvasiven Sanierung nunmehr umfangreichere Instandsetzungen und Umbauten erfolgten.
Schauspiel und Figurentheater in der Interimsspielstätte Spinnbau seit 2021/22
Der Spinnbau ist in mehrfacher Hinsicht als Interimsspielstätte besonders geeignet und zugleich angesichts des Quartierscharakters auch eine Herausforderung. Die unmittelbare stadträumliche Situation ist von instandgesetzten, denkmalgeschützten Bauten bestimmt – wie der Wohnanlage der Krenkel-Stiftung vis-à-vis und den westlich angrenzenden Geschäftsbauten der Landesdirektion Sachsen. Das rückwärtige Areal des Spinnwerks wird vor allem von Gewerbebetrieben und für Lagerzwecke genutzt. Eine Ausnahme bildet der Kulturbetrieb Spinnerei, der ein Teil des Geländes seit 2013 als Open-Air-Eventlocation nutzt. Die Freiflächen des Spinnwerks sind weitgehend versiegelt, bieten keine Aufenthaltsqualität und werden überwiegend pragmatisch als Stellflächen genutzt. 2021 vereinbarten die Stadt Chemnitz, die Städtischen Theater und die Spinnwerk GmbH die Anmietung des Spinnbaus ab Herbst des Jahres beziehungsweise im Frühjahr 2022 als Interimsspielstätte für Schauspiel und Figurentheater. Im Mai wurde der Mietvertrag geschlossen – mit Option auf Nutzungsverlängerung über die seinerzeit geplante Dauer bis Ende 2023 hinaus.72 Im östlichen Teil des Spinnbaus werden bereits seit Sommer 2020 die zweite und dritte Etage für Kostümfundus und -werkstätten genutzt.73 Die Spielstätten wurden im westlichen Teil, dem modernen Industriebau der 1950er-Jahre, eingerichtet. Die Städtischen Theater hatten mit dem Eigentümer vereinbart, dass die abgestimmten baulichen Voraussetzungen für den Interimsspielbetrieb durch den Eigentümer geschaffen werden.74 Der Industriebau bietet aufgrund seiner baulichen Struktur gute Voraussetzungen für die Nutzung durch die Städtischen Theater. Für die drei Bühnen – Große Bühne, Ostflügel und Kleine Bühne – sind im Spinnbau jeweils Interimsbühnen mit den dazugehörigen Räumen abgebildet. Von dem separaten straßenseitigen Eingang gelangt man in das Verteilerfoyer der Interimsspielstätte. Eine großzügige Treppenanlage führt ins erste Obergeschoß zum ehemaligen Kultursaal, der als Große Bühne für das Schauspiel genutzt wird. Der Raum war mit einer einfachen Podest-Bühne ausgestattet, für die allerdings außer Vorhang und Drehscheibe beim Umbau keine weitere bühnentechnische Maschinerie zur Raumverwandlung installiert werden konnte. In dem Saal wurde eine mobile Zuschauer-Tribüne errichtet. Auf dieser Etage wurden außerdem großzügige Foyerräume mit Aufenthaltsbereichen, Garderoben und der Spinnbar für die gastronomische Pausenversorgung eingerichtet. Die Bühnen für das Figurentheater und für den Ostflügel wurden beidseitig des Verteilerfoyers im Erdgeschoss jeweils als Studiobühnen eingerichtet, denen eigene Foyers vorgelagert sind. Alle drei Bühnen sind unabhängig voneinander zu erschließen und nutzbar. In der vierten Etage wurden Büroräume und im Dachgeschoß Garderoben sowie Arbeits- und Aufenthaltsräume für die künstlerischen und technischen Mitarbeitenden eingebaut. Hier finden sich auch Lager für die Dekorationen, die über den vorhandenen Lastenaufzug transportiert werden können. Angesichts der Koordination von unterschiedlichsten Baumaßnahmen erklärt Raj Ullrich: „Ausgehend von der Absicht, eine Ausweich-Spielstätte zu bauen, hat sich das hier inzwischen von den Anforderungen durch Denkmalschutz, Hochhaus-Richtlinie und drei Veranstaltungsstätten zu einem komplexen Theaterbau entwickelt.“75 Im Herbst 2021 bezog der Ostflügel den Spinnbau, gefolgt von Figurentheater und Schauspiel im Frühjahr 2022 — in der Annahme einer zweijährigen Nutzungsdauer der Interimsspielstätte. Zuerst eröffnete der Ostflügel im Herbst 2021 mit Jede Stadt braucht ihren Helden von Philipp Löhle als Studioinszenierung. Die Große Bühne und die Kleine Bühne eröffneten ein halbes Jahr später, im Frühjahr 2022, mit der Schauspielpremiere Hin und Her von Ödön von Horváth und der Figurentheaterpremiere Schimmelreiter von Theodor Storm.
Die Erwartungen an die Interimsspielstätte changierten vor dem Einzug zwischen offensivem Umgang mit den Herausforderungen und der Entdeckung neuer Potenziale. Carsten Knödler erklärte 2021, dass der Spinnbau mit Abstand die beste Lösung sei, weil die drei Bühnen dort gut abgebildet werden können.
Das Quartier ist allerdings nicht die belebteste Gegend. Wir müssen dort abends eine Lichtinsel schaffen, so dass man das Haus von weitem sieht in den spärlich beleuchteten Straßen. Das ist schon schwierig, aber es ist unsere Sache, das zu beleben. […] Insgesamt habe ich großen Respekt vor diesem Umzug, um überhaupt das Publikum dorthin mitzunehmen. […] Ich könnte mir vorstellen, dass es bei der älteren Bevölkerung zwei Gruppen gibt: Einige verbinden den Spinnbau mit Erinnerungen, denn in diesem Saal hat auch Kulturprogramm stattgefunden – bis hin zu Konzerten und Disco in den Achtzigern. Bei anderen könnte ich mir auch vorstellen, dass sie Scheu haben, in ein Werksgebäude zu gehen.76
Auch die Große Bühne im Spinnbau war eine Herausforderung: „Der Große Saal ist kein Theaterraum, er ist bestenfalls eine Kulturhausbühne. [...] Videotechnisch ist wenig möglich. Einen Schnürboden gibt es nicht. Man kann nichts wegziehen, weil es keine Unterbühne und keine Seitenbühne gibt.“77 Da diese Situation für das Schauspiel als langfristige Lösung nicht geeignet ist, besteht die Dringlichkeit des Rückzugs in die originäre Spielstätte. Demgegenüber bietet der Spinnbau für den Ostflügel wiederum besondere Potenziale: „Das Verhältnis von Ostflügel und seinem Publikum könnte sich dort tatsächlich intensivieren. Unabhängig von unseren Stücken kann man einen, im weitesten Sinne, alternativen Ort schaffen.“78 Gundula Hoffmann beschrieb 2021 ihre Erwartungen für das Figurentheater: „Ich glaube daran, dass der Umzug für unsere Sparte eine große Verbesserung darstellt – mit dem eigenen Foyer und dem Saal, der viel mehr Freiheiten bietet. […] ein riesiger alter Industriebau. Ich mag so was, kann mir aber auch vorstellen, dass es einigen Leuten atmosphärisch zu rau ist. Mal sehen, wie er nach der Renovierung aussieht – wobei der Industriebau als solcher sichtbar belassen werden soll.“79
Das Schauspiel und Figurentheater und seine Publika haben die Interimsspielstätte inzwischen gut angenommen und die Qualitäten des Fabrikgebäudes entdeckt. Dies sei eine gute Voraussetzung, so Carsten Knödler 2023, „um die Zeit bis zum ersehnten Wiedereinzug in das sanierte Schauspielhaus nicht nur zu überbrücken, sondern aktiv zu gestalten.“80 Die inzwischen länger projektierte Wartezeit nehme man gerne in Kauf, wenn die Attraktivität des Schauspielhauses so erhöht werde, wie erhofft. Mit der Änderung des Maßnahmenumfangs zur Sanierung und Modernisierung des Schauspielhauses werden die künstlerischen Programme und Kulturhauptstadt-Beiträge nunmehr 2025 im Spinnbau stattfinden, ebenso wie das Festival Theater der Welt 2026. Daher sollen 2024 dort noch einzelne bauliche Nachbesserungen bei der Drehbühne, mit dem Ausbau der Terrasse am Großen Saal und dem Einbau einer Lüftung im Ostflügel durchgeführt werden. Für das Spinnwerk und für das Quartier Altchemnitz bedeutet der Verbleib der Interimsspielstätte über einen unerwartet längeren Zeitraum eine stärkere Publizität, Frequentierung und Wahrnehmung und wird zu einem wichtigen Impulsgeber für die weiteren Entwicklungen in der Stadt.
8.4 Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 und das Theater
Angesichts der Tatsache, dass Chemnitz zur Kulturhauptstadt 2025 bestimmt wurde, stellt sich die Frage nach der Rolle des Theaters und der Darstellenden Künste für das Programm Chemnitz 2025, wobei sowohl die Städtischen Theater als auch andere private und freie Theater und Aufführungsprogramme in ihrer Gesamtheit gemeint sind. Eine enge Vernetzung der Städtischen Theater und der Kulturhauptstadt-Initiative bestand bereits in der frühen Entwicklungsphase über den Intendanten Christoph Dittrich, der Mitglied der Lenkungsgruppe in der Bewerbungsphase und später übergangsweise Geschäftsführer der Kulturhauptstadt GmbH war, bis Stefan Schmidtke nach Chemnitz berufen wurde. Im Bid Book II C the Unseen wurden verschiedene Theaterprojekte angekündigt, die von und mit den Städtischen Theatern durchgeführt werden sollten – so beispielsweise Sieben Gemeinden-Theater in der Region, Garage als Schatztruhe – ein Theater der gefundenen Gegenstände, die Europäische Schultheaterwoche, das Musiktheater-Projekt Eastern Wheels Rally, das Festival Tanz | Moderne | Tanz, und das internationale Theaterfestival Nonstop Europa!.81 Weiterhin wurden Vernetzungsprojekte mit anderen Bühnen in der Stadt und der Region angeführt: mit dem Fritz Theater, der OFF-Bühne Komplex sowie den Städtischen Bühnen in Annaberg-Buchholz, Freiberg und Plauen. Außerdem wurden mit Der Bus ist abgefahren von Gabi Reinhardt und der OFF-Bühne Komplex auf dem Sonnenberg künstlerische Beiträge der freien Szene dargestellt.82
Welche Erwartungen hatten Schauspiel und Figurentheater an die Kulturhauptstadt Ende 2021 vor der nächsten Umsetzungsphase? „Das ist eine Chance für Chemnitz, auf jeden Fall“ 83, so Carsten Knödler. „Theater ist jedoch nur ein Teil des Ganzen. Ein Schwerpunkt ist die Niedrigschwelligkeit der Angebote, die es zur Kulturhauptstadt geben soll, aber Hochkultur wäre bei der Kulturhauptstadt auch nicht ganz falsch.“84 Gundula Hoffmann beschreibt 2021 ihren Eindruck:
Neben uns als größerer Institution ist aber vor allem die freie Szene gefragt. […] Unser Auftrag ist, für einen nachhaltigen Spielplan zu sorgen. Die zwei Projekte aus dem Bid Book bringen uns dabei an unsere Grenzen, da sie neben dem laufenden Repertoire personell, finanziell und zeitlich unseren gewöhnlichen Rahmen sprengen und viel Aufmerksamkeit einfordern, die strukturell kaum zu stemmen ist. […] Ich finde das Programm, womit sich die Stadt beworben hat, total super. Klar zu sagen: Wir haben hier ein riesengroßes Problem – wie gehen wir damit um? Wie können wir die Menschen, die hier leben, so einbinden, dass sie sich gesehen fühlen, dass sie mitmachen, mitgestalten können und miteinander in einen Dialog treten.85
Im Sommer 2024 kündigten die Städtischen Theater ihre Projekte für das Kulturhauptstadt-Jahr an, die im Vergleich zum Bid Book II teilweise neu akzentuiert wurden. Mit Rummelplatz nach dem Roman des in Chemnitz geborenen Werner Bräunig wird im Opernhaus die Uraufführung eines Auftragswerks, einer Oper von Ludger Vollmer und Jenny Erpenbeck, stattfinden.86 Das Figurentheater ist mit zwei Projekten im Programm Chemnitz 2025 vertreten: mit der Uraufführung Inside Outside Europe, einer Tetralogie der Theater Chemnitz, Annaberg-Buchholz, Freiberg und Plauen zum Thema Gemeinsamkeiten und Heterogenitäten in Europa. Außerdem wird mit der Uraufführung Archäologie der Dinge, ein Theater der gefundenen Gegenstände in Chemnitzer Garagen gebracht, das mit dem Flagship-Projekt #3000Garagen verknüpft ist. Das Schauspiel wird sich unter anderem mit dem seit 2014 eingeführten Festival Nonstop Europa! als internationales Schauspieltreffen einbringen.
Zwischen den Programmvorschlägen im Bid Book und der Umsetzung des künstlerischen Programms liegen inzwischen einige Jahre und Entwicklungsprozesse; hierzu fand das nachfolgende Gespräch mit Stefan Schmidtke, dem künstlerischen Leiter und Geschäftsführer Programm der Kulturhauptstadt GmbH, statt.
8.5 „Wir haben die Chance, die performativen und dramatischen Künste […] in die Fläche der Stadt zu bringen.“ Stefan Schmidtke im Gespräch
Stefan Schmidtke ist seit Dezember 2021 Geschäftsführer der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH. Das Gespräch mit ihm behandelt die Perspektive des Theaters im Kontext der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, ebenso wie Fragen zum künstlerischen Programm 2025 und zum internationalen Festival Theater der Welt 2026 in Chemnitz. Das Gespräch mit Stefan Schmidtke und Annette Menting fand am 9. September 2023 per Videokonferenz aus der Geschäftsstelle Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH Chemnitz statt.
Annette Menting: Das Schauspielhaus ist eine Interventionsfläche der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 und seine Sanierungsmaßnahmen stehen bevor. Bieten sich durch den Status Kulturhauptstadt Möglichkeiten, die geplanten Mindestmaßnahmen zu erweitern, um adäquate Räume für die künstlerische Arbeit von Schauspiel und Figurentheater zu ermöglichen und ihre zukünftigen Entwicklungen zu unterstützen?
Stefan Schmidtke: Ich möchte zunächst das Prinzip Kulturhauptstadt erklären, weil es sehr wichtig ist, zu wissen, worum es dabei geht. Wenn eine Stadt wie Chemnitz sich um so einen Titel bewirbt, hat sie zwei Ziele im Auge: Das eine ist ein größeres investives Programm, und das andere ist eine Art von Kultur- und Kunstprogramm. Das Ganze wird in einem Bewerbungsprozess erarbeitet, der zwei bis drei Jahre dauert, und am Ende entsteht ein Bewerbungsbuch. In diesem Bid Book ist die Vision der Stadt Chemnitz für die Kulturhauptstadt gezeichnet, entwickelt von den Menschen, die hier in der Stadt leben. Chemnitz hat mit diesem Bewerbungsbuch den Titel gewonnen. Und dann passiert üblicherweise folgendes: Der Bewerbungs-Stab geht auseinander, es wird eine Firma gegründet, die rausbekommen muss, welche Teile in diesem Bewerbungsbuch überhaupt ihr Job sind, und welche in andere Hände gehören. Denn nicht die Chemnitz 2025 GmbH ist die Kulturhauptstadt, sondern eine komplexe Vernetzung mit Rathaus, Stabsstelle, Koordinierungsstab, Chemnitzer Entwicklungsgesellschaft CWE, Tourismusdestination Zwickau-Chemnitz und Region, Tourismusverband Erzgebirge, Deutsche Zentrale für Tourismus und Dezernat 6 Stadtentwicklung und Bau der Stadt. Letzteres hat 30 Millionen Euro für die sogenannten Interventionsflächen auszugeben, das heißt für Baumaßnahmen, die die Stadtstruktur verändern. Außerdem hat die Kulturhauptstadt Chemnitz gemeinsam mit 38 Kommunen in der Region ein Regionenprogramm. Wir sind als Kulturbetrieb aufgerufen, die Kunst und Kulturprojekte von den Projektträgern in der Stadt zu betreuen, weiterzuentwickeln und umzusetzen. Wir übernehmen eine Art von Agenturdienstleistungen, denn die Kunstsammlungen machen ihr Projekt, der Klub Solitaer macht sein Projekt, das Industriemuseum macht sein Projekt, das Theater macht sein Projekt – und wir liefern im Prinzip das Know-how, wie man es im Rahmen der Kulturhauptstadt besser machen kann. Sie sprechen insofern mit mir hier zunächst als Privatperson, weil Ihre Frage sich nicht in meinem Dienst-Belang befindet. Ich gebe meine persönlichen Reflexionen darauf und in irgendeiner Art und Weise haben diese für die Kulturhauptstadt eine ideelle Bedeutung, sind aber in einem weiterführenden Prozess noch nicht bedacht. Die Kulturhauptstadt ist Teil der Kultur Raum Geben Kulturstrategie der Stadt Chemnitz, die bis 2030 reicht. Hier wäre auf der einen Seite Herr Csák der Ansprechpartner – der Leiter des Kulturamtes, welches die Kulturstrategie entwickelt hat und in der die Theater eine große Rolle spielen. Auf der anderen Seite ist das Dezernat 6 Ansprechpartner, das Stadtentwicklung und Bau der Stadt unter sich hat und das sich zu Fragen der Erhaltung von Bauwerken und erforderlichen Investitionen Gedanken macht. Wir sind als Chemnitz 2025 GmbH letztlich ein Teil in dem sehr großen Zusammenhang Kulturhauptstadt. Wir sind eine Tochtergesellschaft unserer Stadt und haben einen Durchführungsauftrag. Was mich persönlich am Schauspielhaus interessiert, ist die Frage, wie man mit einem Umbau dort neue dramatische Formate möglicherweise besser spielen könnte als im klassischen Guckkasten. Das steht im Widerspruch dazu, dass man eine Sanierung vorsieht, die mehr oder weniger die Bestandsmasse erhält, aber nicht eingreift – und leider derzeit der Situation nicht Rechnung trägt, dass die zeitgenössischen performativen und dramatischen Künste andere Räume brauchen als früher.
AM: In einem Interview Ende 2021 erwähnten Sie die Bedeutung des Schauspielhauses Karl-Marx-Stadt in den 1980er-Jahren mit seinen besonderen Aufführungen. Welche Bedeutung hat dieses immaterielle Kulturerbe für die Stadt heute und für die Kulturhauptstadt?
SSCH: Das nenne ich das Gedächtnis der Stadt. Es macht den Wert von Kunst und Kultur aus, dass es eine Generationenweitergabe eines Narrativs gibt. Dieses Narrativ speist sich einerseits aus materialisierten, sich verändernden Immobilien und andererseits aus der Erzählung der Großeltern, der Eltern und dann auch dem Eigenerlebnis der nächsten Generation. Das Ganze wird unterstützt durch Menschen wie Sie, die wissenschaftliche Beiträge und Dokumentationen zu verschiedenen Zeitebenen zusammenfassen. In diesem Vexierspiel aus persönlichem und gesamtgesellschaftlichem Erleben, aus der Weiterentwicklung oder dem Abbruch von Häusern und der Art und Weise, wie dies dokumentiert wird, ergibt sich ein Wechselspiel, das man schwer lancieren kann. Denn es gibt Städte, in denen hat das eine größere Bedeutung, und es gibt Städte, in denen hat das eine weniger große Bedeutung. In Wien werden die Leute schon wahnsinnig, wenn irgendwo am Burgtheater an der Putte ein Finger abbricht – da ist das Ende der Kunstwelt nahe. Hier bei uns können sie ein Schauspielhaus stilllegen für mehrere Jahre, und sie haben unendlich viele Vexierbilder, was und wie das werden soll. Ganz persönlich muss ich sagen, dass das Schauspielhaus, dieser umgebaute Festsaal, ursprünglich architektonisch nicht wirklich als ein Haus der Kunst gedacht war, es ist es aber dennoch geworden. Es ist in einem Zwischenstadium ein Raum geworden, in dem sich viel Zeitgeist angehäuft hat – durch Stars wie Ulrich Mühe, Wolfgang Sörgel und Irmgard Lange, die von Chemnitz oder von Karl-Marx-Stadt aus ins Land gegangen sind. Für mich persönlich ist das ein Ort des großen Initiativerlebens. Der Eintritt in die Kunst muss immer von einer starken, emotionalen, geistigen, impulshaften Initiation getragen werden – und durch reinen Zufall: Weil die Züge nach Leipzig und Dresden abends nicht mehr fuhren, ist es in meinem Leben das Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt geworden. Das Besondere an diesem Haus war, dass hier der Intendant Meyer und der Schauspieldirektor Albiro eine sehr geschickte Spielplan-Mischung gemacht haben: mit politisch Brisantem wie Ulrich Plenzdorfs Legende vom Glück ohne Ende, Heinar Kipphardts Bruder Eichmann aus dem Westen und Heiner Müllers Der Bau, inszeniert von Frank Castorf. Sie haben eine sehr aufgeklärte, dialektische, proaktive Spielplanpolitik gemacht, die sich nicht an großen Historien-Dingern Lorbeeren erworben hat, sondern insbesondere an der Pflege von zeitgenössischer Dramatik; ich war damals 18, das hat mich interessiert.
AM: Wie könnten durch die Kulturhauptstadt zukünftig mehr Aufmerksamkeit und Impulse für die Theater in Chemnitz entstehen?
SSCH: Ich glaube, neben den immerhin fünf Theater-Projekten im Bewerbungsbuch, welche die Kulturhauptstadt mit den Chemnitzer Theatern – da spreche ich jetzt nicht von der Institution, sondern vom Theaterleben – für die Zukunft der Stadt initiiert hat, gibt es eine gut platzierte programmatische Absicht. Im Bid Book gibt es eine Verabredung für ein Projekt mit der Festivalakademie Brüssel, die seit vielen Jahren kontinuierlich die Entwicklung von jungen Kuratorinnen und Kuratoren für dramatische Künste international fördert. Das Festivalatelier ist bei uns in der Kulturhauptstadt ein sogenanntes Capacity Building-Programm. Jetzt kommt der Zufall ins Spiel: Mit dieser Festivalakademie habe ich bei Theater der Welt in Düsseldorf 2020/2021 zusammengearbeitet, da kannte ich das Bid Book von Chemnitz noch gar nicht. Als ich hierherkam, habe ich gelesen, dass die Festivalakademie mit im Programm ist und habe sie mit Dr. Dittrich, dem Generalintendanten der Theater Chemnitz, bekannt gemacht. Ich habe gesagt: Wir haben jetzt eine riesengroße Chance, das Theaterleben in Chemnitz durch den Kulturhauptstadtbetrieb noch einmal inhaltlich zu bedenken und zu erweitern, indem wir uns turnusgemäß für die Vergabe des internationalen Festivals Theater der Welt 2026 bewerben. Wir haben drei Alleinstellungsmerkmale: Es ist das erste Mal in der Geschichte von Theater der Welt, dass sich ein Fünfspartenhaus bewirbt; normalerweise sind das ganz schlanke Schauspielhäuser. Zweitens haben wir die Chance, dass wir durch den Kulturhauptstadt-Prozess einen sehr großen kulturellen Umformungsprozess in der Stadt haben, in dem wir schon drei Jahre vorher verschiedene Methodiken für Theater- und Kunstverständnis mitführen können. Drittens haben wir in unserem Bid Book mit der Festival Academy einen international herausragenden Partner, mit dem wir nicht das Prinzip des Einzelkurators – ich war der letzte Einzelkurator von Theater der Welt, – sondern der kollektiven Entscheidung verfolgen. Insofern haben wir durch die Kulturhauptstadt für das Theaterleben in Chemnitz die Tür sehr weit aufgemacht. Theater der Welt wird nicht allein von den Theatern Chemnitz, also vom Stadttheater, durchgeführt, sondern es kommen eventuell freie Gruppen und das Stadtfestival Kosmos hinzu. Wir haben die Chance, die performativen und dramatischen Künste in ihrer gesamten Bandbreite aus dem uns bekannten Exzellenzcluster der Hochkultur in einer geschickten Art und Weise, durch internationale Vermischung und Vermischung von Formensprachlichkeit, in die Fläche der Stadt zu bringen. Das ist die große Chance, die die Kulturhauptstadt-Bewerbung auch den Theatern Chemnitz erst mal in die Hand gegeben hat.
SSCH: Wir sind in 2025 fünf Jahre weiter und man kann ein Bid Book nicht eins zu eins umsetzen. Das Bid Book ist eine Sammlung von Visionen und Ideen. Unsere Aufgabe ist es, diese Ideen auf Machbarkeit zu prüfen, zu befördern und umzusetzen. Das Bid Book liest sich manchmal ganz fetzig, aber was man liest, ist noch nicht Realität.
AM: Wie verhält es sich mit den im Bid Book angedachten Projekten, bei denen die Theater Chemnitz eingebunden waren – wie das Figurentheater mit Garagen als Schatztruhe und 7 Gemeinden – Theater in der Region?
SSCH: Mit dem Bid Book darf man arbeiten, das heißt, es wurden mehrere Entscheidungen getroffen: Die Theater Chemnitz haben sich entschieden, eine zeitgenössische Oper zur Uraufführung zu bringen, die noch entsteht. Es gibt das wunderbare Buch von Werner Bräunig Rummelplatz, das eines der schwierigsten Themen des Erzgebirges und der DDR behandelt: die Wismut und die Art und Weise, wie sie mit den Menschen umgegangen ist. Das ist das Flagship-Projekt der Chemnitzer Theater: eine Opern-Uraufführung. Die Garage als Schatztruhe ist das Projekt des Figurentheaters, das mit unserem #3000 Garagen-Projekt verwoben wird. Beim Theaterprojekt 7 Villages sind die Bühnen Annaberg-Buchholz, Freiberg, Plauen und Chemnitz involviert: Sie wollen ein Stücke-Schreibprojekt machen, wo junge Menschen aus ganz Europa in die Region kommen und kleine Stücke schreiben, die dann unter den Theatern wandern werden. Wir haben weitere Projekte wie Nonstop Europa!, ein Schauspielstudentenfestival, das schon seit einigen Jahren stattfindet und junge Studentenbühnen aus Europa hierher ans Theater holt. Wir unterstützen auch Tanz | Moderne | Tanz, ein Tanzfestival, was in einer Beziehung zu den städtischen Theatern steht, aber nicht originär eine Marke der Bühne ist. In den Freien Darstellenden Künsten unterstützen wir das Megaprojekt Der Bus ist abgefahren: Regisseurin und Autorin Gabi Reinhardt möchte ein Busfahrprojekt quer durch Industrieorte in der Stadt machen und sich an der Rolle der Frau in der Arbeit des 20. und 21. Jahrhunderts dramatisch abarbeiten. Es wird das größte Projekt der Freien Darstellenden Künste. Wenn man das alles zusammennimmt, haben wir einen sehr großen Anteil an Theater und Darstellenden Künsten in unserem Kulturhauptstadtjahr.
AM: Gibt es auch Programme, die mit dem Spinnbau verknüpft werden, der 2025 weiterhin als Interimsspielstätte genutzt wird?
SSCH: Wir sind noch nicht so weit. Wir werden jetzt erst mal die Bid Book-Projekte befrieden und zum Jahresende ganz viele Verträge herausgeben, damit die Akteure ins Arbeiten kommen. Dann haben wir noch ein Jahr Zeit, weil unser Hauptprogramm im Herbst 2024 angekündigt wird. Es wird ein großes Bürgerbeteiligungsprogramm geben, zu dem jetzt noch Ideen reinkommen. Wir haben transparente Verfahren aufgelegt, bei denen man einen Antrag stellen kann und die Bewertungskriterien kennt. Wir hatten die Situation, dass einige Leute gesagt haben: Ich bin nicht im Bid Book und habe nie was davon gehört. Warum wurde ich nicht gefragt? So ein Bid Book ist eine Vision und das Bearbeiten kommt danach. Im Jahresverlauf 2024 werden wir bekannt geben, welche Projekte gefördert werden können und von welchen wir uns trennen. Ab Januar 2024 geht es auch öffentlich um Tourismus, das heißt der Purple Path, der große Skulpturenpfad, wird national und international präsentiert und dann haben wir das ganze Jahr Zeit, um die Skulpturen einzuweihen. Im Herbst 2024 werden wir das Hauptprogramm ankündigen, um am 18. Januar 2025 das Kulturhauptstadt-Jahr zu eröffnen.
AM: Vielen Dank für das Gespräch.
1 Stadt Chemnitz, Stabsstelle Strategieentwicklung Morgenstadt (Hg.): Was ist die Chemnitz-Strategie? 5.6.2019, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/ media/unsere-stadt/chemnitz-strategie/rolle_ziel_lang.pdf, Zugriff am 3.1.2024).
2 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Stadtmarketing (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtmarketing/index.html, Zugriff am 3.1.2024).
3 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Die Macherinnen und Macher der Woche, 2014 bis 2024, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/ stadtmarketing/die-stadt-bin-ich/macherderwoche/index.html, Zugriff am 4.3.2024).
4 Stadt Chemnitz (Hg.): Kommunikationskampagne Die Stadt bin ich, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtmarketing/ die-stadt-bin-ich/index.html, Zugriff am 4.3.2024).
5 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Kulturstrategie der Stadt Chemnitz für die Jahre 2018–2030. Kultur Raum geben, Chemnitz 2019, S. 4, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/kultur/kulturfoerderung/bericht_kulturstrategie_ansicht.pdf, Zugriff am 15.9.2019).
6 Vgl. Stadt Chemnitz, Kulturstrategie, 2019, 5f.
7 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): C the Unseen – European Makers of Democracy, Bid Book II, Chemnitz 2020 (https://chemnitz2025.de/ wp-content/uploads/2020/12/BidBook-deutsch.pdf, Zugriff am 15.5.2021).
8 Stadt Chemnitz (Hg.): AUFbrüche, Opening Minds, Creating Spaces, Bid Book I, Chemnitz 2019, S. 59. (https://chemnitz2025.de/ wp-content/uploads/2019/10/Chemnitz2025-Kulturhauptstadt-Europas-Kandidat-Bid-Book.pdf, Zugriff am 15.1.2021).
9 Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): Interventionsflächen der Kulturhauptstadt Europas 2025, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtentwicklung/interventionsflaechen/index.html, Zugriff am 1.8.2024).
10 Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung 2021 vom 18.6.2021, S. 42. Beschlussvorlage B-155/2021, Anlage 3. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/vo0050.asp?__kvonr=6975914, Zugriff am 1.8.2024).
11 Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): Städtebauliches Entwicklungskonzept Chemnitz 2020. Beschlussvorlage für den Stadtrat Chemnitz, Beschluss B-181/2009, März 2009, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/unsere-stadt/stadtentwicklung/seko/seko_2020.pdf, Zugriff am 28.11.2018).
12 Vgl. AS+P (Alber Speer + Partner GmbH): „Städtebaulicher Rahmenplan Theaterquartier Chemnitz“, Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt Chemnitz Dezernat 6, Stadtentwicklung und Bau (o. J./2019), S. 4.
13 Stadt Chemnitz (Hg.): Rahmenplan Innenstadt startet, Chemnitzer:innen können am Dialog beteiligen, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtentwicklung/innenstadt/rahmenplan/index.html, Zugriff am 1.8.2024).
14 Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): INSEK, Integriertes Stadtentwicklungskonzept Chemnitz 2035, 1 Grundlagen, Chemnitz 2022, S. 4, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/unsere-stadt/stadtentwicklung/insek/insek_broschuere1_grundlagen_neu.pdf, Zugriff am 27.4.2024).
15 Stadt Chemnitz (Hg.): Begründung zum Beschluss im Stadtrat am 9.11.2016, Anlage 2 der Beschlussvorlage B-263/2016. Stadt Chemnitz Ratsinforma tionssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/vo0050.asp?__kvonr=6972240, Zugriff am 1.8.2024).
16 Stadt Chemnitz, Begründung zum Beschluss im Stadtrat am 9.11.2016.
17 Vgl. Städtische Theater Chemnitz, Konzeption zur Entwicklung der STC gGmbH ab dem Jahr 2019, 22.9.2016.
18 Ebd., S. 4.
19 Dem Doppeltheater Staatsoperette und Theater Junge Generation auf dem Areal Kraftwerk Mitte Dresden widmet sich das DFG-Forschungsprojekt „Architektur und Raum für die Aufführungskünste“, ein Arbeitsheft von Annette Menting und Nadine Kesting Jiménez ist für 2025 in Vorbereitung.
20 Vgl. Stadt Chemnitz, Pressestelle (Hg.): Ziel: Für Städtische Theater Chemnitz Flächentarifvertrag ab 1.1.2019, Pressemitteilung vom 14.6.2018, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2018/432.html, Zugriff am 15.9.2023).
21 Vgl. Städtische Theater Chemnitz, Konzeption zur Entwicklung des Theaters von 2019 bis 2022, 11.09.2018.
22 Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
23 Uhlig, Swen: „Theaterpläne sorgen für neue Abrissdebatte“, in: Freie Presse vom 7.4.2018.
24 Vgl. Ulrich, Christoph: „Der lange Weg zum Kulturviertel“, in: Freie Presse vom 8.6.2019.
25 Im INSEK 2035 wird bei den Interventionsflächen der Kulturhauptstadt das Kulturquartier Schillerplatz angeführt, das allerdings in seiner Programmierung als landschaftsarchitektonische Gestaltungsmaßnahme und denkmalgerechte Neugestaltung des Schillerplatzes nicht vergleichbar ist mit dem Kulturquartier der Städtischen Theater. Vgl. Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): INSEK Chemnitz 2035 Integriertes Stadtentwicklungskonzept, Unverkennbar Chemnitz, Stand 18.4.2024, S. 33, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/unserestadt/stadtentwicklung/insek/ insek_2035_lesefassung_gesamt.pdf, Zugriff am 1.8.2024).
26 Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
27 Vgl. Menting, Annette/Chawaf, Nadja: „Frische Ideen für neue Konzepte. Studienprojekte als Impulse für Debatten zur Theaterlandschaft, Teil 2: Beiträge für Chemnitz“, in: Bühnentechnische Rundschau, H. 2, 2020, S. 86–89.
28 Städtische Theater Chemnitz, Konzeption zur Entwicklung des Theaters von 2019 bis 2022, 11.9.2018.
29 Vgl. Stadt Chemnitz, AUFbrüche, Opening Minds, Creating Spaces, 2019, S. 59.
30 Städtische Theater Chemnitz, Konzeption zur Entwicklung der STC gGmbH ab dem Jahr 2019, 22.9.2016.
31 Stadt Chemnitz (Hg.): Grundsatzentscheid zur Ertüchtigung des Schauspielhauses. Beschluss im Stadtrat am 24.10.2018, Beschlussvorlage B-227/2018. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/vo0050.asp?__kvonr=6973261, Zugriff am 1.8.2024).
32 Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Kulturdenkmale in Sachsen, Denkmalliste, Objekt Dok.-Nr. 09306801, Chemnitz, Zieschestraße 28, Schauspielhaus (https://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/Gast/Denkmalliste_Sachsen.aspx, Zugriff am 8.2.2022).
33 Ebd.
34 Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
35 Ebd.
36 Carsten Knödler im Gespräch, Kapitel 7.3 dieser Publikation.
37 Ebd.
38 Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
39 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Beteiligung der Stadt Chemnitz am Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ mit der Maßnahme „Sanierung Schauspielhaus“, Beschlussvorlage Nr. B-246/2022 für den Stadtrat am 12.10.2022. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/vo0050.asp?__kvonr=6977599, Zugriff am 1.8.2024).
40 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Anmietung einer Interimsspielstätte für das Schauspielhaus, Informationsvorlage Nr. I-037/2021 für den Stadtrat am 21.7.2021. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/vo0050.asp?__kvonr=6975946, Zugriff am 1.8.2024).
41 Stadt Chemnitz, Stötzer, (Dezernat 6 Stadtentwicklung und Bau): Antwortschreiben auf Ratsanfrage RA-456/2020 vom 16.12.2020 zum Stand der Umsetzung der B 227/2018 „Grundsatzentscheidung zur Ertüchtigung des Schauspielhauses“. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/ag0050.asp?__kagnr=7472, Zugriff am 1.8.2024).
42 Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
43 Ebd.
44 Stadt Chemnitz, Beteiligung der Stadt Chemnitz am Bundesprogramm, 2022.
45 Ebd.
46 Vgl. Stadt Chemnitz, Pressestelle (Hg.): Sechs Millionen Euro vom Bund für Sanierung des Schauspielhauses, Pressemitteilung vom 14.12.2022, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2022/811.html, Zugriff am 1.8.2024). Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Beschlussvorlage Nr. B-028/2023 zum Stadtrat vom 22.3.2023, Anlage Entwurf zum Zweijahreshaushalt 2023/2024 der Stadt Chemnitz Band 1, S. 528. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/vo0050.asp?__kvonr=6977735, Zugriff am 1.8.2024).
47 Vgl. Stadt Chemnitz, Pressestelle (Hg.): Sanierungsprojekt des Schauspielhauses wird neu bewertet, Pressemitteilung vom 28.2.2024, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuell/presse/pressemitteilungen/2024/127.html, Zugriff am 1.8.2024).
48 Stadt Chemnitz (Hg.): Niederschrift über die Sitzung des Stadtrates – öffentlich – vom 13.3.2024. Stadt Chemnitz Ratsinformationssystem, (https://sessionnet.krz.de/chemnitz/bi/si0046.asp?__cjahr=2024&__cmonat=1&__canz=3&smccont=12&__cselect=147456, Zugriff am 1.8.2024).
49 Stadt Chemnitz, Niederschrift über die Sitzung des Stadtrates, 13.3.2024, S. 5.
50 Ebd., S. 6.
51 Vgl. Stadt Chemnitz, Oberbürgermeister (Hg.): Interventionsflächen, Das Stadtentwicklungsprojekt der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, Chemnitz 2024, S. 15, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/aktuell/publikationen/downloads/broschuere_interventionsflaechen_2024.pdf, Zugriff am 1.8.2024).
52 Rechercheschluss für diese Publikation war Sommer 2024.
53 Vgl. Stadt Chemnitz, Stötzer, Antwortschreiben auf Ratsanfrage RA-456/2020, 2020.
54 Stadt Chemnitz, Anmietung einer Interimsspielstätte für das Schauspielhaus, 2021.
55 Vgl. Stadt Chemnitz, Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung, 2021.
56 Vgl. Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): INSEK, Integriertes Stadtentwicklungskonzept Chemnitz 2035, Heft 4 Maßnahmen-Check, Juli 2023, S. 10. (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/unsere-stadt/stadtentwicklung/insek/insek_broschuere1_grundlagen_neu.pdf, Zugriff am 27.4.2024).
57 Vgl. Stadt Chemnitz, Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung, 2021.
58 Ebd., S. 25.
59 Stadt Chemnitz, AUFbrüche. Opening Minds, Creating Spaces, Bid Book I, S. 12.
60 Stadt Chemnitz, Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung, 2021, S. 12.
61 Vgl. Ebd., 2021, S. 47.
62 Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Kulturdenkmale in Sachsen, Denkmalliste, Objekt Dok.-Nr. 09202226, Chemnitz, Altchemnitzer Straße 27, Fabrikanlage VEB Spinnereimaschinenbau (mehrere Gebäudeflügel), (https://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/Gast/Denkmalliste_ Sachsen.aspx, Zugriff am 1.2.2024).
63 Vgl. Hänsch/Seeling: „Neues Produktionsgebäude für den VEB Spinnereimaschinenbau Karl-Marx-Stadt“, in: Deutsche Architektur, H. 9, 1959, S. 498.
64 Vgl. Lohse, Sibylle: Architekturführer DDR. Bezirk Karl-Marx-Stadt, Berlin 1989, S. 40.
65 Spinnwerk (Hg.): Spinnwerk GmbH & Co.KG stellt sich vor, (https://www.spinnwerk.net/, Zugriff am 1.8.2024).
66 Vgl. Stadt Chemnitz, Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung, 2021.
67 Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): URBACT III – Wiederbelebung Spinnereimaschinenbau, Ausgangssituation, (https://www.chemnitz.de/ chemnitz/de/unsere-stadt/stadtentwicklung/eu-foerderung/urbact/ausgangslage.html, Zugriff am 1.8.2024).
68 Stadt Chemnitz, Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung, 2021, S. 20–21.
69 Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): URBACT III – Wiederbelebung Spinnereimaschinenbau, 2nd Chance Aktionsplanungs-Netzwerk, (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtentwicklung/eu-foerderung/urbact/prozess.html, Zugriff am 1.8.2024).
70 Stadt Chemnitz, Integriertes Handlungskonzept Altchemnitz, Fortschreibung, 2021, S. 20–21.
71 Vgl. Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt (Hg.): Strategie zur Reaktivierung und Wiedernutzung des Spinnbau-Areals in Altchemnitz, Integrierter Aktionsplan, im Rahmen von URBACT III 2nd Chance – Schlafende Riesen wecken, März 2018. (https://www.chemnitz.de/chemnitz/media/ unsere-stadt/stadtentwicklung/eu-foerderung/urbact/lap_de.pdf, Zugriff am 1.8.2024).
72 Vgl. Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
73 Vgl. Schreiter, Frank: „Vom Maschinenbau zur Kostümwelt“, in: Bühnentechnische Rundschau, Sonderband 2021, S. 60–63.
74 Vgl. Schreiter, Frank: „Neues Zuhause für Kunst und Technik“, in: Bühnentechnische Rundschau, Sonderband 2022, S. 68–71. Vgl. Stadt Chemnitz, Anmietung einer Interimsspielstätte für das Schauspielhaus, 2021.
75 Raj Ullrich im Gespräch, Kapitel 7.5 dieser Publikation.
76 Carsten Knödler im Gespräch, Kapitel 7.3 dieser Publikation.
77 Ebd.
78 Ebd.
79 Gundula Hoffmann im Gespräch, Kapitel 7.4 dieser Publikation.
80 Städtische Theater Chemnitz, Spielzeitheft 2023/2024, 2023, S. 5–6.
81 Vgl. Stadt Chemnitz, C the Unseen – European Makers of Democracy, Bid Book II, 2020, S. 35, 36, 40, 47, 53, 64, 77.
82 Vgl. Ebd., S. 45–46.
83 Carsten Knödler im Gespräch, Kapitel 7.3 dieser Publikation.
84 Ebd.
85 Gundula Hoffmann im Gespräch, Kapitel 7.4 dieser Publikation.
86 Vgl. Städtische Theater Chemnitz (Hg.): Unsere Projekte im Rahmen der Kulturhauptstadt 2025, (https://www.theater-chemnitz.de/ projekte-zur-kulturhauptstadt-2025, Zugriff am 1.8.2024).


















