Da war doch noch was 2
von Christof Lappler
Erschienen in: Mutige Sprünge und große Wellen – 40 Jahre theater pfütze (06/2026)

Sehr früh in unserer Geschichte hat uns ein Graphologe eine Art Gruppenpsychogramm erstellt, um zu ermitteln, ob wir mit unseren sehr unterschiedlichen Charakteren überhaupt zusammenpassen. Das Ergebnis dieser möglicherweise fragwürdigen Aktion: Das wird nichts – lasst bloß die Finger von gemeinsamen Unternehmungen!
Wir haben diesen Rat glücklicherweise ignoriert. Aber wir haben sehr bald gemerkt, dass wir Unterstützung brauchen. Dompteur:innen, die diesen wilden Haufen auf Spur bringen können. Und so haben wir recht früh Moderator:innen engagiert, Supervisionen gemacht, uns beraten lassen von sehr unterschiedlichen Leuten. Denn sowohl durch unsere vielfältige charakterliche Prädisposition wie auch durch unsere gemeinsame, herausfordernde Geschichte haben wir als Gruppe manchmal die Energie einer Dampfwalze. Feinfühligere Menschen, die wir als Kunstbetrieb dringend brauchen, waren und sind davon manches Mal überfordert oder sogar abgeschreckt.
In der Anfangszeit unseres Theaters war der offene, mitunter unsachliche, persönliche und verletzende Kampf durchaus noch üblich. Danach wurde meistens gefeiert, sich umarmt und getrunken, und alles war vergessen. Naja, fast alles.
Doch im Zuge der Professionalisierung und der Integration neuer Mitarbeiter:innen wurde das mehr und mehr hinterfragt. Beides, Kampf wie dionysische Versöhnung, wirkten auf einmal wie Rituale eines unsinnigen Umweges. Warum nicht gleich respektvoll und sachlich miteinander umgehen? Und wie jede Gemeinschaft mussten und...















