Bericht
Wenn man zu lange in den Abgrund blickt …
Bei einem kleinen Showcase am Theater in Opole finden die eingeladenen Inszenierungen starke Bilder für prekäre Abgründe
Assoziationen: Dossier: Festivals
Erschienen am 15.4.2026

Es sei ein kleiner Showcase dieses Jahr, erklärt Norbert Rakowski, Regisseur und Theaterleiter des Jan-Kochanowski Teatr in Opole. Dennoch müsse – trotz der kleinen Ausgabe – am jährlichen Showcase festgehalten werden, damit die Arbeit des Hauses einem internationalen Publikum gezeigt werden kann. Und so versieht das J.-K.-Teatr vier Produktionen aus der Spielzeit mit Übertiteln, lädt ein und gibt Einblicke ins Programm, darunter eine Premiere. Fünfzig Prozent der gezeigten Arbeiten sind dabei von jungen Frauen.
Der Showcase eröffnet mit „Poskromienie złośnicy“ („Der Widerspenstigen Zähmung“) in der Regie von Ewa Platt. Die Regisseurin fokussiert die Shakespeare-Komödie auf die Beziehung zwischen Petruchio und Katharina – zeigt sie von patriarchaler Gewalt, Macht und Stillstand geprägt. Die Eröffnungsszene in einem Auto macht die Situation, das Setting und den Missbrauch sofort deutlich: Katharina (Joanna Osyda) ist Gefangene ihrer Beziehung und ihrer Lebenssituation, in der ihr Partner Petruchio ihr Leben kontrolliert, sie demütigt, entmündigt und ihr fast ununterbrochen Gewalt antut. Er nimmt ihr das Telefon ab, entzieht ihr systematisch Nahrung, Schlaf und ihren Namen (er besteht darauf, die Kasia zu nennen), bespritzt sie mit Wodka, als würde er sie bespucken. Petruchio (Konrad Wosik) macht in seinen cholerischen Ausbrüchen den Bediensteten (Maciej Czerklański) für seine Wut und Gewalt...
Erschienen am 15.4.2026


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