Gespräch
Was macht das Theater, Julia Riedler?
Im Gespräch mit Annette Hoffmann
von Julia Riedler und Annette Hoffmann
Assoziationen: Baden-Württemberg Theater Freiburg
„Und lasst der ahnungslosen Welt mich sagen, wie es zu diesen Dingen kam. So hört von Taten, fleischlich, blutig, unnatürlich, von Zufall und Verhängnis, blindem Mord, von Toden, schlau und grausam eingefädelt, und Plänen, die am Ende den Erfinder ins Unheil stießen.“ Das sagt Horatio am Ende von „Hamlet“. Und jetzt kommen Sie ins Spiel, oder?
Julia Riedler: Ja, das sagt Horatio bei uns am Anfang. Der traurige Chronist Horatio, der erzählen muss, ist unsere Ausgangslage. Alle seine Freunde sterben vor ihm, er selbst will auch den Kelch Gift trinken und dann sagt Hamlet, nein, du musst überleben, um Hamlet zu erzählen. Das ist für mich der Kern: dass wir trotz unserer Ohnmacht versuchen, Narrative zu gestalten. Ich finde, das ist gerade unsere Aufgabe als Künstlerinnen und Künstler.
Bis auf Horatio sind alle Figuren Geistererscheinungen?
JR: Das ist crazy. In Freiburg gibt es direkt neben dem Theater das Parapsychologische Institut und im Kunstmuseum Basel ist gerade eine großartige Ausstellung über Gespenster zu sehen. Es war so, als würden die Geister unser Team nicht loslassen und hätten sich in unserer Inszenierung in den Vordergrund gedrängt (lacht).
Ihnen ist die Fähigkeit zur Handlung wichtig, kommen Sie da bei „Hamlet“ nicht an...

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