Zukünfte
Im Pluriversum des Theaters
von Cornelia Walter
Erschienen in: D’haus. Düsseldorfer Schauspielhaus 2016–2026 – Schauspiel – Junges Schauspiel – Stadt:Kollektiv (05/2026)
Als ich 2016 nach Düsseldorf kam, waren meine Vorstellungen von Stadttheater so verschwommen wie meine Stellenbeschreibung vage. Ich war im Wesentlichen zuständig für Projekte, Gastspiele und alles, was nicht zum Schauspielrepertoire gehörte. Oder mit Wilfried Schulz’ Worten: »Du bist der freieste Mensch im Haus.« Die Grenzen meiner Freiheit wurden zunächst von einer realen Baustelle und der dazugehörigen Spendenkampagne definiert, von einer inszenierten Großbaustelle von Rimini Protokoll und von Robert
Wilsons »Der Sandmann«, der alle Maßstäbe sprengte, uns aber in Folge Gastspielabenteuer bis nach Shanghai bescherte.
Nach etwa zwei Jahren im Stadttheater wurde mir klar, dass nicht jeder Widerspruch im System zu ver-
stehen ist. Vierhundert Menschen arbeiten in dem Bewusstsein zusammen, wie es sein müsste, nur gerade nicht ist. Ein hochoptimiertes Geflecht von Abläufen und Abhängigkeiten sorgt dafür, dass keine Handlung folgenlos bleibt und sich der Vorhang am Ende eines langen Tages doch stets hebt. Es sind die Unerklärlichkeiten einer Institution, deren Auftrag die Illusion und deren Realität der Ausnahmezustand ist. In meiner grenzenlosen Freiheit bekam ich es mit zahlreichen Projekten und Vorhaben zu tun, vom öffentlichen Foyer als Drittem Ort über die inszenierende künstliche Intelligenz, von Diversitätsentwicklung und Inklusion mit allen damit verbundenen Debatten bis zu Fragen der Nachhaltigkeit....

















