Das Anfangen
Anfangen ist für mich ein sehr ambivalenter Begriff. Zum einen aufregend, spannend, neue Begegnungen am ersten Probentag, das Vorstellen der ersten, grundlegenden Gedanken zum gemeinsamen Projekt und – vor allem – endlich ausprobieren, endlich machen!
Andererseits aber auch Unsicherheit. Funktioniert das Erdachte? Und überhaupt: Wie kann man beginnen, den ersten Satz sprechen, die ersten Striche setzen und die ersten Entscheidungen treffen?
Anfangen – schon wieder vor dem Nichts stehen.
Oder: Anfangen – endlich wieder freier, offener Raum!
Anfangen muss man, anfangen darf man. Anfangen
will man.
Der Beginn
Alles begann mit einem Provisorium. Ein Zelt am Anfang der Königsallee. Ein Ort ohne Dauer, ohne Geschichte, ohne institutionelle Schwere. Ein Raum, der nur für diesen einen Grund errichtet wurde: um anzufangen. Mit »Gilgamesh«, einem Mythos über Freundschaft, Macht, Verlust, Sterblichkeit und: die Stadt. Über die Gründung einer Stadt und ihre Notwendigkeit, für den Menschen da zu sein, und andererseits über die Verpflichtung der Menschen, für die Stadt da zu sein. Gespielt in einem Raum, der selbst nichts versprach außer totaler Anwesenheit.
Es war ein Raum, der wusste, dass er wieder verschwinden würde. Aber dieses Wissen war nicht sein Mangel, sondern seine Qualität. Es machte das Spiel in seinem Inneren...