Selbstorganisation organisieren
von Gunter Lösel
Erschienen in: IPF – Die erste Dekade – 10 Years of Artistic Research in the Performing Arts and Film (06/2018)

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist die Annahme, dass Forschung nur dann gelingt, wenn sie sich selbst organisiert, wenn sie dem Interesse, der Neugier und der Faszination der Forschenden entspringt, wenn sie bottom-up aus der Praxis entsteht. Unter dieser Annahme muss unser Forschungsschwerpunkt eine Umgebung schaffen für Forschung in den Bereichen Theater und Tanz, und zwar eine Umgebung für eine bestimmte Art von Forschung, die man als «practice-based research», «practice-led research» oder «artistic research» bezeichnen kann. Im Folgenden verwende ich einen Begriff von künstlerischer Forschung, der sowohl Forschung für Kunst als auch Forschung durch Kunst umfasst.1 Diese Forschung hat den Anspruch, aus der Praxis zu kommen und mit den Mitteln der Praktiker/innen zu arbeiten. Carole Gray formulierte diese Position bereits 1998 treffend:
“By practice-led, I mean, firstly, research which is initiated in practice, where questions, problems, challenges are identified and formed by the needs of practice and practitioners; and secondly, that the research strategy is carried out through practice, using predominantly methodologies and specific methods familiar to us as practitioners […]”2
Man kann aus diesem Paradigma – unter anderem – zwei Forderungen ableiten:
1. Praxisbasierte Forschung in den Bühnenkünsten wird von Bühnenkünstler/ innen gemacht.
2. Praxisbasierte Forschung in den...
















