Essay
Theaterfamilie versus Familie
Über die Vereinbarkeit und Unvereinbarkeit von Mutterschaft und Bühne
Erschienen in: Theater der Zeit: Bühnenmütter und Mütternarrative (03/2026)
Assoziationen: Nordrhein-Westfalen

Als ich 1991 als junge Schauspielerin meine Theaterlaufbahn begann – doppelt stigmatisiert nach einer privaten Ausbildung und ersten Jahren an einer kleinen Landesbühne mit viel Kinder- und Jugendtheater –, war mir eins klar: Wenn ich diesen Beruf wirklich will, muss er über allem stehen. Wenn ich Rollen spielen will, dürfen Privatleben und Kinderwunsch in meinem Leben auf gar keinen Fall eine Rolle spielen. Ja, ich dachte sogar, falls Kolleginnen schwanger würden, wäre das meine Chance. Selber schuld. Hähä! Mutterschaft und Theaterlaufbahn: unmöglich. Widerspruch in sich. Überhaupt eine haltbare Beziehung zu führen in diesem nomadischen Theaterleben schien Herausforderung genug. Schauspielerin zu werden hieß, eine scheinbar unabhängige, fast religiös anmutende Lebensform zu wählen, in der das Theater immer und unter allen Umständen oberste Priorität haben muss. Wenn Familie, dann höchstens „Theaterfamilie“. Erst als ich, kurz vor meiner Unkündbarkeit (puh!), selber dann doch noch spät Mama geworden bin, wurde mir bewusst, wie wenig verbindlich, wie wenig nahrhaft diese Freundschaften innerhalb des Theaters doch oft sind. Von wegen Familie. Ja, man kommt sich schnell nah. Man spielt miteinander. Erlebt Tragödien, Komödien und viel Postdramatisches miteinander. Ist eine verschworene Gemeinschaft. Neben schmerzhaften Konkurrenzgefühlen lernt man auch schmerzhaft verstehen, warum es so schön heißt: „Don’t fuck...


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