Essay
Zwischen Offenheit und Angst ums nächste Engagement
Erfahrungsbericht einer Musicaldarstellerin und Mitgründerin von Bühnenmütter* e.V
Erschienen in: Theater der Zeit: Bühnenmütter und Mütternarrative (03/2026)

Tuck, tuck, tuck, tuck. Ein Rhythmus, zwei Milchpumpen. Wir sitzen uns in der Garderobe über die Spiegel hinweg gegenüber und lachen. Halb angezogen, zwischen Make-up, Haarspray, Still-Snacks, Lax-Vox-Schläuchen und Wasserflaschen. Mit uns im Raum zwei Kolleginnen, ebenfalls Mütter, deren Kinder längst erwachsen sind.
Wir haben diese Situation regelrecht gefeiert. Dass zwei frischgebackene Mütter gleichzeitig engagiert sind. Dass wir zusammen spielen, abpumpen und unsere Muttermilch im Requisitenkühlschrank für unsere zehn und 14 Wochen alten Babys frischhalten. Damals war mir nicht klar, wie außergewöhnlich das eigentlich ist. In diesem Moment fühlte sich die Vereinbarkeit von Theater und Mutterschaft ganz leicht an. Fast selbstverständlich.
Eine andere Situation hat sich mir ähnlich eingebrannt. Zwischen Proben erzähle ich einem Ausstatter, dass ich ein kleines Kind habe. Er freut sich ehrlich für mich und sagt: „Herzlichen Glückwunsch, dass du dich das getraut hast: Familie in dem Business.“ Dass mir jemand gratuliert, weil ich mich in diesem Beruf für ein Kind entschieden habe – das beschäftigt mich bis heute.
Ich arbeite seit vielen Jahren als Schauspielerin und Musicaldarstellerin. Frei und im festen Ensemble. Mein Kind ist heute vier Jahre alt. Ich habe mich früh entschieden, dieses Thema nicht privat zu halten, habe meine Schwangerschaft öffentlich gemacht, bin...

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