Gespräch
TdZ+ ProEin Verhör
von Max Köhler, Kristin Schulz, Jakob Hayner und B. K. Tragelehn
Erschienen in: Recherchen 179: Roter Stern in den Wolken 3 – Aufsätze, Reden, Gespräche, Gedichte. Ein Lesebuch (04/2026)
Assoziationen: Heiner Müller

Diese Befragung durch Jakob Hayner und Max Köhler, seinerzeit Germanistikstudenten der Humboldt-Universität zu Berlin und ihre Tutorin Kristin Schulz, Herausgeberin der Gedichte und der Gespräche Heiner Müllers, fand statt im Januar 2015. Und um gleich etwas zu sagen zu dem Einstieg in die Befragung: Tatsächlich saß T. den drei an einem langen Tisch nebeneinandersitzenden Fragern gegenüber. Dabei waren sie umringt von den Büchern der Bibliothek Heiner Müllers, die aufgestellt ist im Institut für Germanistik, der Arbeitsstelle, die Kristin Schulz leitet.
Jetzt sitzen wir hier so verhörmäßig –
Eto normalno. Ich bin ja ein bekannter Verbrecher.
1961, nach Ihrer Uraufführung von Müllers Umsiedlerin, hat die Parteigruppe des Berliner Ensembles einen Brief ans Zentralkomitee der SED geschrieben, in dem stand: »Die Regie ist verbrecherisch.«
Ihr seid wohlinformiert.
Vorbereitet. Wir haben uns Mühe gegeben.
Müller hat das ausgeplaudert, 1990, als Schleef und ich den Kortner-Preis bekamen. Das Zitat als Beleg für die kriminelle Energie, die die Kunst braucht.
Heiner Müller hat Sie ja ein Leben lang begleitet, als Person und mit seinen Texten –
Der Begleiter war ich. Man könnte sogar sagen, dass Müller meine Leitung war. Und dann gibt es ja bei La Bruyère die schöne Maxime: »Ein Sklave hat nur einen...



















