Herr Meyerhoff, Ihr neuer Roman handelt von Ihrer Kindheit, die Sie als Sohn des Direktors einer Psychiatrie verbracht haben. In einem Kapitel schreiben Sie über Erlebnisse, die man als Ihre ersten Theatererfahrungen ansehen könnte: Krippenspiele, aufgeführt von Patienten, mit der Darstellerin der Maria in der Zwangsjacke und einem schwerstbehinderten Jesuskind in der Krippe. Hat das Ihr Bild von Theater irgendwie geprägt?
Na ja, als Kind dachte ich nicht, ich sehe hier das unglaublichste Krippenspiel der Welt! Ich fand das vielleicht ein bisschen befremdlich. Aber eigentlich dachte ich mir: So sieht ein Krippenspiel einfach aus. Ich kannte es nicht anders. Und erst im Nachhinein habe ich bemerkt, wie tief sich diese Eindrücke eingeprägt haben. Aber die Verbindung zum Theater? Klar, die würde man immer gerne herstellen und sagen: Der ist in der Psychiatrie groß geworden – und dann ab auf die Bühne, um seine Erfahrungen dort umzusetzen. Aber so war es nicht. Meine Kindheit ist nicht der Fundus, aus dem ich spiele.
Wenn Ihnen der Umgang mit Menschen, die die Gesellschaft als verrückt abstempelt, damals ganz normal vorkam, dann klingt das aber durchaus nach der idealen Vorbereitung auf den Beruf des Schauspielers …
… (lacht) Da ist was dran....