Gerichtsdrama mit Sprachwitz und Groteske: „Tag der Ansteckung”, Regie Christoph Diem am Staatstheater BraunschweigFoto: Thomas M. Jauk/Stage Picture
Zwei Jahre hielt das endemisch zirkulierende Virus die Welt im Ausnahmezustand: SARS-CoV 2, das zwischen 2020 und 2022 die COVID-19-, vulgo Corona-Pandemie auslöste. Lockdowns legten das Leben lahm, Distanzregeln griffen bis ins Familiäre ein. Später regelten sogenannte Inzidenzen die Präsenzformen in Arbeit, Bildung, Kultur und Freizeit. Und erstmals diskutierte eine Gesellschaft, welche Berufe sie als systemrelevant erachte. Klar, an erster Stelle zählten dazu die Pflegenden in Krankenhäusern und Altenheimen. Hier wurde (intensiv-) medizinische Höchstleistung vollbracht, wurde isoliert, intubiert, hoffentlich kuriert, aber oft auch das Sterben ohne Beistand der ja zur Distanz verpflichteten Angehörigen begleitet. Abendlicher Applaus, manchmal ein Ständchen, galt dieser anonymen Heerschar Systemrelevanter von den wohlstandsbürgerlichen Balkonen, jedoch kaum echte Sorge darum, wie es jeder oder jedem einzelnen wohl physisch und psychisch ergehen mag. Und was, wenn sich trotz Ganzkörper-Schutzanzug, Atemmaske und Desinfektionsmaßnahmen eine Pflegekraft infiziert? Und sogar eine Long-COVID-Erkrankung davonträgt? Zum gesundheitlichen Martyrium gesellt sich nun ein juristisch administratives, so die Person gedenkt, eine Erwerbsminderungsrente einzufordern.
Ein ideales Sujet somit für Felicia Zeller und ihr selbsternanntes Genre der Wirtschaftsdramatik. In ihrer neuen Auftragsarbeit am Staatstheater Braunschweig lässt sie anno 2024 die Klage der Krankenschwester Elke E vor dem Sozialgericht verhandeln. Sie hatte sich während ihrer Arbeit infiziert, leidet...