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Bayerische Staatsoper München: Ein Opernthriller

„Of One Blood“ von Brett Dean. Libretto von Heather Betts nach Texten von Mary Stuart und Elizabeth Tudor (UA) – Musikalische Leitung Vladimir Jurowski, Inszenierung Claus Guth, Bühne Etienne Pluss, Kostüme Ursula Kudrna, Sounddesign Bob Scott & Sven Eckhoff

von Teresa Pieschacón Raphael

Assoziationen: Theaterkritiken Bayern Dossier: Uraufführungen Claus Guth Bayerische Staatsoper München

Erschienen am 19.5.2026

An der Bayerischen Staatsoper in München verwandelt Claus Guth Brett Deans neue Oper „Of One Blood“ in ein hochspannendes Kammerspiel über Macht, Einsamkeit und weibliche Selbstbehauptung.
An der Bayerischen Staatsoper in München verwandelt Claus Guth Brett Deans neue Oper „Of One Blood“ in ein hochspannendes Kammerspiel über Macht, Einsamkeit und weibliche Selbstbehauptung. Foto: M. Rittershaus

„Warum denn dieser alte Stoff mit den beiden Frauen?“, nölte ein Mann aus dem Publikum noch vor der Vorstellung zu seiner Begleiterin. Ohne Säbelrasseln und männliche Götter und Helden, möchte man hinzufügen. Drei Stunden später war vom besagten Zuschauer nichts weiter zu hören als laute Bravorufe. Womöglich lag dies an der ebenso präzisen wie bildgewaltigen Sprache des Regisseurs Claus Guth, an den grandiosen Sänger-Darstellerinnen Johanni van Oostrum (Elizabeth I.) und Vera-Lotte Boecker (Mary Stuart).

Doch von Anfang an: Historisch sind sich die Tudor-Königinnen Elizabeth I. und Maria Stuart nie persönlich begegnet, allenfalls auf der Theaterbühne in Friedrich Schillers Trauerspiel bzw. Gaetano Donizettis Oper. Obwohl sie als Cousinen miteinander verwandt und „of one blood“ (von einem Blut) sind. Zwei Juwele „in einer Fassung gebunden“, wie es Elisabeth in einem Brief an Mary schreibt. Rivalinnen werden sie, als es um die Macht in England geht. Dass dieser Kampf nicht in ein ordinäres Eifersuchtsdrama ausartet, ist dem klugen Libretto Heather Betts zu verdanken, das weder romantisiert noch mit weltanschaulichen Botschaften oder billigem Zeitgeist nervt. Aus zeitgenössischen Briefzitaten und historischen Überlieferungen aus dem 16. Jahrhundert setzt sie ein regelrechtes Drehbuch zusammen, das den Schwerpunkt auf die tragischen Verstrickungen zweier einander eigentlich nahestehender Frauen legt....

Erschienen am 19.5.2026

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