„The Civil Wars“ ist kein Kriegsstück. Keine Detonationen sind zu hören, keine Leichen sind zu sehen. Die Gefechte sind innerer Natur und werden zwischen einem unscheinbaren Sofa und einigen Fauteuils ausgetragen. Der jüngste Theaterabend von Milo Rau über die Mechanismen von Bürgerkriegen ist kein Reenactment, wie man es von früheren Arbeiten des Schweizer Regisseurs gewohnt ist. „The Civil Wars“ ist eine Art kollektive Therapiestunde ohne Therapeuten. Wobei Therapie im Sinne von Aufarbeitung durch Erzählung durchaus als Reenactment verstanden werden kann. „The Civil Wars“ ist der erste Teil einer Europatrilogie, in welcher Milo Rau und das International Institute of Political Murder (IIPM) die Zusammenhänge zwischen der Vergangenheit und der Zukunft dieses im Umbruch begriffenen Kontinents untersuchen.
Europa liegt auf der Couch. Ein serbelnder Kontinent, der von den Schatten seiner Vergangenheit genauso wie vom wachsenden Wahnsinn des Weltgeschehens eingeholt wird. Identitätsverlust und Klimawandel, Verunsicherung und Extremismus sind die deutlichsten der vielen Symptome, an denen der Patient leidet. Dahinter scheinen nicht heilende Blessuren zu schwelen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Milo Rau hat kein Interesse, Wunden zu lecken. Im Gegenteil, er reißt sie auf und fragt nach den Prämissen für politisches Engagement. Die Frage, weshalb junge Europäer in den Nahen Osten...