2.2. Elemente eines Leiblichkeitskonzepts
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
In zweien seiner bekanntesten Werke, dem ersten Buch seiner Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie (1913) wie auch in den 1929 in Paris gehaltenen Vorträgen, die später als Cartesianische Meditationen veröffentlicht wurden, entwickelt Husserl seine Gedanken im Ausgang von der bekannten Einsicht René Descartes’. Diese hatte sich dem französischen Philosophen als unbezweifelbar erwiesen, nachdem er in einem Gedankenexperiment die Existenz aller scheinbar unumstößlich existierenden Welttatsachen, einschließlich der eigenen Existenz, bezweifelt hatte:
Ich bin nicht jenes Gefüge von Gliedern, das man den menschlichen Körper nennt, ich bin auch nicht die feine Luft, die diese Glieder durchdringt, nicht ein Wind, Feuer, Dunst oder Hauch oder was ich mir sonst noch ausdenken mag, – habe ich doch vorausgesetzt, dass dies alles nichts ist.12
Descartes formuliert seine Einsicht in aller Kürze: »Was aber bin ich demnach? Ein denkendes Ding! Ein Wesen, das zweifelt, einsieht, bejaht, verneint, will, nicht will, das sich auch etwas bildlich vorstellt und empfindet.«13
Man entnimmt schon diesem kurzen Abschnitt, dass das berühmte cartesianische »cogito«, das üblicherweise als bloße Denktätigkeit identifiziert wird, keineswegs nur reine Denkakte umfasst. Emotionen und Akte des Wollens haben in der geräumigen Sphäre des cogito durchaus Platz. Diese Tatsache ist insofern bedeutsam, als...
















