„Mit unseren Erinnerungen versuchen wir ein missglücktes Leben zu korrigieren, nur darum erinnern wir uns“, sagt Dr. Konstantin Boggosch, der Protagonist des neuen Romans von Christoph Hein, zu einer jungen Journalistin, die ihn um ein Gespräch für ihre Lokalzeitung bittet. Diese Bitte und ein Brief des Finanzamts lösen bei ihm noch einmal die Erinnerung an das dunkle Geheimnis aus, das sein Leben fast siebzig Jahre lang überschattet hat. Geboren im Frühjahr 1945 als Sohn eines SS-Brigadeführers, der seine Gummifabrik in einer brandenburgischen Kleinstadt skrupellos zu einem kriegswichtigen Unternehmen ausbauen konnte und der für Kriegsverbrechen in der Sowjetunion und Polen hingerichtet wurde, hat ihn dieser tote Vater immer wieder eingeholt. Nachdem der 16-Jährige trotz ausgezeichneter Leistungen in der DDR weder Sportschule noch Oberschule besuchen durfte, flieht er über West-Berlin nach Marseille, um in die Fremdenlegion einzutreten. Stattdessen findet er dort Arbeit in einem Antiquariat, das von einem ehemaligen Widerstandskämpfer geführt wird. Der Antiquar und seine Freunde aus der Resistance geben dem jungen Deutschen Arbeit und helfen ihm, die französische Reifeprüfung zu bestehen. Aber Konstantin Boggosch erfährt, dass sein Vater auch an diesen Menschen schuldig geworden ist, und kann deswegen nicht in Frankreich bleiben. Wenige Tage nach dem Bau der Mauer kehrt...