Meine Leitung, das bin ich
Die Gestaltung der „Governance“ beim partizipativ-demokratischen theater pfütze
von Felix Schuler
Erschienen in: Mutige Sprünge und große Wellen – 40 Jahre theater pfütze (06/2026)

Theater sind hinsichtlich ihrer Organisation und ihres Charakters vielschichtige und widersprüchliche Organismen. Schon auf der Bühne: Als Zuschauer:in kann man vielleicht ein vermeintliches kreatives Chaos voller Spontaneität betrachten, hinter dem härteste Disziplin und präzise Taktung stehen. Als interessierte außenstehende Person vermutet man eine Atmosphäre von künstlerischer Freiheit und partizipativer Kultur, während in manchen Theatern eine – auch im Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen – geradezu archaische Hierarchie vorherrscht, oft mit einer wenig von „checks and balances“ eingehegten Intendanz. So machtvoll autoritäre Strukturen und Tendenzen auf der Bühne angeklagt, demaskiert und verdammt werden, so lebendig sind sie bisweilen hinter/neben ihr.
Anders die Pfütze.
Als studentische Theatergruppe gestartet, als wanderndes Theater gewachsen, dem Satanarchäolügenialkohöllischen näher als dem Organisationstheoretischen und 40 Jahre alt/jung mit einem Kern von Gründer:innen an Bord. Die Pfütze begegnet Worten wie „Leitung“, „Aufsicht“ und „Führung“ mit freundlicher Skepsis. Andererseits hat das Haus jenseits der Bühne einen ebenso professionellen Anspruch wie auf der Bühne: Gewachsen als eine Gruppe von Engagierten, heute eine engagierte Profi-Veranstaltung, um eine Leitende sinngemäß zu zitieren. Die Pfütze teilt damit einige Charakteristika eines Start-ups mit aktiver Gründergeneration, das den „Scale-up“ geschafft hat und sich neu formieren muss.
Vor diesem Hintergrund durfte ich 2024 mit dem Team des...















